Ganz gleich, ob es eine kleine Mary, eine Elizabeth, ein Richard oder – Gott bewahre! – ein Bruce werden wird. Schon jetzt lässt sich darauf wetten, dass der nächste Säugling im Hause Windsor auf etwas andere Weise als seine Vorfahren zur Welt kommen wird. Als Prinz Williams Großmutter, die Queen, geboren wurde, bestellten Höflinge den Innenminister in das Londoner Elternhaus in Mayfair: Der bedauernswerte Mann, Sir William Joynson-Hicks, hatte 1926 stundenlang im Nebenzimmer die Wehen von Williams Urgroßmutter zu belauschen.
Der Brauch stammte aus dem 17. Jahrhundert und war eine Folge von Gerüchten. Der Brauch sollte verhindern, dass dem Monarchen in einer Bettpfanne ein Wechselbalg untergeschoben wurde.
In heutiger Zeit klingen solche Befürchtungen absurd. Gleichwohl dürften Prinz William und seine Frau Kate froh sein, dass der Hofstaat die Lächerlichkeit des royalen Lauschangriffs mittlerweile eingesehen hat.
Ein öffentliches Ereignis ist eine königliche Schwangerschaft in Großbritannien allerdings auch heute noch. Kaum war die Nachricht am Montag offiziell verkündet, löste sie eine weltweite Babybegeisterung aus. Filmsternchen, Bischöfe, sogar der Präsident der Vereinigen Staaten, Barack Obama, gratulierte. In London harren seitdem Hunderte von Reportern und Kameraleuten vor der Privatklinik King Edward VII. aus, um Neuigkeiten über den Gesundheitszustand von Catherine, der Herzogin von Cambridge, zu verbreiten.
Seit Montagnachmittag steht die 30-jährige Kate unter Beobachtung der Ärzte, weil sie unter starkem Erbrechen und Übelkeit leidet. Der Zustand, Hyperemesis gravidarum, bringt die Gefahr des Flüssigkeitsmangels mit sich. Als sich das Herzogpaar vorsorglich auf den Weg ins Krankenhaus begab, hatte es sich schweren Herzens dazu entschlossen, die Baby-Nachricht publik zu machen.
Kate und William sind in England Dauerthema. Viele Briten wünschen sich, dass Kate mal so langsam royalen Nachwuchs bekommt. Jetzt ist es so weit, das Paar hat verkündet, dass Kate schwanger ist.
Foto: Getty ImagesNoch ist die zwölfte Schwangerschaftswoche nicht erreicht, und ursprünglich wollten Kate und William ihre Familien erst Weihnachten mit der frohen Botschaft überraschen. Ein Klinikaufenthalt aber hätte sich kaum geheim halten lassen. Und ehe die Nachricht anonym im Internet kursieren konnte, ergriffen die werdenden Eltern die Initiative: So wurden Königin Elizabeth II. wie Williams Vater, Prinz Charles, erst am Montag, wenige Stunden vor dem Rest der Welt, darüber informiert, dass die Geburt einer neuen Nummer drei der Thronfolge bevorsteht; selbstverständlich ist die Queen entzückt.
Seinen Bruder, in Afghanistan stationiert, warnte William per E-Mail: Denn Harry fällt in der Erbfolge künftig auf Rang vier zurück. Allem Anschein waren Kates Eltern, die Middletons, die Ersten, die eingeweiht wurden. Denn die Herzogin war am Wochenende, als die Übelkeit begann, bei ihrer Familie in Berkshire zu Besuch.
William und Kate geben sich in London das Jawort. Von diesem Tag an hoffen viele Menschen auf die Nachricht, dass die beiden ein Kind erwarten.
Doch bei aller Freude der Windsors im Buckingham-Palast und der Middletons in Bucklebury über die Schwangerschaft: Zunächst sind königliche Geburten in einer parlamentarischen Monarchie ernste Verfassungsangelegenheiten. Die Beamten im Cabinet Office warten derzeit mit wachsender Ungeduld auf die schriftliche Zustimmung der anderen 15 Commonwealth-Staaten zur Änderung der Erbfolgeregel.
Erstmals nämlich in der tausendjährigen britischen Geschichte soll ein erstgeborenes Mädchen nun Königin werden dürfen, auch wenn ihr ein paar Brüder folgen. Die royale Gleichstellung wurde bereits im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht, aber noch immer fehlen einige für die Gesetzesänderung nötige Unterschriften. Eine Formalie nur, wie es am Dienstag hieß.
Noch aber steht eine lange Schwangerschaft an und ist ein möglicher Geburtstermin nicht benannt. Käme das Baby im Sommer zur Welt, würden die Cambridges, wie sie jetzt oft der Einfachheit halber heißen, vielleicht schon im Herbst in eine größere Wohnung im Kensington-Palast umziehen. Derzeit bewohnen sie ein kleines Cottage mit Gärtchen auf dem Areal.
Auch William ist im Kensington-Palast aufgewachsen, unter der Obhut seiner Mutter, Prinzessin Diana, die gern mit Traditionen brach. Vielleicht wird er seinem Nachwuchs einst hübsche Familiengeschichten erzählen: Eine seiner aristokratischen Tanten, so geht die Legende, hatte im Park Fallen für streunende Katzen aufgestellt, um ihre Siamkater zu schützen. William und seine Mutter befreiten die armen Tiere aus ihrem Gefängnis. Sie stellten – sehr zum Ärger der Tante – stattdessen einfach Stofftierchen in die Fallen.
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