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Katholische Kirche in Irland: Geschlagen und vergewaltigt

Der Ausschuss-Bericht zur Untersuchung von Kindesmisshandlungen bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: Katholische Ordensleute quälten jahrzehntelang Kinder. Von Peter Nonnenmacher

Der Papst ist das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche (Archivbild).
Der Papst ist das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche (Archivbild).
Foto: getty

Das schockierende Ausmaß täglichen Terrors an Irlands katholischen Schulen über sechs Jahrzehnte hinweg hat jetzt ein Untersuchungsbericht in Dublin enthüllt. Tausende Kinder wurden in den mehr als 250 Schulen und Heimen von Mitgliedern religiöser Orden gequält, erniedrigt und oft auch vergewaltigt. Die Misshandlungen hielten bis in die neunziger Jahre an.

Der 2600 Seiten lange Bericht, den Irlands "Ausschuss zur Untersuchung von Kindesmisshandlungen" nach neunjähriger Arbeit vorlegte, bestätigt die schlimmsten Befürchtungen. Die Kinder wurden mit Gürteln und Peitschen geschlagen und lebten in permanenter Angst. Gelegentlich wurden ihnen zur Strafe die Haare geschoren. An den Jungen-Schulen, die überwiegend vom Mönchsorden der Christian Brothers geführt wurden, waren sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen an der Tagesordnung. In den Mädchen-Schulen, hauptsächlich in der Regie der Sisters of Mercy, wurden die kleinen Zöglinge der Nonnen vor allem psychisch gemartert. Aber auch hier kam es regelmäßig zu gewalttätigen Übergriffen.

Bei den Anstalten handelte es sich meist um sogenannte Reformschulen oder industrielle Schulen, in denen Waisen und angeblich schwer erziehbare Kinder untergebracht waren und oft auch harte körperliche Arbeit verrichten mussten. "Ein Klima der Angst" herrschte dem Bericht zufolge in diesen Institutionen. Brutale und willkürliche Strafen machten den Kindern das Leben zur Hölle. Zugleich waren die Opfer oft unterernährt, und generell in schlechter physischer Verfassung. Sie seien regelrecht wie Verbrecher oder wie Sklaven behandelt worden.

Scharfe Kritik äußert der fünf Bände umfassende Bericht auch an den staatlichen Aufsichtsorganen. Inspektoren des Bildungsministeriums hätten bei ihren ohnehin seltenen Besuchen in den Schulen keinerlei Interesse daran gezeigt, mit den Kindern selbst zu sprechen. Niemand habe die Misshandlungen und die Ausbeutung der Kinder zu stoppen versucht. Nicht einmal für eine ausreichende Ernährung und Bekleidung hätten die Behörden gesorgt. Für ihren Bericht, der heftige Emotionen in Irland auslöste, hatte die Kommission Aussagen von mehr als 2000 ehemaligen Schülern gesammelt.

Die Veröffentlichung des Berichts führte dennoch zu scharfen Protesten des Verbandes der "Irischen Überlebenden der Kindesmisshandlungen". Der Verband kritisiert vor allem die Tatsache, dass der Bericht keinen der Täter beim Namen nennt, und zu keinen Strafanzeigen führen wird. Diese Anonymität hatte der Orden der Christian Brothers im Jahr 2004 gerichtlich erzwungen, um seine Mitglieder vor Strafverfolgung zu schützen. Den Kirchenkritikern missfällt auch, dass Irlands katholische Kirche nur etwa ein Zehntel der Entschädigungssumme zahlen muss, die den Opfern zukommen soll. Neun Zehntel, über eine Milliarde Euro, sollen die Steuerzahler übernehmen. Eine entsprechende Vereinbarung hatte die Kirche 2002 mit der damaligen Regierung getroffen.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche Irlands, Kardinal Sean Brady, äußerte "tiefste Scham darüber, dass Kinder in diesen Institutionen auf so schreckliche Weise gelitten haben".

Autor:  PETER NONNENMACHER
Datum:  22 | 5 | 2009
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