Reykjavik. Von der Finanzkrise sind die Isländer wahrlich schlimm gebeutelt. Nicht nur, dass sie Schuldsklaven geworden sind, ihre Häuser und Autos verpfändet haben, ihre Jobs verlieren und ihre Söhne und Töchter abwandern sehen, auf der Suche nach einem besseren Leben. Jetzt müssen sie auch noch auf ihre Big Macs verzichten. Am Wochenende sperren die drei McDonalds-Filialen in Reykjavik unwiderruflich zu, weil, wie Franchisenehmer Jon Gardar Ögmundsson beklagt, die Buletten-Tempel zwar "noch nie so gut besucht waren, aber die Gewinne noch nie so klein".
Denn alles, was Ögmundssons Mitarbeiter verbraten und servieren, muss importiert werden: das Rindfleisch und der Käse, der Salat und das Ketchup, die Cola und selbst die Styropor-Behälter. So sieht es McDonalds Konzept vor. Die Importwaren aber sind durch den Verfall der isländischen Krone, die drei Viertel ihres Werts verlor, und durch die hohen Schutzzölle so teuer geworden, dass der Kettenchef den Schlussstrich zieht: "Für ein Kilo Zwiebel aus Deutschland zahle ich so viel wie früher für eine Flasche Whiskey. So geht es nicht weiter."
Darum wird Island jetzt zur McDonalds-freien Zone, 16 Jahre nach Eröffnung der ersten Bude mit dem großen M. David Oddsson, damals Premier und später Zentralbankchef auf der Atlantikinsel, war es, der am 9.9.1993 unter gehörigem Trara in den allerersten Burger biss - just jener Oddsson, den heute mehr als die Hälfte der Isländer für den Hauptschuldigen am Finanzdebakel halten. Doch Aufgeben ist keine Charaktereigenschaft der Wikingernachfahren, und an Aufgeben denkt auch Ögmundsson nicht. Er benennt seine Läden in "Metro" um und sperrt am Montag wieder auf. Dann aber mit heimischer Ware zwischen den Brötchen.
Man müsse sich, nach Jahren des Größenwahns, wieder auf die "heimischen Werte" besinnen, lautet heute die Krisen-Lehre in Island. Soll das heißen, dass es bei Metro künftig nur noch Kabeljau-Burger mit Seetang gibt oder gar Wal-Gehacktes in den Buns? Keineswegs, erwidert der Eigentümer. Aber er wird sich Fleisch, Gemüse, Molkereiwaren und Brot künftig auf der Insel besorgen, damit ein Dutzend neuer Arbeitsplätze schaffen und die Imbisse dennoch billiger anbieten können als die Import-Buletten. So kann der Abzug des Burger-Riesen gar noch zu einer Erfolgsgeschichte im Nach-Krisen-Island werden, wo McDonalds nicht der erste war, der in die Knie ging. Rivale Burger King hat seine beiden Filialen in Reykjavik schon anfangs des Jahres zugesperrt.
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