Die kleine Hexe spricht 47 Sprachen, auch Ladinisch, Esperanto und Friesisch. Es gibt wohl kaum einen deutschen Kinderbuchautor, dessen Werke in so vielen Ländern erschienen und in so viele Sprachen übersetzt worden sind. Auch wenn die Übersetzer manchmal so ihre Probleme mit Preußlers Geschichten hatten. Wie übersetzt man zum Beispiel "Hotzenplotz"?
Was schon auf Deutsch ein merkwürdiger Name ist, wird in der Übersetzung für japanische Kinder zu einem Zungenbrecher: Hottsuenpurottsu. Die Geschichten von Otfried Preußler sind in Japan trotzdem ein Verkaufsschlager. Mehr als zwei Millionen Mal ist allein der "Räuber Hotzenplotz" hier schon verkauft worden. Und der Autor bekommt Briefe von kleinen Asiaten, die wissen wollen, wie man Bratwurst mit Sauerkraut macht.
Den "Räuber Hotzenplotz" nach Korea gebracht hat die Übersetzerin Kyung-Yun Kim. Es sei gar nicht so schwer gewesen, sagt sie, koreanischen Kindern den deutschen Autor nahezubringen: Seine Sprache sei lustig, märchenhaft und dabei nicht zu didaktisch. Bloß die Reime so zu übersetzen, dass sie ihren Witz nicht verlieren, das sei eine echte Herausforderung gewesen.
Dennoch: Im Vergleich zu ihrer russischen Kollegin Elvira I. Ivanova hatte es Kim wohl eher leicht. Die Russin schrieb in einer Festschrift zu Preußlers Siebzigsten Geburtstag von den Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung des Hotzenplotz in Russland: Der Antrag sei zunächst abgelehnt worden, weil es für russische Kinder angeblich unmöglich zu verstehen sei, dass eine Kaffeemühle für Kasperls Großmutter eine außergewöhnliche Kostbarkeit darstellen könne.
Lächerlich, findet Ivanova, aber noch schlimmer sei es bei der Veröffentlichung von Krabat in den 80er Jahren gewesen: "Es war verboten, sowjetischen Kindern von Krankheit, Tod und Unglücksfällen zu erzählen", schreibt sie, "grundsätzlich waren sie fernzuhalten von aller Betrübnis, allen Schattenseiten des Lebens." Erscheinen konnte das Buch erst, als der Selbstmordversuch eines der Mühlknappen herausgestrichen worden war.
Doch trotz aller Schwierigkeiten: Preußlers Bücher wurden überall zu Bestsellern. Weltweit sind sie inzwischen mehr als 40 Millionen Mal verkauft worden.
Dass sich selbst afrikanische Kinder mit seinen Protagonisten identifizieren können, verwundert den Autor selber nicht: Als "magische Phase" hat Preußler einmal die Zeit in der Kindheit beschrieben, in der Fantasie eine große Rolle spielt. "In dieser Phase sind sich die Kinder auf der ganzen Welt ähnlich."
Der Fantasie müsse man daher Raum lassen. Nie beschreibe er etwas bis ins letzte Detail, und gerade deswegen habe er zum Beispiel immer wieder Briefe von "Krabat"-Lesern bekommen, die ihre Lausitzer Heimat exakt beschrieben wiedererkannt haben wollten. So schrieb sich der Autor kulturübergreifend in die Herzen der Leser.
Nur eines gelang ihm bislang nicht: Ausgerechnet im Nachbarland Frankreich hat Preußler nie Fuß fassen können, bis heute liegt keines seiner Bücher in französischer Übersetzung vor. Mit der Verfilmung von "Krabat" soll er nun auch hier bekannt werden, für die Übersetzung des Romans ist bereits der bekannte Kinderbuchautor Jean-Claude Mourlevat verpflichtet worden.
Er habe besonders die "fantastische Stimmung" im Roman gemocht, sagt Mourlevat, und die Übersetzung sei nicht weiter schwierig, weil Preußler in einer sehr klassischen Sprache schreibe. Nur eines bereitet Mourlevat Sorgen - Preußlers ganz eigene Sprache: "Wie soll ich zum Beispiel in höchstderoselben Straßen übersetzen?!", klagt er.
So eint Preußler nicht bloß Kinder, sondern auch Übersetzer weltweit im Staunen über kreative Namen, Ortsbeschreibungen, Reime und damit über unglaublich viel - Fantasie.
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