Die Entscheidung des Gerichts kam nicht wirklich überraschend. Der Antrag auf vorzeitige Haftentlassung des belgischen Mörders Marc Dutroux ist am Montag abgelehnt worden. „Eine elektronische Fußfessel wird Herrn Dutroux nicht gewährt“, befand das Berufungsgericht in Brüssel. Experten hatten bei einer Anhörung vor einer Rückfallgefahr gewarnt, Dutroux selbst hatte angeboten, freiwillig eine elektronische Fußfessel zu tragen. Vergebens. Dutroux bleibt also in Haft.
Vor zwei Wochen war er mit langem Haar und vollem Bart noch persönlich vor Gericht erschienen, nun urteilten die Richter in Abwesenheit über seine Zukunft.
Die Warnung der Mutter
Der heute 56-jährige Dutroux war 1996 gefasst und 2004 nach einem langwierigen Prozess und einer kurzzeitigen Flucht aus dem Gerichtssaal wegen Entführung, Vergewaltigung und Mordes an vier Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zwei junge Frauen konnten bei seiner Festnahme aus seiner Geiselhaft befreit werden. Das belgische Recht sieht vor, dass Gefangene einen Antrag auf Haftverschonung einreichen können, wenn sie zwei Drittel ihrer Strafe abgesessen haben. Dutroux’ geschiedene Ehefrau Michelle Martin, die ihn bei den Taten unterstützt hatte, war im vorigen Jahr vorzeitig freigekommen. Sie lebt derzeit unter strengen Auflagen in einem Frauenkloster im belgischen Malonne.
Jährliches Ritual
Schon damals hatte es heftige Proteste gegen Martins Freilassung gegeben. Im Falle Dutroux’ aber lehnten nicht nur die Angehörigen der Opfer eine vorzeitige Entlassung ab. Auch Dutroux’ Mutter wandte sich am Montag überraschend an die Öffentlichkeit: „Ich bin sicher, er wird es wieder tun. Er ist eine Gefahr für die Gesellschaft“, sagte die 78-jährige Jeannine Dutroux der Zeitung Le Soir. Ihr Sohn sei nicht bereit, aus dem Gefängnis freizukommen, „weil er immer noch andere für seine Taten verantwortlich macht“.
Jeannine Dutroux hatte schon 1992 vor einer Haftverschonung ihres Sohnes gewarnt. Dutroux und Michelle Martin waren nämlich schon 1988 wegen Kindesmissbrauchs zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Nach der Entlassung hatte Dutroux seine beispiellose Verbrechensserie gestartet.
„Er hat keinen Sinn für Realität, sagte Jeannine Dutroux nun. Eine eindrucksvolle Warnung der Mutter. Belgien freilich droht ein jährliches Ritual. Die belgischen Gesetze nämlich gewähren das jährliche Recht auf Prüfung der Haftverschonung. Belgien wird also mit Dutroux den Narben seiner Verbrechen leben müssen
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