Eines steht inzwischen fest: Die knapp dreijährige Zoe aus Weißensee starb an den Folgen äußerer Gewalteinwirkung. Dies habe die Obduktion zweifellos ergeben, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth, am Donnerstag. Das Kind war am Dienstagmorgen in der elterlichen Wohnung an der Indira-Gandhi-Straße gestorben, an einem Darmriss mit anschließender Bauchfellentzündung, wie die Gerichtsmediziner feststellten. Die Mutter hatte selbst die Feuerwehr alarmiert, weil das Kind nicht mehr atmete.
Ob das kleine Mädchen aber zuvor durch Schläge oder Tritte misshandelt wurde oder die Verletzung möglicherweise von einem Sturz herrührte, dazu wollten sich die Ermittler nicht äußern. Dazu gebe es noch keine Erkenntnisse, hieß es, ein Unfall sei nach wie vor nicht ausgeschlossen. Am Körper des Kindes wurden angeblich auch frische Hämatome festgestellt.
Inzwischen gilt auch der 24-jährige Lebensgefährte der Mutter als Beschuldigter. Der Mann war zuvor nur als Zeuge befragt worden. Sowohl gegen die 25-jährige Mutter als auch gegen ihn wird nun wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Beide sind nach wie vor auf freiem Fuß. Wie sie sich bei der Polizei äußerten, dazu wollte Herbeth nichts sagen.
Jugendsenatorin fordert schnelle Aufklärung
Das Paar lebte mit drei kleinen Kindern in einem Wohnblock in Weißensee. Nach dem Tod von Zoe nahm das Jugendamt die beiden anderen Kinder, zwei und vier Jahre alt, in Obhut. Zuvor wurden sie im Klinikum Buch untersucht. Dabei seien bei dem Bruder des toten Mädchens Hämatome am Körper und eine Verletzung am Arm festgestellt worden, bestätigte Pankows Jugendstadträtin Christine Keil (Linke). Nach Angaben der Bild-Zeitung soll es sich bei der Verletzung um einen Armbruch handeln, der laut Ermittlern nicht von einem Unfall herrühren könne. Dies bestätigte Keil nicht. Die Geschwister sind jetzt in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht.
Die Familie war dem Jugendamt Pankow seit September 2011 bekannt und wurde von Familienhelfern eines freien Trägers zehn Stunden pro Woche betreut. Ein Helfer war noch einen Tag vor dem Tod des Kindes dort. Es habe keine Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung oder auf Gewalt gegeben, sagte Stadträtin Keil. Die Mutter sei zur Mitwirkung bereit gewesen und während der Besuche „fürsorglich“ mit den Kindern umgegangen. Verletzungen der Kinder seien von den Betreuern nicht entdeckt worden.
Jetzt müssten „zügig und im Detail“ die Umstände geklärt werden, insbesondere, wie und warum es trotz der vom Jugendamt eingeleiteten sozialpädagogischen Familienhilfe zu dem tragischen Fall gekommen sei, erklärte am Donnerstag Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD).
Die Kritik des Kinderschutzbundes wies sie zurück. Dieser hatte bemängelt, dass es keine einheitlichen Standards für die Betreuung gefährdeter Familien gebe. „Wir haben in Berlin viel im Bereich des Kinderschutzes getan. Wir haben ein Kinderschutzgesetz, in dem geregelt ist, wie bei einem Verdacht vorzugehen ist“, sagte die Senatorin am Freitag in einem Interview mit dem rbb-Inforadio. „Wir haben in Berlin ganz viele Dinge geregelt und es gab auch schon Kritik vom Kinderschutzbund, dass wir zu viel regulieren.“ (mit dpa/dapd)
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