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03. Mai 2011

Klimawandel: Das große Tauen hat längst begonnen

 Von Hannes Gamillscheg
Eisberge in einem Eisfjord auf Grönland.  Foto: dpa

Rund ein Meter mehr bis Ende des Jahrhunderts: Die Meeresspiegel steigen viel schneller als erwartet. Die Eisschmelze in Grönland vollzieht sich in dramatischem Tempo.

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Die Eisschmelze in der Arktis hat sich in den letzten Jahren derart beschleunigt, dass der globale Meeresspiegel bis Ende dieses Jahrhunderts um rund einen Meter mehr ansteigen wird, als der UN-Klimarat vor nur vier Jahren berechnete. Für die Weltbevölkerung hat dies dramatische Konsequenzen: 150 Millionen Menschen leben in Gebieten, die weniger als einen Meter über der Meeresoberfläche liegen.

Die neuen Zahlen stammen vom Wissenschaftskomitee des Arktischen Rates (AMAP). Sie wurden am gestrigen Dienstag auf einer Konferenz in Kopenhagen vorgelegt. Am 12. Mai werden sie im grönländischen Nuuk Grundlage von Beratungen der Außenminister der Arktis-Anrainer sein. Dem Arktischen Rat gehören Kanada, die USA, Russland, Island, Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark an, das gegenwärtig den Vorsitz hält. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard bezeichnet die Berechnungen als besorgniserregend und den Rapport als Mahnung, wie dringend es sei, die Klimabedrohung in den Griff zu bekommen.

Wärmste Periode zwischen 2005 und 2010

Der UN-Klimarat hatte 2007 einen Anstieg des Meeresspiegels bis 2100 um 19 bis 59 Zentimeter berechnet. Doch er berücksichtigte die zunehmende Abschmelzung der Arktis unzureichend. Laut AMAP wird der Wasserstand um 0,9 bis 1,6 Meter steigen. „Zum Meeresanstieg um jährlich 3 mm, der zwischen 2003 und 2008 registriert wurde, trugen die arktischen Gletscher, Eiskappen und das grönländische Inlandeis mit mehr als 40 Prozent bei“, schreibt das Wissenschaftskomitee. Die Jahre 2005 bis 10 seien die wärmste Periode gewesen, die in der Arktis je registriert wurde.

In den letzten 50 Jahren verlängerte sich die jährliche Schmelzzeit um 40 bis 50 Tage – und das Volumen vergrößert sich dramatisch. Zwischen 1995 und 2000 verlor Grönlands Inlandeis jährlich rund 50 Milliarden Tonnen Eismasse. Von 2004 bis 2009 schmolzen pro Jahr 200 Milliarden Tonnen ab. Das entspreche „der jährlichen Wasserversorgung von einer Milliarde Stadtmenschen“, schreibt die Kopenhagener Zeitung Politiken, die den AMAP-Report vorab vorgelegt bekommen hatte.

Auch die übrigen permanenten arktischen Eismassen seien ab 2000 „markant rascher“ geschmolzen als im Jahrzehnt davor. Wenn das Eis abschmilzt und zu Meerwasser wird oder das Grundgestein freilegt, ändert sich die Farbe der Erdoberfläche von weiß zu blau oder braun. Dadurch werden weniger Sonnenstrahlen reflektiert, die Temperatur steigt zusätzlich, und das Abschmelzen nimmt weiter zu.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts stieg der Meeresspiegel um durchschnittlich 1,8 mm pro Jahr, und der Beitrag der Eisschmelze aus Arktis und Antarktis daran betrug rund 30 Prozent. Von 2003 bis 2010 stiegen die Meere um 3,1 mm und der Anteil des Abschmelzens der Gletscher an den Polen lag bei 75 bis 80 Prozent. Der Rest kommt von der Erweiterung des wärmer werdenden Wassers.

Anstieg der Meere um 1,6 Meter

Daher rechnen die Forscher nun mit einem Anstieg des globalen Meeresstandes um bis zu 1,6 Meter bis Ende des Jahrhunderts. Dies wird in reichen Ländern zu Küstenerosion und Überschwemmungen führen, die mit neuen Deichbauten eingedämmt werden müssen. In großen Gebieten der Dritten Welt führt die Überflutung zur Katastrophe, wenn Millionen von Menschen obdachlos werden und ihre Ernte durch eindringendes Salzwasser zerstört wird. Tief liegenden Inselstaaten wie Tuvalu oder den Malediven droht der Untergang, aber auch fruchtbare Gebiete wie das Mekongdelta in Vietnam oder das Nildelta in Ägypten sind in Gefahr.

Als Gastgeberin der Kopenhagener Konferenz hofft die dänische Klimaministerin Lykke Friis, dass der AMAP-Rapport neuen Zündstoff für die festgefahrenen Klimaverhandlungen gibt. „Die Daten zeigen klar, dass die Entwicklung den verkehrten Weg geht, und dass die Probleme, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten, weiter zugenommen haben.“

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