Die Ngobe-Buglé haben in Panama nicht viel zu sagen. Sie sind arm, werden wegen ihrer indigenen Herkunft diskriminiert und leben in abgelegenen Bergregionen, wo sonst niemand wohnen will. Doch seit der weltweite Kupferpreis von Rekord zu Rekord eilt, hat sich das Interesse an ihrem selbstverwalteten Gebiet deutlich erhöht. Denn es beherbergt unerschlossene Lagerstätten aus Kupfer und Gold, die Geologen zu den größten der Welt zählen.
Panamas Parlament hat Ende letzter Woche einem neuen Minengesetz zugestimmt, das die Abgaben der Bergbaukonzerne an den Staat zwar von vier auf fünf Prozent erhöht, dafür aber ausländischen Investoren bei der Erschließung freie Hand lässt. Unternehmen aus Kanada und Südkorea stehen bereit, um angesichts der lukrativen Weltmarktpreise zügig mit den Arbeiten in der ökologisch sensiblen Kordilleren-Region zu beginnen.
Getöteter Säugling
Doch die Ngobe-Buglé laufen Sturm. Gemeinsam mit Umwelt- und Studentengruppen haben nach Auskunft von Teilnehmern am 15. Februar mehrere tausend für Stunden die zentrale Fernstraße „Panamericana“ blockiert und eine Rücknahme der Minengesetze gefordert. Die Regierung reagierte mit der Aussendung von Nationalpolizisten in Kampfanzügen, die zunächst aber nicht einschritten. Auch in Panama-Stadt und anderen Regionen kam es zu Protesten. Nachdem die Polizei eine weitgehend friedliche Demonstration der indigenen Minderheit in der vergangenen Woche niedergeknüppelt hatte, rechnen Beobachter mit einer Eskalation der Gewalt.
„Die Demonstranten bestanden vor allem aus Frauen und Kindern der Ngobe-Buglé“, schilderte ein Deutscher, der seit zwei Jahren vor Ort arbeitet und Zeuge der Ausschreitungen in Las Lajas in der Provinz Chiriqui wurde, die Ereignisse der FR. Der junge Mann ist selbst von einem Gummigeschoss unter dem Auge verletzt worden. Neben Gummischrot wurde auch Tränengas eingesetzt. Teilnehmer berichteten von einem getöteten Säugling. „Die Geschäfte verbarrikadieren sich jetzt mit Holzlatten, und die Menschen horten Lebensmittel. Es könnte blutig werden.“
Verheerende ökologische Folgen befürchtet
Die Regierung unter dem seit knapp zwei Jahren amtierenden konservativen Präsidenten Ricardo Martinelli scheint kaum gewillt, den Ngobe-Buglé entgegenzukommen. Der 58-jährige Besitzer einer Supermarktkette will Panama zur führenden regionalen Wirtschaftsmacht ausbauen. Den Demonstranten warf er vor, von ausländischen Spekulanten bezahlt zu werden, die damit die Rohstoffpreise noch weiter anheizen wollten.
Dagegen sehen Umweltexperten durch die Minenprojekte verheerende ökologische Folgen voraus, unter anderem weil das Land keine Erfahrungen im Bergbau hat. „Allein die Goldmine wird täglich so viel Wasser verbrauchen wie 60 000 Panameňos pro Tag“, heißt es in einem von rund 20 Umweltorganisationen unterzeichneten Aufruf. Die Ngobe-Buglé haben die ersten Auswirkungen bereits zu spüren bekommen. Im Anschluss an Probebohrungen war es vor einigen Jahren zu einem Fischsterben in den Flüssen ihrer Region gekommen.
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