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08. Februar 2016

Kölner Karneval: Jecken trotzen dem Regen

Angela Merkel an in der Flüchtlingskrise „Harte Nüsse“ zu knacken, wie der Motivwagen in Köln heißt.  Foto: dpa

Während Mainz und Düsseldorf ihre Züge absagen, sagen die Kölner den Sturm ab. Sie feiern fast wie gewohnt unter dem Motto „Mer stelle alles op der Kopp“

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Der Frohsinn hat es in diesem Jahr wirklich nicht leicht. In Köln heißt das Karnevalsmotto „Mer stelle alles op der Kopp“: Wir stellen alles auf den Kopf. Passender wäre wohl „Trotz alledem!“ gewesen. Während die Rosenmontagszüge in vielen Städten dem Sturmtief „Ruzica“ zum Opfer fallen, heißt es in Köln tapfer „d‘r Zoch kütt“ – statt „der Sturm kommt“. Trotz Regen und Sturmböen und trotz der immer noch akuten Diskussion um die Sicherheit in der Stadt wird geschunkelt, gebützt, gefeiert und gelacht.

Das „Alaaf“ in „Kölle“ kommt dann fast trotzig rüber, als sich der Umzug am Vormittag in Bewegung setzt. Mit Motivwagen wird etwa Angela Merkel aufs Korn genommen – sie hat sich an der Flüchtlingskrise schon viele Zähne ausgebissen.

Der russische Präsident Wladimir Putin schaut trotz der widrigen Wetterumstände mit nacktem Oberkörper und in martialischer Pose auf die Jecken herab. Nicht nur die Narren, auch die Politik muss an diesem Tag Gegenwind aushalten.

Im Gegensatz zu anderen Städten hatten die Kölner von Beginn an kaum Zweifel aufkommen lassen, dass der „Zoch“ – der längste Karnevalszug in Deutschland – wegen des Wetters ganz ins Wasser fallen könnte. Allerdings gibt es Einschränkungen: keine Pferde, die scheuen könnten, und keine großen Figuren oder Fahnen in den Fußgruppen. Zugleiter Christoph Kuckelkorn versprüht – bei aller Sorge – Optimismus: „Der Kölner lässt sich den Zug nicht vermiesen.“ Üblicherweise kommen mehr als eine Million Jecken in die Stadt – in diesem Jahr könnten es ein paar weniger werden. „Wenn der Zug nicht stattgefunden hätte, wäre das ganze Jahr Aschermittwoch gewesen“, sagt der Kölner Jeck Mario Lagreca. Neben ihm freut sich Eselchen Jessica Schlecht: „Köln lässt sich den Karneval nicht nehmen, niemals.“

Den Clowns in der Kölner Innenstadt macht das schlechte Wetter nichts aus.  Foto: dpa

Im Gegensatz zu Mainz. Zum ersten Mal in seiner Geschichte gibt es dort wegen einer Sturmwarnung keinen Rosenmontagszug: Zunächst liegt eine stille Tristesse über der Stadt der Lebensfreude. Kein Rosenmontagszug am Rosenmontag. Am Theater lässt Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) den Blick über die leere Tribüne gleiten. „Das ist großer Mist“, sagt das Stadtoberhaupt, „aber nicht das Ende der Fröhlichkeit.“ Die Domtürme strecken sich den dunklen Wolken trotzig entgegen, auch wenn die Gondeln am erstmals davor aufgebauten Riesenrad still stehen. Die Buden sind geschlossen, der Zug kommt nicht.

Doch die Narren wollen sich ihre „goldisch Meenzer Fassenacht“ nicht nehmen lassen. Hunderte eher junge Leute treffen sich trotzdem auf der Festmeile in der Innenstadt, um zu feiern, manche sind von weiter her. „Aus Narrensicht kann ich diese Entscheidung nicht nachvollziehen“, sagt Günter Schenk, Fastnachtsexperte und Buchautor.

„Das zeigt, wie unflexibel der organisierte Karneval geworden ist.“ Aber man müsse Gott danken, dass er im wahrsten Sinne des Wortes frischen Wind in die Fastnacht gebracht habe. Denn jetzt werde sich zeigen, ob Mainz auch unorganisiert närrisch sein könne. Neben der Rosenmontags-Freude macht sich aber auch Ärger breit. Zum Himmel gehen an diesem Tag viele Blicke. Es nieselt ein wenig, vom angesagten Sturm ist erstmal nichts zu spüren.

Im Regencape verläuft nicht mal die Schminke.  Foto: dpa

Im Internet kursieren Verschwörungstheorien. War eine Anti-Terror-Razzia in Mainz am Sonntag der Grund für die Absage? „Es gab in unserer Entscheidungsphase keine Terrorwarnung, es sind auch keine Aliens gelandet“, stellt der Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins, Michael Bonewitz, auf Facebook klar.

Erst in zwei bis drei Wochen steht fest, ob und wann der Zug nachgeholt wird.

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Ärger anderer Art gab es in Oberbayern.  Nach der Aufregung um eine Panzerattrappe mit der Aufschrift „Ilmtaler Asylabwehr“ beim Faschingsumzug in Reichertshausen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Es sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Behörde in Ingolstadt. Sie muss herausfinden, ob es sich bei dem Wagen mit dem Schriftzug „Asylpaket III“ um Volksverhetzung handelt. Der Veranstalter entschuldigte sich inzwischen und sprach von Unachtsamkeit.

Bei dem Umzug war am Sonntag ein als Wehrmachtspanzer dekorierter Wagen mitgefahren. Die Aufschriften können als Unterstützung der Forderungen aus den Reihen der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) verstanden werden, an den deutschen Grenzen Waffen gegen Flüchtlinge einzusetzen. (Yuriko Wahl-Immel, Jonas-Erik Schmidt, Peter Zschunke und Oliver von Riegen, dpa/epd)

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