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17. Dezember 2012

Kommentar zur Waffenlobby USA: Waffen für die Opfer

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Früh übt sich: Ein Zehnjähriger nimmt beim Kongress der NRA Maß. Foto: Reuters

Nach dem Amoklauf in Newtown werden die Stimmen der Waffenlobbyisten wieder laut, die - wie nach jeder Schießerei in den USA - herausposaunen, dass alles ja gar nicht so schlimm gewesen wäre, wären die Opfer bewaffnet gewesen. Eine Behauptung, die jeglicher Grundlage entbehrt.

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Wer zu feinfühlig ist, der sollte jetzt nicht weiterlesen. Denn es geht um die Waffenlobbyisten in den USA. Menschen also, die bevor das Blut der Opfer getrocknet ist, nach jedem Amoklauf zwei Dinge in die Welt hinausposaunen: Jetzt sei aus Pietät nicht die Zeit um über das Waffenrecht zu reden – und alles wäre nicht so schlimm gekommen, wenn die Opfer bewaffnet gewesen wären. Das behaupten sie tatsächlich  jedes Mal, ob nach dem Massaker in einem Kino in Aurora im Sommer, bei dem 12 Menschen starben und 58 verletzt wurden, oder jetzt wieder nach dem Amoklauf in Newtown, dem 20 kleine Kinder und sieben Erwachsene zum Opfer fielen.

Doch: So abwegig, ja widerwärtig diese Behauptung klingt, so wenig Lust jeder vernünftige Mensch hast, sich mit ihr auseinanderzusetzen – wer sich in den USA gegen die Waffenfans durchsetzen will, muss sie faktisch widerlegen. Schauen wir also genauer hin: Die Waffenlobby NRA (National Riffle Association) baut ihre Selbstverteidigungsthese vor allem auf einen Fall im Jahr 1982, als in Miami ein Mann einen Amokläufer verfolgte und schließlich erschoss. Leider vergisst sie dabei zu erwähnen, dass der Täter sein Massaker bereits begangen hatte und auf der Flucht war. Ja, es ist überhaupt der einzige dokumentierte Fall dieser Art.

In zwei weiteren halbwegs vergleichbaren Situationen, in denen es jedoch keinen Massenmord gab (das heißt gemäß der offiziellen Definition: weniger als vier Tote), haben Zivilisten zwar versucht den Täter mit eigenen Pistolen aufzuhalten, doch das hatte verheerende Folgen. In einem Fall wurde der mutige Mann schwer verletzt und mehrere Passanten wurden teils schwer verwundet, im anderen Fall erschoss der Täter den Zivilisten.

Durchschnittliche Schützen sind in einer solchen Extremsituation schlichtweg überfordert und gefährden durch ihr vermeintlich heldenhaftes Verhalten eher ihr eigenes Leben und das Umstehender, als dass sie einen Amokläufer aufhalten. Selbst Polizisten haben im Chaos eines Amoklaufes schon aus Versehen auf Unschuldige geschossen.

Trauriger Rekord in der US-Geschichte

Wenn es nach der NRA geht, sollte jeder Amerikaner eine Waffe tragen.
Wenn es nach der NRA geht, sollte jeder Amerikaner eine Waffe tragen.
Foto: AFP

Zudem belegen Statistiken: Je mehr Waffen in Umlauf sind, desto mehr Gewalttaten werden verübt. Das gilt auch für die Massenmorde. Nach einer Recherche von Mother Jones hat es in den letzten 30 Jahren 62 dieser Amoktaten gegeben, im Schnitt also etwa zwei im Jahr. Doch allein 25 der 62 Fälle fallen in den Zeitraum seit 2006. In diesem Jahr allein gab es sieben Massenmorde, bei denen zudem 140 Menschen verletzt wurden. Das ist ein trauriger Rekord in der US-Geschichte.

Die Behauptung, dass mehr Waffen in den von US-Bürgern für mehr Schutz sorgten, entbehrt daher nicht nur jeder Grundlage. Vielmehr ist sogar das Gegenteil richtig.

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Fazit: Der Einfluss der Waffenlobbyisten macht das Land unsicherer und erhöht die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Waffengewalt zu werden. So lange die amerikanische Politik, allen voran Präsident Obama, diese bittere Realität nicht wahrnimmt, nein anerkennt und das Waffenrecht verschärft, wird das Land noch viele Familien trösten, viele Tränen vergießen und viele Gebete sprechen müssen.

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