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05. Januar 2016

Kriminalität: Der Trend geht zum Sprengen

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Oft zerstören die Räuber die halbe Filiale wie hier in Berlin.  Foto: Imago

Klassische Banküberfälle sind sowas von gestern. Bankräuber nutzen inzwischen häufiger die Gasflasche statt den Revolver. Doch wenn es richtig knallt, sind die Schäden meist so hoch wie die Beute.

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Heiligabend, vier Uhr morgens, ein Geldautomat in Winsen an der Luhe kurz vor Hamburg – und es knallt mal nicht. Das Niedersächsische Landeskriminalamt liegt auf der Lauer und nimmt drei Niederländer fest, die kurz davor sind, den Automaten zu sprengen. Endlich einmal ein Erfolg. Im Fluchtauto der drei findet die Polizei Reste eines anderen gesprengten Geldautomaten.

Früher trug ein Bankräuber eine Maske, eine Waffe und einen großen Beutel für die Beute, vielleicht auch noch einen Zettel mit „Geld her!“ darauf, den er dem erschrockenen Kassierer unter der Panzerglasscheibe durchschob. Heute kommen sie wie in Winsen an der Luhe häufig in den frühen Morgenstunden mit einer Gasflasche, mit Powerband und einem Feuerzeug: „Moderner Bankraub“, heißt das sich ausbreitende Phänomen in Kriminalistenkreisen. Wozu ein mühseliger riskanter Überfall alter Schule, wenn sich Geldautomaten unbeobachtet, zu nachtschlafender Zeit und mit einfachsten Mitteln in die Luft sprengen lassen.

Allein in Niedersachsen knallte es im vergangenen Jahr rund 50 Mal, in Nordrhein-Westfalen mehr als 60 Mal. Das LKA in Niedersachsen geht davon aus, dass sich 150 bis 200 Täter auf diese Art des Raubes spezialisiert haben, Täter vor allem aus Deutschland, Holland und Polen.

Alle paar Tage geht irgendwo in der Provinz ein Automat zu Bruch. Dass „moderner Bankraub“ gerade in Westdeutschland boomt, während die Zahl der klassischen Banküberfälle seit Jahren zurückgeht, sei kein Zufall, heißt es beim LKA in Hannover. Zunächst seien es Banken in den Niederlanden gewesen, in den vergangenen 20 Jahren gab es bis zu 800 Sprengungen. Als die niederländischen Banken jedoch begannen, Farbpatronen einzubauen, die bei einer Sprengung das Geld unbrauchbar machen, hätten sich die Räuber auf Deutschland konzentriert.

Außerdem, so Christian Zahle, Leiter der Sonderkommission in Niedersachsen, sei Deutschland lohnend, weil es immer noch einen sehr hohen Bargeldverkehr gebe. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat Banken und Sparkassen schon mehrfach aufgefordert, ihre Automaten endlich mit Farbkartuschen nachzurüsten.

Doch Deutschlands Banken zögern noch. Sie halten einen flächendeckenden Einsatz der Farbpatronen nicht für nötig. „Einen statistisch begründeten Nachweis zur Präventionswirkung solcher Systeme in Deutschland gibt es nicht“, teilt die Deutsche Kreditwirtschaft mit. Weil es auch einen Markt für eingefärbte Scheine gebe, so ein Sprecher, ließen sich Täter nicht wirklich davon abhalten. Außerdem ist ein Umbau aller Automaten teuer, angeblich sogar deutlich teurer als die Schäden, welche von den Räubern mit den Gasflaschen angerichtet werden.

Die Schäden können enorm sein, denn so eine Sprengung ist keine einfache Angelegenheit: Der Automat wird mit Powerband zugeklebt, dann wird durch eine kleine Öffnung Gas eingelassen und meistens per Lunte gezündet. War der Täter zu sparsam mit dem Gas, knallt es ohne Geldsegen. War er zu großzügig, gefährdet er sein Leben und das von Anwohnern und findet womöglich nichts vom Bankautomaten wieder.

Denn wenn es richtig knallt, sind die Schäden meist so hoch wie die Beute. Versicherungen gehen im Einzelfall von rund 140.000 Euro aus, 70.000 Beute, 70.000 Reparaturkosten. Denn nicht immer verläuft die Explosion so, wie es sich die Täter vorgestellt haben. Im Dorf Altdöbern in Brandenburg knallte es Ende Juni 2015. Dort sprengten Täter einen Automaten und erbeuteten nur wenige Tausend Euro. Doch durch die mächtige Explosion brannte das komplette Einkaufszentrum ab, es entstand ein Millionenschaden.

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