Panorama
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

02. Juni 2009

Kristiane Backer: Suche nach Liebe

 Von KATHARINA SPERBER
Kristiane Backer will zurück ins TV. Foto: Horst Friedrichs

Vor allem männliche Mittdreißiger bekommen glänzende Augen: Kristiane Backer, einst umschwärmte MTV-Frontfrau, heute Muslima, will zurück ins TV. Von Katharina Sperber

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Zur Person

Kristiane Backer wurde 1965 in Hamburg geboren. Von 1987 bis 1989 volontierte sie bei Radio Hamburg.

Später moderierte sie für MTV (Coca-Cola Report, Awake on the Wild Side, European Top 20) und Bravo TV. 1995 konvertierte sie zum Islam.

Von MTV nach Mekka heißt ihr Buch. Es ist im List-Verlag erschienen; 19,90 Euro.

Kristiane Backer ist wieder da. Allein bei Erwähnung ihres Namens bekommen vor allem männliche Mittdreißiger glänzende Augen. Sie erzählen dann in lebhafter Erinnerung von ihrer Jugend, dem damals noch ausschließlich englischsprachigen Musiksender MTV und dessen erster deutscher Moderatorin, Kristiane Backer. Die grazile Hamburgerin mit dem langen braunen Haar hatte sich Anfang der 1990er Jahre mit viel Charme in die Herzen werdender Männer moderiert.

Sie interviewte die Stones, lernte Prince kennen, sagte Take That an, dinierte mit Jim Kerr, tanzte auf den aufregendsten Partys in London, jettete um die Welt und wurde von Tag zu Tag glamouröser. Irgendwann war sie selbst so etwas wie ein Star. Mitte der 90er war sie dann aus dem Showbiz verschwunden.

Jetzt will Kristiane Backer zurück auf die ganz große Bühne. Noch immer bewegt sie sich grazil wie eine Katze. Im schmalen Gesicht gibt es ein paar Lachfältchen rund um die rehbraunen Augen. Die Miniröcke hat sie abgelegt, Dekolletee würde sie nicht zeigen, obwohl sie es könnte. Kristiane Backer kleidet sich heute "dezent", wie sie sagt. Dunkle, lange Hose, T-Shirt, darüber eine bunte Bluse mit langem Arm. Ein Kopftuch trägt sie in der Öffentlichkeit nicht, aber zum fünfmaligen Beten jeden Tag bedeckt sie ihr Haar. Backer ist 1995 zum Islam konvertiert - und praktiziert ihre Religion seither streng und gutgläubig.

Gegen jeden Zwang

Findet sie es richtig, dass islamische Mädchen unter den Schleier gezwungen werden? "Nein", sagt sie. Der Koran, das heilige Buch der Muslime, sei gegen jeden Zwang in religiösen Angelegenheiten. Unterdrückung von Frauen in islamischen Ländern habe nichts mit Religion, sondern mit Kultur zu tun. Außerdem habe sie noch nie eine Muslima getroffen, die gezwungenermaßen das Kopftuch trägt. "Viele Frauen machen das, weil sie wie die Frauen des Propheten leben wollen."

Was die Jungmänner vor der Glotze in den 1990ern längst ahnten, hatte im Leben der damals 26-jährigen Kristiane Backer längst Raum gegriffen. "Ich suchte nach Liebe", sagt sie. Je prominenter sie wurde, desto stärker empfand sie auch "den Kontrast zwischen Rausch und Leere". Sie moderierte große Auftritte vor 7000 Gästen - und war nachts in ihrem Hotel doch allein. Nur noch die nächste Show zählte, jede Panne musste sofort live überspielt werden und Backer wieder und wieder strahlen. Das ist schön anzusehen, aber schwer zu leben. Dann kam Imran Khan, Kapitän der pakistanischen Cricket-Nationalmannschaft, weltmännisch, groß, feurige Augen, dunkelbraune, volle Haare und ein wenig fremdländisch. Imran Khan, "the Lion of Pakistan", eroberte nicht nur im Sturm das Herz der Moderatorin, er zeigte ihr seine Heimat, wo Backer vom Palast eines Großgrundbesitzers aus Bauern beobachtet, die sich "von der Natur nur das nehmen, was sie zum Leben brauchen, und was sie an Überschuss erwirtschaften, geben sie an andere ab". An wen? Das ist hier nicht die Frage. Das sei islamisches Prinzip, erfährt sie von Khan, der ihr den Islam predigt.

Sie nimmt seinen Glauben an, konvertiert. Die Liebe zum Pakistaner aber geht zu Bruch. Was bleibt, ist die Liebe zu Allah. "Imran war das perfekte Werkzeug Gottes", sagt sie. Ohne den Cricketspieler hätte sie wohl nicht zum Islam gefunden. Kristiane Backer sucht das Spirituelle, etwas, das ihrem Leben einen Sinn gibt. Sie macht sich auf einen langen Weg nach innen. Sie erlebt Enttäuschungen auch unter Muslimen, ihre Ehe mit dem marokkanischen Journalisten Rachid Jaafar scheitert vor allem an dessen nicht zu stillenden Besitzansprüchen seiner Ehefrau gegenüber.

Aber der Religion wird Kristiane Backer nie untreu. Davon möchte sie erzählen. Sie hat das Buch "Von MTV nach Mekka" geschrieben und hätte gern eine große TV-Sendung, in der sie "Entertainment mit Inner-tainment" verbinden kann. Sie denkt dabei an Yusuf Islam, Al Gore, Richard Gere, Bob Geldof - "Menschen mit Tiefgang", die dennoch auch Glamour haben und Spaß machen.

Eine Nummer kleiner sitzt Kristiane Backer zunächst in der Talkshow bei Sandra Maischberger. Gefragt ist eine Gebrauchsanweisung zum Glück. Für Kristiane Backer sei das die Verbindung zu Gott. Damit hänge ihr Glück nicht mehr von äußeren Umständen ab.

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