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KZ Auschwitz: "Arbeit macht frei"-Schild gestohlen

Unbekannte haben den Schriftzug "Arbeit macht frei" aus dem ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz gestohlen. Offenbar war keine Kamera auf das Tor gerichtet. Von Knut Krohn

Die historische Tafel mit der zynischen Aufschrift Arbeit macht frei im ehemaligen KZ Auschwitz.
Die historische Tafel mit der zynischen Aufschrift "Arbeit macht frei" im ehemaligen KZ Auschwitz.
Foto: afp

Warschau. Jaroslaw Mensfelt kann seinen Zorn nur schwer unterdrücken. "Es ist eine Entweihung der Stätte, an der mehr als eine Million Menschen ermordet wurden. Es ist beschämend", sagte der Sprecher der Gedenkstätte Auschwitz am Freitag im polnischen Radio. Wenige Stunden zuvor hatten Unbekannte den eisernen Schriftzug "Arbeit macht frei" über dem Eingangstor der Gedenkstätte Auschwitz gestohlen. Das seien keine Vandalen gewesen, sagt Mensfelt. "Das hat jemand getan, der genau wusste, was er will." Die Täter hätten sich sehr gut ausgekannt.

Wie Polizeisprecherin Katarzyna Padlo erklärte, wurde die Inschrift wahrscheinlich in der Nacht zum Freitag zwischen 3.30 Uhr und 5 Uhr gestohlen. Ein Wachmann habe das Fehlen bemerkt und die Polizei alarmiert. Ein unerwartetes Problem stellt sich bei der Auswertung der zahlreichen Kameras, die die Gedenkstätte rund um die Uhr überwachen - keines der Geräte ist offensichtlich auf das Tor gerichtet, wo die Inschrift angebracht war.

Wichtiges Symbol

Das ehemalige nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz ist das wichtigste Symbol für den Völkermord an den Juden. In dem zwischen den polnischen Städten Krakau und Kattowitz gelegenen Lager wurden von 1940 bis zur Befreiung durch sowjetische Truppen 1945 mehr als eine Million Menschen ermordet.

Wie in Auschwitz prangte die Parole "Arbeit macht frei" als Toraufschrift auch über anderen Konzentrationslagern. Sie geht auf den zynisch missbrauchten Titel eines 1873 veröffentlichten Romans des Sprachwissenschaftlers Lorenz Diefenbach zurück. Darin gelangt ein Spieler und Betrüger durch geregelte Arbeit auf den Pfad der Tugend zurück. (dpa)

In der Nacht zum 18. Dezember 2009 stehlen Diebe die Tafel mit dem Schriftzug Arbeit macht frei über dem Eingangstor der Gedenkstätte Auschwitz.
In der Nacht zum 18. Dezember 2009 stehlen Diebe die Tafel mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" über dem Eingangstor der Gedenkstätte Auschwitz.
Foto: rtr

Laut Polizei fand ein Suchhund ein Loch in der Mauer um das rund 200 Hektar große Areal. Man geht davon aus, dass das rund fünf Meter breite und sehr schwere Schild unweit der Stelle auf einen Lieferwagen geladen und abtransportiert wurde. Bei dem eisernen Schriftzug seien an einer Seite die Schrauben gelöst, an der anderen Seite sei er abgerissen worden. Inzwischen wurde eine Kopie der Tafel angebracht, die während der Renovierungsarbeiten angefertigt worden war.

Die Aufschrift "Arbeit macht frei" gilt als Symbol für das Schicksal der Millionen Menschen, die die Nationalsozialisten ermordet haben. Sie ist die zynische Umschreibung für den angeblichen Erziehungszweck der Lager, die in Wirklichkeit auf Vernichtung der Menschen durch Arbeit ausgelegt waren. Den Schriftzug am Eingang des Lagers fertigte wahrscheinlich ein Häftling namens Jan Liwacz mit der Lagernummer 1010 an. Der Buchstabe "B" in dem Wort "Arbeit" steht auf dem Kopf und soll ein getarntes Zeichen des Ungehorsams sein.

In Auschwitz und im zwei Jahre später gegründeten Vernichtungslager im benachbarten Birkenau ermordeten die deutschen Nationalsozialisten mehr als 1,1 Millionen Menschen. Die meisten der Opfer waren Juden aus dem von Deutschland besetzten Europa. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager von sowjetischen Truppen befreit und zwei bereits Jahre später zur Gedenkstätte umgebaut. Allerdings litt das Museum, das auf der Liste des Weltkulturerbes der Unesco steht, unter chronischem Geldmangel, so dass die Gebäude auf dem Gelände zusehends verfielen. So wurde jüngst eine Stiftung zum Erhalt der Gedenkstätte ins gegründet. Deutschland sagte erst Mitte dieser Woche zu, sich in den kommenden fünf Jahren mit 60 Millionen Euro zu beteiligen.

Für Hinweise zur Ergreifung der Täter wurde gestern eine Belohnung von 5000 Zloty (rund 1200 Euro) ausgesetzt. Im polnischen Fernsehen sagte ein Polizist, es sei eine "Frage der Ehre", die Diebe zu finden.

Autor:  Knut Krohn
Datum:  18 | 12 | 2009
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