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Leben mit einer Behinderung: Wie es ihnen gefällt

Monika Tesche und Heinz Leonberger sind verheiratet, leben in einer eigenen Wohnung, gehen beide ihrem Beruf nach - und sind geistig behindert. Kristin Oeing hat sie besucht.

Heinz und Monika erinnern sich gern an schöne Zeiten: an gemeinsame Urlaube, Ausflüge und an ihre Hochzeit vor fast sieben Jahren.
Heinz und Monika erinnern sich gern an schöne Zeiten: an gemeinsame Urlaube, Ausflüge und an ihre Hochzeit vor fast sieben Jahren.
Foto: Sascha Montag

Sie umfassen sich zärtlich, tanzen mit geschlossenen Augen. Ihre Körper wiegen sich langsam zum Takt der Musik. In dem kleinen Kellerraum ist es heiß, die Gardinen sind zugezogen. Aus dem Flur frisst sich das grelle Neonlicht in den schummrig beleuchteten Raum. Einzelne Diskolichter blitzen auf und erleuchten die Tanzenden für Sekunden. Heinz Leonberger und Monika Tesche tanzen eng umschlungen, während um sie herum gehüpft, gesungen und getanzt wird. Heute ist Mittwoch, Diskotag der Diakonie Stetten.

Eine rosafarbene Blume steckt in Monikas hellblondem Haar. Das Lachen der 50-Jährigen ist offen, ihr Blick hinter der Brille mit dem dunkelblauen Gestell aufgeweckt. Als die langsamen Klänge von rockiger Musik überblendet werden, löst sich Monika von Heinz und greift nach seiner Hand. Schnurstracks geht sie auf die kleine Theke zu, hinter der sich der DJ und eine Thekenkraft stehen. "Karin, zwei Eis bitte", ruft ihr Monika über den kleinen Tresen lautstark zu.

"Alles klar, Moni", sagt die propere Karin mit den kurzen blonden Haaren und fischt zwei Eis aus dem Tiefkühlfach. Sorgsam zählt Monika Tesche das Geld ab und schiebt es über den Tresen, während Heinz bereits mit seinem Thekennachbarn plaudert. In dem dunklen Kellerraum kennen alle das ältere Paar, das keinen Diskoabend verpasst.

Vor über zwanzig Jahren haben sich Heinz Leonberger und Monika Tesche kennen gelernt. "Es war am 31. Dezember 1988", sagt Heinz und fährt sich durch das graue Haar, "auf einer Silvesterparty." Monika hält sich ihre Hand vor den Mund und kichert. Ihre Wangen färben sich rot. "Um Mitternacht haben wir angestoßen und dann ist der erste Neujahrskuss gefallen", sagt der 57-Jährige gerade heraus.

Heinz Leonberger und Monika Tesche haben eine geistige Behinderung. Zwei Erwachsene, die bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben auf Hilfe angewiesen sind. Von Jahr zu Jahr nimmt die Hilfe, die sie benötigen, ab. Ein selbst bestimmtes Leben ist das Ziel des Paares. Und ihr gutes Recht. Im März 2009 unterzeichnete Deutschland die UN-Behinderten-Rechtskonvention.

Ziel des Übereinkommens ist, die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung zu fördern und ihre Diskriminierung in der Gesellschaft zu stoppen. Während in Deutschland noch immer von Integration gesprochen wird, geht die UN-Konvention einen Schritt weiter und verlangt die soziale Einbeziehung in allen Bereichen des Lebens. Das heißt im vollen Umfang an der Gesellschaft teilzuhaben.

Heinz ist im Kinderheim zur Welt gekommen, sein junges Leben wurde von Umzügen bestimmt, die er nie selbst entscheiden konnte. Mit 34 Jahren ist er schließlich hierher gekommen, in die Behinderteneinrichtung der Diakonie Stetten in der Nähe von Stuttgart. Monika lebt hier seit ihrem siebten Lebensjahr. "Hier sind wir glücklich", sagt Monika. Sie sind angekommen, haben ihren Platz zum Wohlfühlen gefunden.

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Datum:  31 | 3 | 2010
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