Panorama
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

16. Dezember 2010

Lebensmittelproduktion: Wie die Fische das Fliegen lernten

 Von Thomas Wolff
Bevor ein Fisch auf unserem Teller landet, legt er einen langen Weg zurück. Foto: Andreas Arnold/FR

Auf weiten Wegen kommt das Gros der Speisefische in deutsche Kühltheken. Das kann sinnvoller sein als mancher Nordsee-Fang. Verbrauchern, die es genau wissen wollen, hilft ein Fischratgeber.

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Woher kommt der Fisch im Supermarkt? Wie wurde er gefangen? Was genau ist in der Tiefkühl-Packung drin? Wer das wissen will, findet dazu auf rund 2000 Fischprodukten in deutschen Kühltheken und Regalen kleingedruckte Angaben. Oft prangt noch ein blaues Etikett mit einem weißen Fisch auf der Packung: das Zeichen für nachhaltigen Fischfang, bescheinigt nach internationalen Standards. Auf Druck von NGOs teilen viele Hersteller ihren Kunden außerdem oft mit, in welchem Seegebiet der Fisch gefangen wurde und mit welcher Art Netz. Greenpeace fordert jetzt noch mehr. Die Fischerei-Industrie dagegen fragt sich, wer mit all den Informationen etwas anfangen kann. Gestern hat Greenpeace sein neues Ranking für deutsche Supermärkte vorgelegt. Darin bewertet die Biologin Iris Menn die Einkaufs- und Informationspolitik beim Fischverkauf. Ergebnis: Es gebe „mehr Transparenz für den Verbraucher“ – aber noch nicht genug. Oft seien zwar die Fanggebiete angegeben. Aber nicht einmal die Märkte selbst könnten den Weg des Fischs zurückverfolgen. Der spielt bei der Bewertung der Nachhaltigkeit bisher nämlich keine Rolle. Dabei sind die Wege oft erstaunlich.

Staunen über den Weg der Nordseekrabbe

So wird der Großteil des Alaska-Seelachses, der auf dem deutschen Markt landet, von russischen Trawlern im Pazifik gefangen – die können den Fisch aber nur zum Teil selbst verarbeiten. Tiefgekühlt reist der Fisch nach China, wo er per Hand filetiert und dann in Blöcken nach Europa verschifft wird. Ein Irrsinn? „Das ist relativ“, sagt Matthias Keller, Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Fischindustrie. „Diese Fische haben eine gute Ökobilanz“, weil handfiletiert – das bringe eine höhere Ausbeute als die maschinelle Bearbeitung. Hinzu komme der vergleichsweise umweltfreundliche Transport per Schiffscontainer. Dagegen würden zum Beispiel die Seeteufel, die in Irland gefangen und dann per Lastwagen von Hafen zu Hafen transportiert würden, weniger gut abschneiden. Sogar „Flugfische“ wie den aus Tansania und Kenia eingeflogenen Nilbarsch findet Keller nicht völlig verwerflich: „Die fliegen doch als Zusatzfracht in den Touristenmaschinen mit, oder in Frachtmaschinen zusammen mit Blumen und Gemüse.“

Dagegen staunen auch Fachleute über den Weg der Nordseekrabbe. Die wird seit Jahren von holländischen Lastern quer durch Europa ans Mittelmeer gekarrt, nach Marokko verschifft, zu Billiglöhnen von Hand gepult und von dort nach Deutschland zurückverfrachtet.

All das kann kein Kunde wissen. Muss er vielleicht auch nicht, findet Keller. „Zu viele Detailinformationen verstellen den Blicks aufs Wesentliche.“ Welche Kriterien der Kunde beim Fischkauf anlege, müsse er ohnedies selbst entscheiden. Er rät Verbrauchern, die es genau wissen wollen, vorab einen Blick auf die interaktive Weltkarte seines Verbandes zu werfen. Und Biologin Menn empfiehlt, einen Fischratgeber mit in die Einkaufstasche zu stecken. Organisationen wie WWF und Greenpeace bieten das kostenlos an.

Nützliche Websites für den Fischkauf: www.fischinfo.de (interaktive Karte aller Fanggebiete); www.greenpeace.de/themen/meere/fischerei (Fischratgeber sowie aktuelles Ranking deutscher Supermärkte); www.wwf.de/themen/meere-kuesten (Einkaufsratgeber und Informationen zu einzelnen Arten und Beständen) www.msc.org (Überblick über Kriterien für nachhaltigen Fischfang)

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