Felix ist hinter Gittern produktiv. Der Zuchtlöwe paart sich ausgiebig auf der südafrikanischen Farm Ukutula bei Brits nahe Johannesburg. Pausenlos bringt eins seiner Weibchen einen Wurf zur Welt. Wie kleine Goldesel bescheren die Welpen ihrem Besitzer reichlich Dukaten. Zur Fußball-WM 2010, hofft Willi Jacobs, zahlen besonders viele Touristen fürs Streicheln, Fläschchengeben und Fotografieren. Weiße Babys sind die Knuddel-Stars. Sie sehen aus wie Eisbär Knut, als er noch klein war.
Bildungszentrum nennt Jacobs seinen Park. "Je mehr Leute emotionalen Kontakt zu Löwen aufbauen, desto besser lassen diese sich schützen", sagt der Züchter und Hotelier. Dafür geht er einen unbarmherzigen Weg. Jacobs nimmt die Welpen im Alter von etwa drei Wochen der säugenden Mutter weg und lässt sie von Menschenhand aufziehen. Das kostet säckeweise Milchpulver, schafft aber ein weiteres touristisches Standbein. Für den Ammenjob rennen europäische Volontäre Jacobs die Tore ein.
In Südafrika leben mindestens 4000 Löwen in Gefangenschaft. Etwa 160 Zuchtbetriebe gibt es vor allem in den Provinzen North West und Free State, schätzen südafrikanische Tierschützer und fordern ein Ende dieser Industrie: Die Züchter trieben Schindluder mit den Löwen, nicht selten produzierten sie Trophäen für die Jagd. Noch immer zahlten Touristen jedes Jahr Millionen, um in einem eingezäunten Gelände Löwen abzuknallen. Das Umweltministerium habe versäumt, die Branche strenger zu reglementieren, beklagt Animal Rights Africa.
Hiesige Umweltorganisationen teilen die Kritik: "Zucht hat nur für die Arterhaltung Sinn. Ansonsten ist sie Selbstzweck für den Menschen", urteilt Daniela Freyer von Pro Wildlife. Die Züchter benutzten den Tierschutz als Mittel zum Geldverdienen. Die Biologin empfiehlt Touristen, lieber Asyle wie das Shamwari Game Reserve nahe Port Elizabeth zu besuchen. Ein ähnliches Projekt betreibt Vier Pfoten mit Lionsrock bei Bethlehem nördlich von Lesotho. Die Stiftung bringt Löwen aus verarmten osteuropäischen Zoos nach Afrika. "Handaufzucht muss die absolute Ausnahme sein", fordert Vier-Pfoten-Wildtierexperte Thomas Pietsch: Etwa wenn eine Mutter ihr Junges nicht annehme. Auf Farmen würden Löwen ohne Not auf den Menschen geprägt, könnten folglich schlechter mit ihren Artgenossen umgehen und lernten nicht zu jagen. Dort werde ein Pool von Löwen geschaffen, die nicht ausgewildert werden können. "Wozu?", fragt Pietsch.
80 Prozent der Löwen im Krüger-Park leiden an Seuchen
Afrikas Löwe ist nicht, wie sein asiatischer Verwandter, vom Aussterben bedroht. Er wird als gefährdet gelistet. Zwischen 23.000 und 39.000 Tiere leben nach Angaben der Umweltorganisation WWF in freier Wildbahn, davon etwa 2200 im Krüger-Nationalpark. Für Hobbyfotografen ein eindrucksvolles Motiv - doch das Bild der kraftvollen Großkatze trügt, sagt Züchter Jacobs: "Kaum ein Tourist weiß, dass etwa 80 Prozent der Löwen im Krüger-Park an Seuchen leiden." Tuberkulose-Erreger und LIV, vergleichbar mit HIV beim Menschen, HIV, machten dem König der Tiere zu schaffen. Büffel, aber auch Armutsflüchtlinge aus Mosambik, die den Löwen an der Grenze zum Opfer fielen, könnten die Viren übertragen haben. Der Züchter will mit Virologen der Universität Pretoria Impfstoffe finden. Für das wissenschaftliche Projekt werden seinen Löwen Blutproben entnommen.
Der Forscher Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin befürwortet das Projekt: "Es ist wichtig, wenn wir Blut von Löwen analysieren können, die von Menschen gehalten werden." So könnten aufgezogene Löwenbabys dazu beitragen, Artgenossen in freier Wildbahn zu retten. Dringenden Bedarf sieht der Tierarzt in Indien, wo nur noch 200 Exemplare vermutet werden. Experimente erlaube dieser kleine Bestand nicht mehr.
Hildebrand sieht im Austausch von Genmaterial eine Chance. Die Spezialisten des IZW zapften vor einigen Jahren einem Nashornbullen Sperma ab und befruchteten damit ein im Budapester Zoo lebendes Weibchen. Ähnlich könnte auch das Sperma von Löwe Felix und anderen Zuchtkatern auf die Reise gehen. Laut Hildebrandt hätten Indien sowie Zoos Interesse daran.
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