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Lungenpest in China: Tödlicher Gruß vom Murmeltier

In der mittleweile abgeriegelten Ortschaft Ziketan in Nordwestchina sind drei Männer an der Lungenpest gestorben. Verbreitet hat den Erreger ein Hund, der ein infiziertes Murmeltier fraß. Von Bernhard Bartsch

Ein Murmeltier soll in China indirekt die Lungenpest ausgelöst haben.
Ein Murmeltier soll in China indirekt die Lungenpest ausgelöst haben.
Foto: ddp

Es ist die gefährlichste Form des Pest-Erregers: In der Ortschaft Ziketan in Nordwestchina sind seit vergangener Woche drei Männer an der Lungenpest gestorben. Mindestens neun weitere Menschen sind infiziert, einer ist in kritischem Zustand. Seit Samstag haben die chinesischen Behörden die Kleinstadt und ihre 10.000 Einwohner im Radius von 28 Kilometer abgesperrt.

Da Ziketan in einer dünn besiedelten, meist von tibetischen Hirten bewohnten Berggegend in der Provinz Qinghai liegt, sei eine weitere Ausbreitung unwahrscheinlich, erklärte das Pekinger Gesundheitsministerium. "Für Panik gibt es keinen Grund", sagte der stellvertretende Direktor des Krisenstabs, Liang Wannian. Auch Reisende nach Qinghai müssten sich keine Sorgen machen.

Chinesische Gesundheitsexperten haben rekonstruiert, wie das Bakterium auf den Menschen überspringen konnte. Demnach fraß ein Hütehund ein infiziertes Murmeltier und verendete. Als der 32-jährige Hirte den Hund begrub, sei er von Hundeflöhen gebissen worden. Drei Tage später starb er selbst. "Nach seiner Infektion hatten Verwandte und Nachbarn weiterhin engen Kontakt mit ihm und haben sich damit ihrerseits infiziert", erklärte Wang Hu, Direktor von Qinghais Seuchenkontrollbehörde. Zwei Nachbarn, ein 64-jähriger und ein 37-jähriger Mann, seien gestorben.

Bewohner sollen versucht haben zu fliehen

Medienberichten zufolge sollen einige Bewohner der Gegend versucht haben, aus dem 3500 Quadratkilometer großen Sperrgebiet zu fliehen. Unklar ist, ob ihnen die Flucht gelungen ist. Chinesische Zeitungen berichteten unter Berufung auf Bewohner, Ziketans Ortskern wirke wie ausgestorben, fast alle Läden seien geschlossen. Die Preise für Desinfektionsmittel und Lebensmittel hätten sich verdreifacht. Das Pekinger Gesundheitsministerium betonte allerdings, die Versorgung der Region sei sichergestellt. 140 Seuchenexperten seien nach Ziketan geschickt worden, und auch Vizegesundheitsminister Yin Li habe sich vor Ort persönlich ein Bild von der Situation gemacht. In und um Ziketan wurden 40.000 Informationsbroschüren verteilt.

Weil die Lungenpest per Tröpfcheninfektion übertragen werden kann, ist die Verbreitungsgefahr weitaus höher als bei der gängigeren Beulenpest, die durch Flohbisse übertragen wird. Erste Symptome sind Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Schwindel, später Atemnot und blutiger Auswurf. Infizierte können schon innerhalb von 24 Stunden nach der Ansteckung tot sein. Die Sterblichkeit liegt bei über 60 Prozent, lässt sich durch rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika aber auf unter 15 Prozent drücken.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist das Pest-Bakterium in weiten Teilen Nordasiens, Afrikas sowie Nord- und Südamerikas unter Nagetieren verbreitet. Auf den Menschen springt es dennoch nur selten über. In Qinghai kam es nach offiziellen Angaben in den letzten 60 Jahren zu vier Lungenpestausbrüchen. Zuletzt starben im Jahr 2004 acht Menschen daran.

Als Reaktion auf den Pestausbruch hat Russland seine Grenzkontrollen zu China verschärft. Thailand begann in Chiang Mai mit einer Kampagne zur Ausrottung von Ratten. Für jeden getöteten Nager bezahlt die Lokalregierung 5 Baht (0,1 Euro). Wer die meisten Ratten tötet, erhält zusätzlich 1000 Baht (20 Euro).

Autor:  Bernhard Bartsch
Datum:  6 | 8 | 2009
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