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Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

26. Januar 2013

Lustiges Taschenbuch: Gans schön unverschämt

 Von Katja Lüthge
Gamaschen angeschnallt, Tolle geföhnt und die Fliege zurechtgezupft: Gustav Gans weiß wie kein anderer Bewohner Entenhausens, wie man sich blasiert aufführt.

Er ist ein eitler Snob, ein egoistischer Aufschneider, ein gefühlskalter Profiteur – und deshalb unverzichtbar: Der vom Glück verfolgte Gustav Gans wird 65.

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Niemand mag sie, doch das stört sie nicht: Blasierte Schnösel scheinen unabhängig von der Meinung anderer zu existieren. Die jungen arroganten Männer, gern aus reichem Elternhaus stammend, betrachten die Welt als Selbstbedienungsladen; vom väterlichen Geld durch Schule und Studium getragen, protzen sie anschließend mit dessen Erbe. So nützlich wie Heuschreckenplagen und so verdienstvoll wie Hedge-Fonds-Manager, haben sie dennoch stets das Gefühl Alles, und davon nur das Beste, würde ihnen mehr als jedem anderen zustehen. Neben der Liebe zu sich selbst gibt es keinen Platz für Mitgefühl und Empathie.

Ein weithin bekannter Prototyp dieser wenig einnehmenden Sorte Mensch feiert in diesem Monat seinen 65. Geburtstag: Gustav Gans. Nun ist Gustav Gans, der Name deutet es an, nicht exakt ein Mensch, vielleicht ist er nicht mal eine Gans, aber er verkörpert eine Reihe von Eigenschaften, die ihn als selbstverliebten Aufschneider charakterisieren.

Nicht wohlhabend von Geburt, ist er gleichwohl mit sagenhaftem Glück gesegnet: Stets fallen dem Müßiggänger Geld, Gutscheine und Güter in den Schoß. Die Selbstgewissheit, mit der er Fortuna zu seinen Diensten weiß, ist von einer erschütternden Egomanie. „Glück muss man haben! Was ich mir wünsche, wirft mir das Schicksal vor die Füße. Brauch' es nur aufzuheben.“ Wobei er schon das Bücken als Zumutung empfindet.

Mit eitlem Tand angetan

Gladstone Gander – also Ganter und nicht Gans – nannte Carl Barks 1948 seinen als Antagonist zu Donald Duck ersonnen Protagonisten, der schon bei seinem ersten Auftritt in „Die Wette“ die Ausmaße seines schlechten Charakters zeigen darf. Zu diesem Zeitpunkt arm und offensichtlich noch nicht von seiner Glücksfee geküsst, versucht er Donald und die drei Neffen aus ihrem Haus zu werfen. „Es ist Vetter Gustav!“ führen die drei Neffen überrascht den Besucher ein, der sie bei minus 30 Grad Celsius vor die Tür setzen möchte. „Tag, Donald, alter Freund und Kupferstecher!“ ist der erste Satz, den wir von ihm überliefert haben.

Wenngleich er seine Vollendung erst im folgenden Jahr erleben wird, sehen wir ihn hier schon mit eitlem Tand angetan. Seine pomadierte Wellenfrisur ist zu erahnen und der selbstzufriedene Blick voll ausgebildet. Vor allem aber sind es die Überlegenheit ausdrückende Gestik und Körperhaltung des Ganters, die seine Selbstsicht unmissverständlich verbildlichen: „Ich bin kein Niemand, sondern ein Jemand.“ Die oft überheblich geschlossenen Augen, die siegesgewiss rausgestreckte Brust, der ausgestreckte Zeigefinger – Gustav ist auch körpersprachlich ein Hochstapler.

In dem darauffolgenden „Der Perlsamen“ wird endgültig deutlich, wie viel Wert Gustav seiner äußeren Erscheinung beimisst: Der blaue Gehrock mit der schwarzen Fliege wird durch Gamaschen an den Füßen und einem Fedora-Hut komplettiert, den er im weiteren Verlauf gegen einen Zylinder tauscht. Das ist umso auffälliger, als etwa Donald, die drei Neffen und der fast zeitgleich auftauchende Onkel Dagobert mit wenigen Ausnahmen jahrzehntelang in ihren immergleichen Bekleidungen zu sehen sind. In „Segelregatta in die Südsee“ wird Gustav dann nicht nur ein hollywoodeskes Kapitänskostüm tragen, hier findet er zu seinem sprichwörtlichen Glück, das ihn nicht mehr verlassen wird.

Ohne Leidenschaft

„Er ist unser Unglück!“ befinden dagegen die Südsee-Insulaner, als er ihre Gastfreundschaft schäbig ausnutzend die spärlichen Vorräte wegfrisst. Der Ganter pflegt sein Desinteresse gegenüber den Nöten und Bedürfnissen der Anderen. Seine Unberührbarkeit geht sogar so weit, das er aufgrund seiner Fehde mit Donald in „Donald Duck auf Nordpolfahrt“ (1949) sogar die drei Neffen allein im Ewigen Eis zurücklässt. „Du gehörst gar nicht zu unserer Familie! Wer kennt dich schon?“ hatte Donald vorausschauend versucht, sich von seinem Vetter loszusagen. „Jeder! Jeder in der ganzen Stadt! Wir vom Stamme Gans sind größer als ihr, und ganz allgemein findet man mehr Geschmack an uns“ , zeigt sich Gustav dagegen überzeugt, und erklärt die Verwandtschaft im Bezug auf Dagobert Duck. „Er ist meiner Mutter Bruder Schwager.“

Nicht dass ihn herzliche Gefühle mit der Verwandtschaft verbinden würden, die Fantastillionen von Onkel Dagobert und der Wunsch bewundert zu werden, lassen ihn aber immer mal wieder auftauchen. Ob er für Daisy wirklich glüht, oder die ewige Konkurrenz mit Donald um die Gunst der Frau allein seiner Eitelkeit geschuldet ist, sei dahingestellt. Unter der sorgsam hergerichteten Hülle scheint keine Leidenschaft zu lodern. Nicht einmal die auf ihn herabrieselnden Reichtümer bedeuten ihm etwas. Sein alleiniges Interesse besteht offensichtlich in der Selbstinszenierung, er führt ein Leben aneinandergereihter Posen. Wie er sich lässig ans Steuerrad seiner Jacht lehnt, während das Schicksal ihn in die richtige Richtung navigiert ist sehenswert. Spätere Zeichner mögen ihn charakterlich gebessert haben, so herrlich snobistisch ist Gustav Gans uns indes am liebsten. Von seinen realen Brüdern im Geiste mag man das nicht behaupten.

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