Menschen und Autos wurden von den Fluten fortgerissen. Brücken und Gebäude stürzten ein - ein schweres Unwetter hat am Wochenende das portugiesische Urlaubsparadies Madeira im Atlantik verwüstet. Mindestens 42 Personen wurden getötet, mehr als 100 verletzt.
Etliche Bewohner der Atlantikinsel, die etwa 1000 Kilometer südwestlich Portugals liegt, wurden noch vermisst. Die Zahl der Toten könnte also noch steigen. Ob sich auch Touristen unter den Opfern befinden, war unklar. Deutsche Urlauber kamen offenbar nicht zu Schaden. Der deutsche Honorarkonsul stehe mit den Behörden vor Ort in Kontakt, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Sonntag in Berlin. Nach dem gegenwärtigem Stand seien keine deutschen Staatsbürger getötet oder verletzt worden.
Unwetter überflutet Madeira / Mindestens 40 Tote, Straßen unpassierbar, viele Ortschaften nicht mehr zu erreichen
Feuerwehr in Not
Es handelt sich nach Angaben der örtlichen Medien um die schlimmste Katastrophe in den vergangenen hundert Jahren auf Madeira. Sturzflutartige Regenfälle und Sturm hatten binnen Stunden zu chaotischen Zuständen in der Inselhauptstadt Funchal geführt. Straßen verwandelten sich in gefährliche Flüsse, rissen Bäume, Fahrzeuge, Verkehrsschilder, Steine und Schlamm mit. Sogar ein Feuerwehrauto trieb in den Fluten. Vielerorts mussten die Retter mit Booten ausrücken, um Bewohner in Sicherheit zu bringen. Die Untergeschosse von Hunderten Häusern und Geschäftslokalen wurden überflutet. Der internationale Flughafen nahe der Stadt Funchal, in der etwa 100000 Menschen leben, musste vorübergehend geschlossen werden. Auch Strom- und Telefonnetz brachen zeitweise zusammen. Dutzende Straßen auf der Insel mit insgesamt etwa 260000 Einwohnern waren unpassierbar, etliche Ortschaften nach Erdrutschen von der Außenwelt abgeschnitten.
Das Jahrhundert-Unwetter richtete Millionenschäden an. Portugals sozialistischer Regierungschef Jose Socrates, der sich persönlich ein Bild der Unwetterkatastrophe auf Madeira machte, äußerte sich "zutiefst bestürzt" über das Ausmaß der Tragödie und die Verwüstungen. Er schickte weitere Rettungsmannschaften auf die Insel und versprach finanzielle Unterstützung bei der Schadensbeseitigung. Socrates bemühte sich, Urlauber und Reisebranche zu beruhigen. Er versicherte: "Die Situation ist unter Kontrolle."
EU: "Stehen Madeira bei"
Die Europäische Kommission sagte ebenfalls Hilfe zu. Der Kommissionspräsident, der Portugiese Jose Manuel Barroso, kündigte an, dass die EU die zum Unionsgebiet gehörende Insel in dieser "schrecklichen Katastrophe" nicht allein lassen werde. Portugals Staatspräsident Anibal Cavaco Silva sagte: "Madeira benötigt nun unsere ganze Solidarität."
Zur bergigen Inselgruppe Madeira zählen noch das ebenfalls bewohnte kleine Eiland Porto Santo und weitere unbewohnte Inseln. Madeira ist wie die noch weiter südlich im Atlantik liegenden und zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln vulkanischen Ursprungs. Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Tourismus, der auch im üblicherweise milden Winter viele Besucher auf die Insel lockt. Die meisten ausländischen Urlauber kommen aus Großbritannien und aus Deutschland. Madeira gilt als Natur- und Blumenparadies und ist deswegen bei Wanderfreunden besonders beliebt. Auch Kreuzfahrtschiffe machen regelmäßig auf Madeira fest.
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