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22. März 2012

Madonnas neues Album: Vom vergeblichen Kampf gegen das Älterwerden

 Von Carmen Böker
Madonna will gut sein – aber auch gern weiterhin das böse Mädchen geben. Foto: dapd/Morry Gash

Madonna bringt dieser Tage ihr zwölftes Studioalbum in die Welt. „MDNA“ erzählt von einer traurigen Scheidung, von den Freuden des Dancefloors – und, eher unabsichtlich, vom vergeblichen Kampf gegen das Älterwerden.

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Es dauert gar nicht mehr so lange, dann kann man auf Madonna stehen. Nur hat das nicht unbedingt etwas mit ihrem neuen Album zu tun, das am Freitag in den Handel kommt. Sondern damit, dass sie eine Damenschuhkollektion herausbringt, ab Herbst sollen die rund 60 Modelle zunächst nur in den USA erhältlich sein. Es gibt, zu Preisen von umgerechnet 70 bis 260 Euro, Plateau-Pumps und Ballerinas mit spitzer Metallkappe, Overknee-Stretch und schweren Nietenbeschlag, dem Vernehmen nach ein Best-Of jener Kreationen, die sie bislang auf der Bühne getragen hat.

Das qualitative Gefälle zwischen diesen Schuhen und jenen geschmeidigen Sonderanfertigungen, die die Füße der Großkünstlerin zieren, könnte größer nicht sein. Doch wenigstens bei dieser Konfektionsware für den Massenmarkt beweist Madonna ein Gespür für Vielfalt, das sich in ihrer neuen musikalischen Unternehmung so nicht unbedingt finden lässt.

Ihr zwölftes Studio-Album ist schon jetzt in 50 Ländern auf Platz 1 der iTunes-Charts, derart oft wurde es zum Download vorbestellt. „MDNA“ heißt es, so eine Auslegung, weil es Madonnas musikalische DNA enthalten soll: schlicht das Erbgut des Dancefloors, für das sie sich unterdessen als Lehrstuhlinhaberin sieht. Auf dem Cover erscheint sie, gebrochen durch in bunte Neonfarben getauchte Scheiben, in jener lasziven, gleißend ausgeleuchteten Arroganz, die man aus ihrer „Vogue“-Phase der frühen Neunziger kennt.

In diese Zeit führt „MDNA“ denn auch ganz entschieden zurück, inklusive trockener, mächtiger Bässe, allgegenwärtiger Vocoder, die aus jeder Stimme Schlumpf-Gepiepse machen, und des nervösen Stakkatos der Tasteninstrumente. Vielleicht hätte das vor 20 Jahren modern und aufregend geklungen, wer weiß. Anno 2012 wirkt es mehr wie der Versuch, verbriefte Erfolge, von „Music“ bis „Like A Prayer“, aufzuarbeiten, mit der Annahme, das sei eine sichere Bank und als Reminiszenz im geschlossenen System Madonna ohnehin unangreifbar.

Wer sich ins Internet begibt, der kann das Album schon heute umfassend kennenlernen. Vorab wurden von jedem der zwölf Titel sogenannte Snippets, rund einminütige Ausschnitte, mit Billigung der Künstlerin verbreitet, außerdem Videoschnipsel, auf denen sie den Fußboden energisch mit einem Schwamm abwischt.

Madonna

Geboren am 16. August 1958 in Bay City, Michigan, ist Madonna Louise Veronica Ciccone heute der vielleicht letzte Superstar im Popmusik-Gewerbe. Bislang hat sie weltweit gut 350 Millionen Tonträger verkauft, außerdem dreht und produziert sie Filme, arbeitet als Schauspielerin und neuerdings auch als Designerin von Schuhen.

In der Highschool-Zeit wurde bei ihr ein IQ von 140 ermittelt. Nach dem Abschluss begann sie zunächst eine Tanzausbildung, zog dann aber nach New York und verdiente ihr Geld mit Kellnern.

Sie hatte Engagements als Tänzerin bei Alvin Ailey und sang in Bands wie Breakfast Club. Danach ging sie dazu über, in den Clubs zu ihren eigenen Demos zu tanzen. Eins davon war „Everybody“, ihre erste veröffentlichte Single. Ihr Debütalbum „Madonna“ erschien 1983.

Madonna war zweimal verheiratet, mit dem Schauspieler Sean Penn und dem Regisseur Guy Ritchie. Sie hat zwei leibliche Kinder, Lourdes Maria, 15, und Rocco John, 11, und zwei Adoptivkinder aus Malawi.

Am Freitag erscheint „MDNA“, das zwölfte
Studioalbum, es ist ganz dem Dancefloor-Pop ihrer frühen Jahre gewidmet.

Ihre Tournee führt sie auch nach Berlin (28.6., 30.6.) und Köln (10.7.).

Aber keine Sorge, das ist keine Einkehr, sondern bloß Material aus einer alten Werbekampagne für Dolce & Gabbana. Noch weitere vier neue Lieder sind auf der Deluxe-Version von „MDNA“ zu finden, darunter auch balladeske, rumpelnde Abrechnungen mit dem Ex-Mann, von denen eine den einsichtigen Titel „I F*cked Up“ trägt und das „I’m Sorry“ im Refrain wiederholt. „I Don’t Give A“ handelt ebenfalls von Verfehlungen und zu großen Erwartungen: „Ich versuchte ein gutes Mädchen zu sein/ Ich versuchte deine Frau zu sein ...“

Erstaunlich grobschlächtig

Abgesehen von diesen überraschenden privaten Einlassungen ist es eine erstaunlich grobschlächtige Platte geworden, wovon schon Stücke wie „Gang Bang“ künden; zu pumpenden House-Rhythmen wird darin en passant ein Liebhaber per Kopfschuss erledigt. Man fühlt sich eigentlich die ganze Zeit über, als habe man eine New-Yorker-Filiale betreten oder eine andere Boutique jener knallheiteren Fast-Fashion-Ketten, in der einem die typische Euro-Dance-Musik mit stumpfem Duff-Duff-Duff und Synthesizer-Sirenen erwartet, so brachial wie im Bierzelt.

Einer der diversen hier beschäftigen Produzenten, William Orbit, mit dem Madonna schon bei „Ray Of Light“ zusammengearbeitet hatte, setzt dieses Mal nicht auf raffinierte, somnambule, entferntere Effekte, sondern auf Penetranz. Wie beim Soundprocessing im privaten Rundfunk ist die Musik derart komprimiert, dass es keine leisen Stellen mehr gibt, alles ist gleichermaßen aufdringlich, Höhen, Tiefen, Mitten, und darüber gibt es hier sogar eine liedgewordene Anbiederung im schunkelnden Midtempo, wie es der US-amerikanische Markt so liebt, „Turn Up The Radio“.

„MDNA“ tobt zumeist los wie die versammelten Finalistinnen eines Modelwettbewerbs, die das Herannahen von Heidi Klum fürchten, mit vorgeschütztem Frohsinn, berechnenden Affekten und ein wenig Verzweiflung. In dieser Altersklasse bewegt sich denn auch das gesamte Album: Madonna, unterdessen 53, will den Kampf um die Spannkraft noch lange nicht aufgeben. Insofern ist ihre Rolle immer noch die derjenigen, die mittendrin ist im Pulk der Tänzer: keine Frau, die das schon einige Jahrzehnte macht und mit einer gewissen Güte oder auch nur Lebenserfahrung auf die nächste Generation blickt.

Keine Frau eines gewissen Alters, sondern alterslose Anführerin. Eigentlich überhaupt keine Frau, das ist der auf Feierlaune gepolten Madonna momentan scheinbar zu erwachsen und viel zu ältlich. Auf „MDNA“ wimmelt es nur so von „girls“, von Mädchen, die gut sein wollen oder böse oder anders als die anderen – und die vor allem nur ein bisschen Spaß haben wollen, so zum Beispiel in „Girl Gone Wild“, der zweiten ausgekoppelten Single, bei der im schwarz-weiß gestylten Video der New Yorker Clubszene der frühen Neunziger gehuldigt wird, inklusive hübscher, sich küssender Männer und der Künstlerin mit wild hin und her geworfenen Haaren im weißen Stroboskopgewitter, das jedem Gesicht juvenile Glätte beschert.

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