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15. Dezember 2012

Massaker an Grundschule in Connecticut: Erschossene Kinder waren Erstklässler

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Um Gebete für Newtown bittet dieses Plakat an einer Brücke in der Nähe von Hawley Pond. Foto: dapd

Das Böse kommt nach Newtown: Ein 20 Jahre alter Mann tötet zu Hause seine Mutter - dann geht er los und tötet hilflose kleine Kinder. Die Suche nach Antworten lässt die Menschen in Newtown nach dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule verzweifeln.

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Newtown –  

Die Suche nach dem Motiv des Massenmörders von Newtown wird noch lange dauern. Niemand weiß am Tag nach dem Massaker, warum Adam Lanza am Freitagmorgen losging, um zu töten. Niemand hat auch nur den Hauch einer Ahnung, was Adam Lanza fühlte, als er abdrückte. Denn der 20 Jahre alte Mann ist tot. Er hat sich erschossen. Und in Newtown, dem kleinen Städtchen im US-Bundesstaat Connecticut, sind die Menschen am Samstag verzweifelt und suchen nach Antworten, die ihnen niemand geben kann.

Nur Zwei-Wort-Sätze

Beth Israel hat eine Zeitlang in der Straße gelebt, in der Adam mit seiner Mutter Nancy Lanza wohnte. Israel sagte jetzt, Adam sei ein ruhiger und schüchterner Mensch gewesen: „Er konnte anderen Leuten nicht in die Augen blicken. Er war ein bisschen merkwürdig.“ Auch ein früherer Mitschüler des Amokläufers sagte, Adam sei eher der ruhige Typ gewesen: „Wenn man versuchte, mit ihm ins Gespräch zu kommen, kamen von ihm immer nur Antworten, die aus ein, zwei Worten bestanden.“

Was genau geschehen ist, dass aus Adam, dem ruhigen Typen, ein Massenmörder wurde, ist unbekannt. Klar scheint mittlerweile nur, dass er seine monströse Tat in aller Ruhe und Gelassenheit vollzogen hat.

Mutter erschossen

Am frühen Freitagmorgen erschießt Lanza seine Mutter Nancy in der gemeinsamen Wohnung in der Yogananda Street von Newtown. Die 52 Jahre alte Frau hat Adam seit ihrer Trennung von ihrem Mann Peter vor mehr als einem Jahrzehnt allein aufgezogen. Sie war offenbar Kindergärtnerin an der Sandy-Hook-Grundschule, trank gerne ein Gläschen Wein mit den Nachbarn und besaß jene Waffen, mit denen ihr Sohn sie tötete. Sie sei mit den Pistolen und Gewehren verantwortlich umgegangen, sagte der frühere Mitschüler von Adam: „Es ist nicht ihre Schuld, dass das passiert ist.“

Zwei Pistolen dabei

Amerikanische Medien haben ein Foto publiziert, dass die Mutter des Schützen darstellen soll, der 27 Menschen an der Sandy-Hook-Grundschule tötete.
Amerikanische Medien haben ein Foto publiziert, dass die Mutter des Schützen darstellen soll, der 27 Menschen an der Sandy-Hook-Grundschule tötete.
Foto: Reuters

Nach dem Mord an seiner Mutter steigt Adam Lanza in sein Auto und fährt zur Grundschule. Lanza hat zwei Pistolen mitgebracht - eine Glock und eine Sig Sauer. Die Polizei wird später im Auto von Lanza auch ein Gewehr finden. Es ist ein halbautomatisches Schnellfeuergewehr vom Typ Bushmaster. Ähnliche Waffen benutzen US-Soldaten in Afghanistan. In manchen US-Bundesstaaten ist der Erwerb einer solchen Waffe so unproblematisch wie der Kauf einer Kiste Bier.

Nach den bisherigen Ermittlungen eröffnet Lanza sofort das Feuer, nachdem er das Schulgebäude betreten hat. Er habe dabei ganz ruhig gewirkt, sagen Augenzeugen. Er soll kein einziges Wort gesagt haben. Er habe nur geschossen und geschossen und geschossen. Die Polizei sagt am Samstag, Lanza habe sich seinen Weg in die Schule geradezu freigeschossen.

Chefin der Mutter unter den Toten?

Das Massaker dauert nur wenige Minuten. 18 Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren sterben im Schulgebäude, zwei Kinder erliegen später in einem Krankenhaus ihren Verletzungen. Lanza tötet auch sechs Lehrer. Unter ihnen sind die Schulleiterin Dawn Hochsprung, die Chefin seiner Mutter, und der Schulpsychologe. Dann richtet Lanza die Waffe gegen sich selbst. Die Staatspolizei erklärte später, die Mutter des Amokläufers habe keine Verbindungen zur Schule gehabt.

Dementi bei Facebook

Polizeiabsperrung an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown nach dem Massaker mit zuletzt 28 Toten im US-Bundesstaat Connecticut.
Polizeiabsperrung an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown nach dem Massaker mit zuletzt 28 Toten im US-Bundesstaat Connecticut.
Foto: AFP

In den Stunden der Verzweiflung und Hektik, die auf das Massaker folgen, wird erst Adam Lanzas Bruder Ryan für den Täter gehalten. Das liegt an Papieren, die bei der Leiche gefunden werden, heißt es. Doch Ryan ist zu diesem Zeitpunkt mehr als 100 Kilometer entfernt vom Tatort. Er lebt in Hoboken in New Jersey und macht, als er die Nachricht von der monströsen Tat in Newtown hört, einen Facebook-Eintrag. Er schreibt, er sei es nicht gewesen. Die Polizei hält diese Angabe für glaubwürdig.

Einige Stunden danach sagt Dan Malloy, der Gouverneur von Connecticut: „Das Böse ist heute nach Newtown gekommen und hat eine Tragödie unaussprechlichen Ausmaßes über diese Gemeinde gebracht.“ In Newtown treffen sich die Menschen am Freitagabend zu ersten Gedenkgottesdiensten. Der Schmerz hat noch nicht nachgelassen. Noch mindestens zwei Tage wird die Polizei die Spuren des Amoklaufs in der Schule sichern und jeden daran erinnern, was dort geschehen ist. Am Vormittag ist noch nicht einmal klar, ob alle Leichen geborgen werden können.

Doch die Aufarbeitung des schlimmsten Schulmassakers in der Geschichte der USA wird noch Wochen dauern. Denn die Debatte über eine Verschärfung der laxen Waffengesetze hat gerade erst begonnen. Nach früheren Massakern endete sie meist ergebnislos. Doch die Waffengegner schöpfen Hoffnung.

Update 15.12.2012, 20 Uhr:

Offenbar weiteres Schulmassaker in den USA verhindert

Im US-Staat Oklahoma ist möglicherweise ein weiteres Schulmassaker vereitelt worden. Ein 18-Jähriger wollte offenbar am selben Tag, an dem ein Schütze an der Grundschule in Newtown in Connecticut 26 Menschen tötete, mit Pistolen und Bomben in seine Schule stürmen. Die Polizei nahm den Jugendlichen am frühen Freitagmorgen fest, nachdem sie am Donnerstagabend von den Plänen erfahren hatte.

Laut Polizeidokumenten versuchte der 18-Jährige, andere Schüler zu überreden, ihn bei seinem Plan zu unterstützen. Demnach wollte er Schüler in eine Aula locken, die Türen mit Ketten verschließen und das Feuer eröffnen. Der Jugendliche habe gedroht, Mitschüler zu töten, die ihm nicht helfen wollten, berichtete die Zeitung „Tulsa World“ unter Berufung auf Polizeikreise. Laut einem weiteren Zeitungsbericht wollte er Bomben an den Türen zur Detonation bringen, sobald die Polizei an den Tatort gekommen wäre. Der 18-Jährige befindet sich in Gewahrsam, es wurde eine Kaution von einer Million Dollar verhängt. (dapd)

Update 15.12.2012, 22 Uhr:

Mehrere Schüsse auf alle Opfer

Der Amokläufer von Newtown hat aller Wahrscheinlichkeit nach auf alle seiner 26 Opfer in der Sandy-Hook-Grundschule mehrere Schüsse aus nächster Nähe abgegeben. Er gehe davon aus, dass jedes der Opfer mehr als ein Mal getroffen wurde, sagte Gerichtsmediziner Wayne Carver bei einer Pressekonferenz am Samstag. Alle Todesfälle seien außerdem offiziell als Morde eingestuft worden. (dapd)

Update 15.12.2012, 24 Uhr:

Erschossene Kinder an US-Grundschule waren Erstklässler

Nach dem Massaker an einer US-Grundschule in Connecticut werden immer mehr Details bekannt. Einer am Samstag veröffentlichten Liste der Opfer zufolge waren die erschossenen Kinder sechs oder sieben Jahre alt. Der mit der Untersuchung der Leichen beauftragte Mediziner Wayne Carver II bestätigte Medienberichte, wonach der 20-Jährige Schütze auch seine Mutter getötet hat. Carver sagte, nach seiner Einschätzung seien alle Opfer an der Schule - acht Jungen, zwölf Mädchen sowie sechs Frauen - mit einem Gewehr erschossen worden. Der Täter habe mehrfach auf jedes seiner Opfer geschossen, teilweise elf Mal. (rtr)

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