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Medienkompetenz: Nichts als die Wahrheit

Knoblauch hilft gegen Schweinegrippe und "Jedi" ist in Australien eine Religion - das glauben Sie nicht? Steht aber alles so im Internet. So erkennen Sie Falschmeldungen. Von Patrick Beuth

Wasserschildkröten können durch den Hintern atmen - steht so im Internet, stimmt aber auch tatsächlich.
Wasserschildkröten können durch den Hintern atmen - steht so im Internet, stimmt aber auch tatsächlich.
Foto: getty

Angela Merkel kündigt eine Abwrackprämie für alte Meerschweinchen an, Wasserschildkröten können durch den Hintern atmen und Bielefeld gibt es nicht. Steht alles so im Internet. Aber entspricht irgend etwas davon der Wahrheit?

Vor allem Jugendliche, die mit dem Internet aufgewachsen sind, gehen oft besonders sorglos und unkritisch mit Informationen aus dem Netz um. Das sagt Urs Gasser, Harvard-Professor und Co-Autor des Buches "Generation Internet". Rund 200 junge Menschen aus aller Welt hat er zusammen mit seinem Kollegen John Palfrey zum Thema Internetnutzung interviewt.

Den Digital Natives, wie sie die Generation der im Internetzeitalter Geborenen nennen, attestieren sie gleichzeitig beeindruckende Fähigkeiten im Umgang mit dem Netz - und eine ebenso beeindruckende Naivität.

Schüler gehen für ein Referat oder eine Hausarbeit nicht mehr in die Bibliothek. Sie gehen zu Google und zu Wikipedia. Dass sie im Netz jederzeit falschen Informationen aufsitzen können, ignorieren sie, sagt Gasser: "Das ist wie beim Rauchen oder beim Alkohol. Sie wissen, dass es gefährlich ist, aber sie tun es trotzdem."

Entweder kommt ihnen gar nicht in den Sinn, dass Informationen im Internet besonders einfach zu manipulieren sind, oder sie legen bei der Qualitätsbewertung ihre ganz eigenen Maßstäbe an. "Die Textmenge spielt für sie eine große Rolle", weiß der Schweizer Professor. "Sie denken, wenn jemand einen langen Text geschrieben und viel Zeit darauf verwendet hat, dann muss es auch stimmen."

Oder sie entscheiden nach der Farbe der Webseite. Was sie als optisch angenehm empfinden, halten sie eher für vertrauenswürdig als eine Seite, die ihnen nicht gefällt. "Sie bewerten Qualität auch weniger an der Quelle, als daran, was in ihrer Facebook-Gruppe gelesen und geschrieben wird", sagt Gasser. Entscheidend ist für sie also nicht, wer eine Information veröffentlicht, sondern wie viele Freunde sie weitergeben.

Dabei ist das Internet nicht nur das Problem, sondern auch die Lösung, denn es bietet zahlreiche Wege, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen. Viel mehr, als einen oder zwei Schritte weiterzugehen als der normale User es tut, ist dafür nicht nötig.

Wer diese Schritte geht, findet auch heraus, dass die Sache mit den Schildkröten wirklich wahr ist.

Autor:  PATRICK BEUTH
Datum:  28 | 4 | 2009
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