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Panorama
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

07. Januar 2013

Medizinischer Strafprozess: Skandalarzt in Heilbronn entlassen

Die SLK-Kliniken am Gesundbrunnen in Heilbronn. Foto: dpa

Ein Mediziner des Heilbronner Krankenhauses soll in den Niederlanden fälschlicherweise unheilbare Krankheiten diagnostiziert haben. Die Klinikleitung hat den Arzt umgehend entlassen.

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Ein Krankenhaus in Heilbronn hat einen in den Niederlanden wegen Körperverletzung angeklagten Arzt entlassen. Die Zusammenarbeit mit dem Mann sei mit Bekanntwerden der Vorwürfe am Freitag nach knapp zwei Jahren beendet worden, teilte der Geschäftsführer der SLK-Kliniken Heilbronn, Thomas Jendges, am Sonnabend mit. Er sei „überrascht und geschockt“ gewesen, als er aus niederländischen Medien von den Vorwürfen gegen den 67-Jährigen erfahren habe.

Falsche Diagnosen

Dem Mediziner wird in den Niederlanden schwere Körperverletzung in mindestens 21 Fällen vorgeworfen. Er soll von 1998 bis 2003 im Krankenhaus in Enschede bei Dutzenden Patienten unheilbare Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson festgestellt haben. Ein Patient habe Selbstmord begangen, nachdem bei ihm fälschlicherweise Alzheimer festgestellt worden war. Bei mindestens 13 Patienten sollen aufgrund der falschen Diagnosen unnötig Gehirnoperationen ausgeführt worden sein. „Bei einem Mann wurde 12,5 Zentimeter Hirngewebe entfernt“, sagte der Anwalt Yme Drost, der rund 200 mögliche Opfer in dem Strafprozess vertritt. Die Staatsanwaltschaft spricht vom größten medizinischen Strafprozess in der Geschichte der Niederlande.

2003 hatte das Krankenhaus in Enschede den Arzt entlassen, nachdem die Leitung von seiner Medikamenten-Abhängigkeit erfahren hatte. Der Mann soll auch Rezepte gefälscht und über 80 000 Euro veruntreut haben.

Seit 2011 in Heilbronn tätig

Den Angaben des deutschen Klinikums zufolge war der Arzt seit 2011 in Heilbronn tätig. Eine Ärztevermittlungsagentur habe ihn angeboten. In der Zeit davor sei er an anderen deutschen Kliniken beschäftigt gewesen. Alle erforderlichen Qualifikationsnachweise – auch eine deutsche Approbation – lagen dem Klinikum bei der Einstellung vor. In Heilbronn habe der Mediziner als Assistenzarzt immer unter der Aufsicht des Oberarztes oder des Chefarztes gearbeitet. Auch als Stationsarzt habe er keine Eingriffe vorgenommen oder für Patienten kritische Therapien eingeleitet, sagte Jendges. „Das Klinikum schließt derzeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus, dass Patienten in Heilbronn geschädigt wurden.“ Die gegen ihn laufende Strafverfolgung in den Niederlanden sowie der angebliche Entzug der dortigen Ärzteapprobation seien dem Klinikum nicht bekannt gewesen, betonte Geschäftsführer Jendges. Der 67-jährige Niederländer habe sich zu den Vorwürfen nicht geäußert und sei still gegangen. (dpa)

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