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Mekong vor der Austrocknung: Dürre am Weltwassertag

Der Wasserstand des Mekong ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Reisbauern bewaffnen sich, um die Bewässerung zu sichern. Viele Länder müssen bereits Wasser rationieren. Von Willi Germund

Ein thailändischer Junge spielt am Ufer des  trockengefallenen Mekong, nahe der Grenze zu Laos. 60 Millionen Menschen leben an und von dem Fluss.
Ein thailändischer Junge spielt am Ufer des trockengefallenen Mekong, nahe der Grenze zu Laos. 60 Millionen Menschen leben an und von dem Fluss.
Foto: dpa

Der Wasserstand des Mekong, mit 4300 Kilometer einer der längsten Flüsse der Welt, ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. An manchen Stellen ist "Mutter Khong", wie der Fluss in Nordthailand heißt, nur noch 35 Zentimeter tief.

Seit Februar musste der Schiffsverkehr stellenweise eingestellt werden. Dabei sind die 60 Millionen Menschen, die entlang der Ufer leben, auf das Wasser für ihre Felder und das Fischen angewiesen. Von Südchina bis zu den Philippinen, von Vietnam bis Singapur hat es in der trockeneren Jahreszeit, in der jeder Tropfen zählt, so wenig geregnet wie seit langem nicht. Die Monsun-Saison ist noch mindestens zwei Monate hin. Und nun warnen Experten auch noch, dass der ersehnte Regen wegen des Wetterphänomens "El Niño" wohl später kommt als sonst.

Kampf ums Wasser

71 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt - doch nur 2,5 Prozent davon sind Süßwasser. Der überwiegende Teil (87 Prozent) ist in den Eiskappen der Pole, Gletscher sowie in der Atmosphäre und im Boden gebunden.

Größter Wasserverbraucher weltweit ist die Landwirtschaft mit etwa 70 Prozent, gefolgt von Industrie (20 Prozent) und Haushalten (10). Dabei scheiden Landwirtschaft und Industrie einen Großteil wieder als Abwasser aus - in vielen Regionen der Welt kaum geklärt und daher mit Umweltgiften aller Art belastet.Weltweit werden nur etwa fünf Prozent des Abwassers gereinigt.

Infos zum Weltwassertag: www.worldwaterday2010.info; UN Wasserbüro: www.unwater.org

Viele Länder müssen bereits Wasser rationieren. Das ist der Pegelstand am heutigen Montag, der von den Vereinten Nationen als "Weltwassertag" deklariert ist. Reisbauer Juang Thongchote würde am liebsten bis zu den Knien im nassen Schlamm auf seinem Feld arbeiten. Stattdessen steht er kampfeslustig und mit einem Holzknüppel bewaffnet an einer kleinen Wasserschleuse nahe der Stadt Phitsanulok. "Wenn ich kein Wasser bekomme, verdorrt der Reis auf meinen Feld", sagt der Mann, "wenn wir hier nicht aufpassen, wird das Wasser von einer Bande gestoppt, die Geld haben will." 40 Bauern stehen ihm bei. Sogar ein paar Polizisten seines Dorfes sind gekommen, um die Gruppe zu schützen.

Der Anlass des Bauernkriegs um Wasser im Norden Thailands: Der Mekong, der im tibetischen Hochland entspringt und in Vietnam ins Südchinesische Meer mündet, führt so wenig Wasser wie seit 20 Jahren nicht mehr. 65 Millionen Menschen im Mekong-Becken von Thailand, Laos, Kambodscha und Südvietnam bekommen die Folgen zu spüren. Aufgrund des Wassermangels dürfen die Bauern ihre Reis- und Sojabohnenfelder nur alle vier Tage für weitere vier Tage bewässern.

Im Mündungsdelta ist wegen des niedrigen Wasserstands Salzwasser aus dem Meer bereits bis zu 35 Kilometer weit ins Landesinnere vorgedrungen. Die Behörden in Südvietnam warnen Bauern davor, das Wasser zu verwenden. Von der vietnamesisch-kambodschanischen Grenze wurden im Februar einige Cholera-Fälle gemeldet. Mediziner machen den niedrigen Wasserstand dafür verantwortlich, da viele der Anrainer den Fluss gleichzeitig als Kloake und zur Trinkwasserversorgung nutzen.

Zwischen dem malerischen Ort Luang Prabang, einem bei Touristen aus aller Welt beliebten Reiseziel, und der Grenze zu Thailand mussten die Ausflugsdampfer ihre Touren stoppen. Thailändische Behörden in der Stadt Chiang Rai berichten, der Frachtverkehr auf dem Mekong sei ebenfalls schon im Februar zum Erliegen gekommen.

Laut einem Bericht der "Mekong River Commission", einem Zusammenschluss von Vietnam, Kambodscha, Laos und Thailand, sind das frühe Ende der Regenzeit im Jahr 2009 und die ausgebliebenen Niederschläge während des Monsuns für die Trockenheit verantwortlich. "Wir können keinen definitiven Zusammenhang zwischen den Staudämmen in China und dem niedrigen Wasserstand herstellen", sagt Jeremy Bird, Geschäftsführer der Kommission. Laos baute und plant mehrere riesige Staudämme an Zuflüssen des Mekong.

In China befinden sich zehn Dämme in der Planung oder bereits fertiggestellt. Auch in der Volksrepublik China, die ebenso wie Birma der "Mekong River Commission" nicht beitreten will, herrscht Wassermangel am Mekong. Chinas Medien sprechen von der schlimmsten Dürre seit 50 Jahren. 21 Frachter sitzen auf dem Trockenen. Zuckerrohrplantagen am Flussufer bangen um ihre Ernte. Vier Millionen Hektar Anbaufläche können nicht mehr ausreichend bewässert werden, berichtete die Staatspresse. In Yunnan fließe der Mekong nur mit halber Kraft, verglichen mit Februar und März in anderen Jahren. Die wilden Elefanten an der Grenze zu Birma seien auf ihrer Suche nach Wasser in die Wälder geflüchtet.

Dutzende Hektar Wald sind in China schon verbrannt. Auch im Norden von Laos und Thailand brennt es, die Rauchschwaden reichen bis Chiang Mai.

Das beeindruckt Kanokwan Manorom von der Ubon Ratchathani Universität in Thailand wenig. "China sollte auch an die Menschen um unteren Ende des Mekong denken", sagt sie. Die Dozentin spricht mit ihrem Argument vielen nicht-staatlichen Initiativen aus der Seele, die im Gegensatz zur "Mekong River Commission" keine diplomatischen Rücksichten nehmen. Die seit rund 20 Jahren bestehende Gruppe "Rivers International" argumentiert: "Der Bau von Dämmen am Oberlauf des Mekong zeigt vor allem entlang der Grenze von Thailand und Laos erhebliche negative Folgen." (mit dpa)

Autor:  Willi Germund
Datum:  22 | 3 | 2010
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