Haben Sie heute Morgen Ihr Bett gemacht? Ein BED hätte das selbst erledigt. Während Sie noch unter der Dusche oder schon beim Frühstück sind, schüttelt die Innovation aus Chile den Schlaf aus den Federn und steht binnen zweieinhalb Minuten fix und fertig parat für die nächste Nacht. Auf Knopfdruck werden Laken und Bezüge gelüftet und glatt gezogen, die Decke rollt sich auf und breitet sich zum Schluss gleichmäßig über der Matratze aus.
Das Ganze funktioniert mittels eines Luftstroms, den eine kleine Turbine im Boden des Möbelstücks erzeugt. Luft wirbelt durch eine speziell dafür entwickelte Konstruktion in das Bettzeug und entweicht wieder. Die Erfinder des Unternehmens NextDream haben sich den elektronischen Mechanismus in 140 Ländern patentieren lassen, auch in Deutschland und der Europäischen Union.
"Wir sind überzeugt, dass unsere Erfindung ein wichtiger technologischer Fortschritt ist, der die Lebensqualität verbessert", sagt Firmendirektor Nino Parodi. Zunächst hatte der 36-Jährige seinen Freund José Luis Alegría jedoch für verrückt gehalten, als dieser ihm von seiner Idee eines sich selbstmachenden Bettes erzählte. Die Idee kam Alegría während seines Psychologiestudiums, als ihn sein Logikprofessor aufforderte, ohne zeichnerische oder andere Hilfsmittel ein Bett zu entwerfen.
Mit einem interdisziplinären Team machten sich Parodi und Alegría an die Arbeit, um die Vorstellung Wirklichkeit werden zu lassen. Der Prototyp des Bettes war 2006 fertig. Vergangenes Jahr gaben beide ihre Jobs bei einer Kabelfernsehstation und einer Werbeagentur auf, um mit zwei weiteren Kreativen ihr Unternehmen zu gründen und die Serienproduktion zu starten. Noch ist "das Bett, das sich selbst macht" nur in Chile im Handel. "Wir suchen Fabrikanten oder Investoren, die eine Lizenz für Europa erwerben wollen", sagt Nino Parodi. Im August bringt ein US-Hersteller das Produkt in den Vereinigten Staaten auf den Markt. Parodi hofft, noch in diesem Jahr in Länder wie Kanada und Mexiko zu expandieren.
Die deutsche Möbelindustrie räumt NextDream gute Chancen ein, das zu bieten, wovon Kunden träumen. "Witzig und verrückt", findet Verbandspressesprecherin Ursula Geismann die Neuheit. Vorausgesetzt, es biete ausreichende Sicherheit, sei das BED interessant für alle, die es gerne bequem haben wollten.
Geht auch, wenn man drin liegt
Firmengründer Parodi denkt dabei nicht nur an luxusverliebte Manager, Langschläfer oder technikbegeisterte Haushaltsmuffel. Die Innovation könnte seiner Ansicht nach vor allem für behinderte und ältere Menschen nützlich sein, die im Haushalt Hilfe brauchen. Denn der Mechanismus arbeitet sogar, wenn jemand im Bett liegt. Daher bietet NextDream auch Automatik-Betten für Kliniken an. Das Unternehmen arbeitet für die chilenische Regierung an einem Projekt zur Modernisierung von Krankenhausbetten. "Wir haben uns verpflichtet, unser System in rund 2500 Betten in öffentlichen Krankenhäusern einzubauen", erzählt Parodi. Dies wäre in Deutschland jedoch ein heikles Unterfangen - schließlich wollen die Krankenhausgesellschaften keinesfalls den Anschein erwecken, dass den Patienten durch das automatische Bettenmachen noch weniger Zeit gewidmet würde.
Dabei wäre eine solche Erfindung "gefragt wie warme Semmeln, wenn man damit Geld und Personal sparen könnte", schätzt ein Lobbyist für Medizintechnologie. Weitere Erfindungen von NextDream sind bereits in Arbeit: ein Modell für Kinder, sowie intelligente Möbel, die möglichst wenig Platz beanspruchen. Das klingt verspielt, hat aber - wie alle Erfindungen der Tüftler - ein großes Ziel: "Wir wollen", sagt Alegría, "einen Beitrag zum Nutzen der Gesellschaft und zum Wohlbefinden leisten."
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