Die türkische Polizei meldet erste Ermittlungserfolge bei der Aufklärung des Todes von drei Schülern aus Lübeck, die sich vor zwei Wochen bei einer Klassenfahrt im südtürkischen Ferienort Kemer mit gepanschtem Schnaps vergiftet hatten. Der Alkohol war mit Methanol versetzt, das schon in kleinem Mengen zum Tod führen kann.
Zwei Mitarbeiter des Hotels Anatolia Beach, in dem die Schülergruppe gewohnt hatte, sitzen seit Montag in Untersuchungshaft. Es handelt sich um den Chefeinkäufer des Hotels und den Manager, der für Speisen und Getränke zuständig ist.
Am Dienstag konnte auch der Getränkelieferant des Hotels festgenommen werden, berichtete ein Lübecker Anwalt, der eine der betroffenen Familien vertritt. Er berief sich auf Informationen einer türkischen Anwältin. Der Getränkelieferant sei zunächst flüchtig gewesen, berichteten türkische Medien.
Die Ermittler hatten etwa drei Dutzend Alkoholproben in den Bars und Lagerräumen des Hotels genommen. Dabei sei in mehreren Fällen ein hoher Methanol-Anteil festgestellt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Drei weitere Hotelbedienstete, gegen die es im Zusammenhang mit den Vergiftungen ebenfalls Verdachtsmomente gibt, wurden vernommen, blieben aber zunächst auf freiem Fuß.
Hotelier beantragt vor Gericht Nachrichtensperre
Das Hotel habe inzwischen einen Anwalt eingeschaltet, der bei der Staatsanwaltschaft eine Nachrichtensperre über den Fall beantragt habe, hieß es in türkischen Medien. Damit will der Hotelier offenbar negative Presseberichte über sein Haus abblocken. Das im Mai 2006 eröffnete Hotel Anatolia Beach wird von mehreren deutschen Reiseveranstaltern angeboten.
Am vorvergangenen Donnerstag hatten mehrere Schüler eines Lübecker Schulzentrums bei einer Klassenfahrt in Kemer gepanschten Wodka getrunken. Ein 21-Jähriger starb noch im Hotelzimmer an Methanol-Vergiftung. Zwei weitere 17 und 19 Jahre alte Schüler fielen ins Koma und wurden vergangene Woche mit einem Ambulanzflugzeug nach Deutschland gebracht. Am vergangenen Samstag stellten die Ärzte bei beiden den Hirntod fest.
Vier weitere Schüler, die ebenfalls von dem mit Methanol versetzten Wodka getrunken hatten, konnten von türkischen Ärzten im Krankenhaus von Antalya gerettet werden: man flößte ihnen den türkischen Nationalschnaps Raki ein - Alkohol gilt als bestes Gegenmittel bei Methanol-Vergiftungen.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen der türkischen Polizei und Staatsanwaltschaft steht jetzt die Frage, wo sich die Schüler den gepanschten Schnaps besorgten. Der Klassenlehrer hatte ein Alkoholverbot ausgesprochen. Zunächst gab es deshalb Vermutungen, die Schüler hätten den Wodka in einem Laden außerhalb des Hotels gekauft.
Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt ebenfalls
Nun scheint sich aber der Verdacht zu bestätigen, dass der tödliche Schnaps im Hotel ausgeschenkt wurde: sie hätten die Flasche Wodka an der Bar des Hotels gekauft, sollen die überlebenden Schüler in Vernehmungen vor der türkischen Polizei erklärt haben.
Auch die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt wegen des Todes der drei Schüler - gegen Unbekannt. Dabei geht es unter anderem um die Frage, warum der 21-Jährige offenbar erst nach rund 20 Stunden tot in seinem Hotelzimmer gefunden wurde - und ob er möglicherweise hätte gerettet werden können, wenn man ihm früher zur Hilfe gekommen wäre.
Es ist nicht das erste Mal, dass in der Türkei Menschen durch unsachgemäß gebrannten Fusel ums Leben kommen. 2005 starben in Istanbul mindestens 17 Menschen, nachdem sie gepanschten Raki getrunken hatten. Der Schnaps stammte aus einer Schwarzbrennerei, war mit giftigem Methylalkohol verschnitten und mit gefälschten Etiketten der Qualitätsmarke "Yeni Raki" in den Handel gebracht worden.
In der Provinzstadt Malatya entdeckten die Fahnder wenig später rund 2000 Liter "Todes-Raki", auch in vielen Hotels und Läden wurde der Fusel gefunden. In der Touristenhochburg Antalya beschlagnahmten die Fahnder sogar einen ganzen Lastzug, der rund 4000 Flaschen gepanschten Schnaps geladen hatte.
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