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Protestmarsch: Mexikaner verbünden sich gegen Drogenkrieg

Der Vater eines 24-jährigen Opfers führt einen Protestmarsch gegen den mexikanischen Drogenkrieg an: „Wir werden als Kanonenfutter verheizt“.

        

Protest in Mexiko-City –  auch gegen die Politik des Präsidenten.
Protest in Mexiko-City – auch gegen die Politik des Präsidenten.
Foto: dapd

Javier Sicilia nennt das, was gerade in seiner Heimat passiert, einen „Krieg von Mexikanern gegen Mexikaner“. Sein Sohn ist diesem Krieg vor ein paar Wochen zum Opfer gefallen, als er mit Freunden nachts nach einem Barbesuch verschleppt, gefoltert und getötet wurde. Juan Francisco Sicilia, 24 Jahre alt, war eines der vielen Tausenden unschuldigen Opfer des mexikanischen Drogenkriegs. Und da sein Vater diesem Morden nicht mehr länger tatenlos zusehen will, hat er zu einem Friedensmarsch aufgerufen. Seit gestern ist er unterwegs, von seiner Heimatstadt Cuernavaca rund 90 Kilometer nach Mexiko-Stadt, zusammen einer Gruppe von Unterstützern und Freunden. Bei ihrer Abschlusskundgebung am Sonntag erwarten sie Zehntausende in der Hauptstadt.

Der Aufruf des Autoren und Journalisten Sicilia fand ein Echo in 26 Städten in Mexiko und der ganzen Welt. In Hamburg, Berlin, Paris, Madrid und Barcelona wollen vor allem Mexikaner ebenfalls auf die Straßen gehen, um ein Ende der Gewalt zu fordern, der in den vergangenen vier Jahren rund 40 000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Es ist ein Krieg, den Präsident Felipe Calderón den Drogenkartellen erklärt hat. Der Präsident versucht, seit Ende 2006 mit Zehntausenden Soldaten und Bundespolizisten die Kartelle zu besiegen. Das Ergebnis ist bis heute verheerend: Drogenhandel und Verkauf sind nicht zurückgegangen, aber die Spirale des Todes dreht sich immer schneller.

Zivilisten in der Schusslinie

2010 geht als das blutigste und tödlichste in die jüngere Geschichte Mexikos ein. 15 273 Menschen sind nach Regierungsangaben im Kampf der Drogenkartelle untereinander oder gegen den Staat getötet worden. Dies entsprach 42 Toten pro Tag.

Die Rauschgiftmafias töten sich untereinander, aber mittlerweile auch wahllos Zivilisten. Zudem begehen die Sicherheitskräfte bei ihrem Kampf gegen die Kartelle immer häufiger Menschenrechtsverletzungen, wenn sie Unschuldige töten, festnehmen oder verschwinden lassen.

Es ist das erste Mal seit drei Jahren, dass die Mexikaner lautstark gegen den Drogenkrieg auf die Straße gehen. 2008 gab es kurzzeitig eine Welle des Protestes und Demonstrationen, nachdem der 14 Jahre alte Sohn des Unternehmers Alejandro Martí entführt und trotz Zahlung eines Lösegeldes von seinen Kidnappern ermordet wurde. In das Verbrechen waren auch mehrere Polizisten verwickelt. Aber damals entwickelte sich keine nachhaltige Bewegung gegen die Gewalt in Mexiko. Sicilia, der gemeinsam mit dem „Netz für Frieden und Gerechtigkeit“ die Märsche organisiert, will die Mexikaner nun aber aufrütteln, organisieren und versuchen, so etwas wie eine Bewegung der Zivilgesellschaft zu schaffen.

Neun von zehn Gewalttaten unbestraft

„Wir haben Angst, in diesem Krieg zwischen dem Militär und dem Organisierten Verbrechen als Kanonenfutter verheizt zu werden“, sagt Sicilia, der seit dem Tod seines Sohnes keinen Tag geruht hat und vom Staat die Aufklärung des Verbrechens fordert. In Mexiko bleiben aber neun von zehn Gewalttaten ungestraft: Ermittler und Gerichte überfordert oder unwillig; Polizisten, Richter und Staatsanwälte stehen teils selbst auf der Gehaltsliste der Kartelle.

Präsident Felipe Calderón, dem ein Großteil der Kritik für seine unzureichende Strategie gegen das Organisierte Verbrechen gilt, wandte sich jetzt überraschend an die Bevölkerung. Er forderte die Einheit des Landes im Kampf gegen die Mafias. „Um diesen Kampf zu gewinnen, müssen alle Mexikaner zusammenstehen und die Anstrengungen verdoppeln“. Die Strategie der totalen Konfrontation zu ändern würde die Dinge nur verschlimmern, betonte Calderón. „Wenn wir uns zurückziehen, überlassen wir den Verbrecherbanden unsere Straßen.“

Autor:  Klaus Ehringfeld
Datum:  5 | 5 | 2011
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