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Mexiko: Insel verzweifelt gesucht

Mexiko hofft, mit einer sagenumwobenen Insel seine Ölförderung auszudehnen. Existierte Bermeja tatsächlich, so würde sie die Seegrenze 55 Kilometer weiter ins Meer verschieben. Von Klaus Ehringfeld

Eine Karte von 1846 zeigt ganz nördlich die mexikanische Phantom-Insel Bermeja.
Eine Karte von 1846 zeigt ganz nördlich die mexikanische Phantom-Insel Bermeja.
Foto: wikipedia

Um Mexikos Ölvorkommen steht es nicht zum Besten. Die Förderung sinkt fast täglich, die erschlossenen Ölfelder nähern sich dem Zustand der totalen Erschöpfung, und neue Vorkommen sind schwer und teuer zu erschließen. Dafür fehlt es dem Land und seinem staatlichen Erdölriesen Pemex sowohl an Geld als auch an Technologie.

In diesen Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten macht Not bekanntlich erfinderisch. So kamen einige mexikanische Abgeordnete auf die clevere Idee, den Reichtum am schwarzen Gold mit einem Federstrich so zu erhöhen, dass Mexiko bis auf weiteres aller Probleme ledig wäre.

Die Parlamentarier erinnerten sich an ein paar alte Seekarten, an Gerüchte, an Märchen - jedenfalls an ein sagenumwobenes Eiland namens Bermeja, gerade mal 20 Hektar groß, das ungefähr 100 Kilometer nördlich vor Yucatán im Golf von Mexiko liegen soll, an den Mexiko, die USA und Kuba angrenzen.

Seit dem 16. Jahrhundert tauchte Bermeja auf 22 Grad und 33 Minuten nördlicher Breite und 91 Grad und 22 Minuten westlicher Länge in offizielen Dokumenten und Schulbüchern auf. Selbst in einigen Reiseführern in den USA soll es verzeichnet sein. Sogar der US-Geheimdienst CIA soll von seiner Existenz wissen. Zwischen 1820 und 1997 haben sich immer wieder mexikanischen Abenteurer oder staatlich beauftragte Expeditionen auf die Suche nach der Insel begeben - ohne Erfolg. Allerdings wurde Bermeja bis heute nicht aus den staatlichen Dokumenten und Seekarten getilgt.

Meeresforscher auf großer Fahrt

Existierte Bermeja tatsächlich, so würde die Insel Mexikos Seegrenze 55 Kilometer weiter ins Meer verschieben und somit die Zone ausdehnen, in welcher der einstmals sechstgrößte Ölexporteur der Welt im ölreichen Golf von Mexiko die Bodenschätze ausbeuten darf. Inoffiziellen Berechnungen zufolge würde das ein Mehr an Einnahmen durch die Ölförderung von rund 300 Milliarden Dollar in den nächsten Jahren bedeuten. Mexiko verdiente in den vergangenen Jahren durch den Export des schwarzen Goldes in Spitzenzeiten zwischen 40 und 45 Milliarden Dollar jährlich.

Grund genug für das Parlament, die Meeresforscher der staatlichen Universität UNAM auf große Fahrt zu schicken, um endgültig zu klären, ob es die Insel Bermeja gibt. Ein Forschungsschiff, Hubschrauber und Ultraschall-Messungen suchten Wochen in bis zu 472 Meter Tiefe: Am Ende steht ein ernüchterndes Ergebnis: Die Insel ist nicht da, wo sie verzeichnet ist.

Und so schießen die Spekulationen ins Kraut: Haben die USA Bermeja heimlich bombardiert, um den Ölreichtum zu sichern (Mexikaner lieben Verschwörungstheorien!)? Hat sie die Erderwärmung unter Wasser gedrückt? Ist sie einem Seebeben zum Opfer gefallen, oder ist sie einfach eine Erfindung von Kartografen und Seefahrern in Vorzeiten gewesen, die ihren Regierungen ein paar Taler abknöpfen wollten mit der Behauptung, ein neues Eiland entdeckt zu haben?

Was ist die Moral von der Geschicht? Mexiko muss weiter im alten Territorium nach Öl bohren und das Bildungsministerium sein Schulbuch "Mexikanische Inseln" neu auflegen. Denn dort wird Bermeja auf Seite 110 noch immer als Eiland geführt.

Autor:  KLAUS EHRINGFELD
Datum:  30 | 6 | 2009
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