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Mexiko: Schon 28.000 Tote im Drogenkrieg

In einem Massengrab bei San Fernando entdeckt die Polizei 72 Tote. Es ist der grausigste Fund in vier Jahren Drogenkrieg.

        

Das Land weint – wie hier in Juarez: In  vier Jahren forderte  der Drogenkrieg 28000 Opfer.
Das Land weint – wie hier in Juarez: In vier Jahren forderte der Drogenkrieg 28000 Opfer.
Foto: afp
Mexiko-Stadt –  

Die Mexikaner hören immer öfter grausame Nachrichten wie diese, die sie am Mittwoch zum Frühstück erreichte: Marinesoldaten entdeckten auf einer Farm im Nordosten des Landes ein Massengrab, in dem sich 72 Leichen befinden. Die 58 Männer und 14 Frauen sind vermutlich Opfer der Drogenkriminalität. Über den Zeitpunkt des Todes und den Zustand der Leichen machte das Verteidigungsministerium zunächst keine Angaben.

Allerdings sind bereits die Umstände grausam genug, unter denen das Grab gefunden wurde: Ein verwundeter Mann, der offensichtlich dem Massaker entkommen konnte, alarmierte die Sicherheitskräfte an einem Kontrollpunkt nahe der Farm. Als diese den Tatort bei San Fernando im Bundesstaat Tamaulipas erreichten, eröffneten Pistoleros umgehend das Feuer auf die Soldaten. Dabei wurden ein Soldat und drei der Angreifer getötet. Bei ihrer Flucht ließen die Mörder 21 Maschinengewehre, 6000 Schuss Munition und vier Fahrzeuge zurück, die mit gefälschten Nummernschildern des mexikanischen Verteidigungsministeriums ausgestattet waren.

Das Grab ist das bisher größte, das seit Beginn der Offensive der mexikanischen Regierung gegen die Drogenkartelle vor knapp vier Jahren gefunden wurde. Vor allem in den vergangenen Wochen haben sich diese grausigen Funde gehäuft. Im Juni entdeckten die Behörden 55 Tote in einer verlassenen Mine in Taxco, südlich von Mexiko-Stadt. Im Juli fanden Ermittler innerhalb von zwei Tagen 51 Leichen in der Nähe einer Müllhalde nahe des mexikanischen Industriezentrums Monterrey. Vor wenigen Tagen wurden in einer stillgelegten Mine in Pachuca, nördlich der Hauptstadt, sieben Leichen gefunden. Und am Wochenende schockierten vier kopflose Männer die Bevölkerung von Cuernavaca nahe Mexiko-Stadt. Die Männer baumelten, an den Füßen aufgehängt, von Brücken. Cuernavaca ist für die Hauptstädter ein beliebtes Wochenendausflugsziel.

Offiziellen Angaben zufolge sind seit Ende 2006, als Präsident Felipe Calderón den Rauschgiftmafias den Krieg erklärte, 28000 Menschen im Kugelhagel der Kartelle umgekommen. Meist waren es Polizisten, Soldaten, Killer der Kartelle oder Dealer. Aber vor allem in den vergangenen zwei Jahren geraten auch immer mehr Unschuldige zwischen die Fronten.

In Mexiko liefern sich Mafiaorganisationen Revierkämpfe um die Routen für das Rauschgift in die USA. In Tamaulipas am Golf von Mexiko gehen das Kartell der „Zetas“ und das „Golf-Kartell“ brutal gegeneinander vor. Die beiden Gruppen waren früher verbündet und wollen sich nun gegenseitig aus der Region verdrängen. In Tamaulipas wurde kurz vor der Gouverneurswahl Anfang Juli der aussichtsreichste Kandidat der Partei PRI, Rodolfo Torre Cantú, vermutlich von einer der beiden Mafia-Gruppen getötet.

Präsident Calderón gerät zunehmend in die Kritik, da seine nur auf Konfrontation setzende Strategie gegen die Kartelle nur zu mehr Toten, blutigen Revierkämpfen und einer Atomisierung der Kartelle geführt hat. Die Entsendung von rund 50000 Sicherheitskräften blieb ohne positive Wirkung. Namhafte Politiker, unter ihnen Calderóns Vorgänger Vicente Fox, haben dazu aufgerufen, über neue Strategien nachzudenken. Speziell Fox brachte die Legalisierung von Drogen in die Diskussion, um den Kartellen so die riesigen Gewinne streitig zu machen, die den Rauschgiftkrieg am Laufen halten. Calderón hat daraufhin in einer Art Hilferuf Politiker und Experten aufgefordert, neue Ideen zu entwickeln, wie der Krieg zu gewinnen sei.

Datum:  25 | 8 | 2010
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