Mexiko-Stadt. Die mexikanischen Behörden haben ihre Angaben über die Zahl der Schweinegrippe-Opfer korrigiert. Insgesamt seien bisher bei 26 Menschen Infektionen mit dem mutierten Virus nachgewiesen worden, davon seien sieben gestorben, teilte Gesundheitsminister José Àngel Córdova am Dienstagabend mit.
In 13 weiteren Todesfällen seien auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf zusätzliche Untersuchungen eingeleitet worden, erklärte JoséÁngel Lezana, der Direktor des nationalen epidemiologischen Institutes. Bisher waren die Behörden von 20 Toten durch das neuartige H1N1-Virus ausgegangen.
Insgesamt seien in den vergangenen vier Wochen in Mexiko 159 Grippetote registriert worden, sagte Córdova. In diesem Zeitraum seien 2498 Infizierte in Krankenhäusern behandelt worden. Viele hätten die Kliniken inzwischen gesund verlassen. 1311 Erkrankte sind nach Angaben Córdovas noch in Behandlung.
Mittelamerika bittet um Hilfe
Unterdessen baten die Staaten Mittelamerikas die internationale Gemeinschaft um Hilfe: Benötigt würden vor allem Medikamente, hieß es bei einem Treffen der Gesundheitsbehörden dieser Länder in der nicaraguanischen Hauptstadt Managua.
Für den Fall einer Ausbreitung der Grippe in der Region brauche man Medikamente für rund drei Millionen antivirale Behandlungen, schrieben die Minister in einem Brief an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf.
In Honduras und El Salvador erhöhten die Regierungen die Alarmbereitschaft. In Costa Rica wurden am Dienstag zwei Fälle von Schweinegrippe gemeldet. In beiden Fällen handelt es sich nach Angaben der Gesundheitsministerin María Luisa Ávila um zwei aus Mexiko eingereiste Personen.
Die kubanische Regierung ordnete die Einstellung des Flugverkehrs nach Mexiko für 48 Stunden an und versetzte das Land in Alarmbereitschaft.
Ungeachtet der inzwischen als Mexiko-Grippe bezeichneten Krankheit begannen unterdessen die Ärzte in der Dominikanischen Republik einer viertägigen Streik.
Sie forderten eine Erhöhung der Gehälter von derzeit umgerechnet rund 500 Euro auf 1200 Euro. Notfälle und mögliche Fälle von Schweinegrippe sollen von dem Streik ausgenommen werden. Die rund 14.000 organisierten Mediziner wollen die Arbeit nicht vor Samstag wieder aufnehmen.
Virus reist weiter
Weitere Krankheitsfälle wurden unter anderem aus den USA, Kanada und Costa Rica gemeldet. In den USA stieg die Zahl der bestätigten Erkrankungsfälle auf 66.
Im Bundesstaat Kalifornien rief Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Notstand aus, betonte aber, es bestehe kein Anlass zu Alarmismus. Im Bezirk Los Angeles überprüften die Behörden einen Todesfall, der möglicherweise in Zusammenhang mit der Schweinegrippe stehen könnte. In einem weiteren Todesfall wurde H1N1 als Ursache ausgeschlossen.
US-Präsident Barack Obama forderte den Kongress auf, rund anderthalb Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) zur Bekämpfung der Schweinegrippe zu bewilligen.
Seine neue Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius beauftragte er nach ihrer Vereidigung am Dienstag damit, die Entwicklung der Schweinegrippe in den USA genau im Auge zu behalten.
Angst legt Mexiko lahm
Die Angst vor dem Virus legt das öffentliche Leben in Mexiko weitgehend lahm. Schulen und Universitäten blieben weiter geschlossen, in Mexiko-Stadt zudem alle Sportstätten, Kinos und Theater. Lokale durften nur Bestellungen für außer Haus annehmen.
Die archäologischen Stätten im Land, darunter weltberühmte Bauwerke der Azteken und Maya, wurden bis auf weiteres geschlossen. Bei einer Parlamentssitzung trugen die Abgeordneten Atemmasken.
Als erstes zentralamerikanisches Land bestätigte Costa Rica zwei Krankheitsfälle. In Kanada stieg die Zahl der bestätigten Schweinegrippe-Infektionen von acht auf 13. Zuvor waren bereits Fälle in Neuseeland, Israel sowie in den EU-Mitgliedstaaten Spanien und Großbritannien bestätigt worden.
In Österreich war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine 28-Jährige mit dem Virus H1N1 infiziert, wie der Leiter des Wiener Universitätsinstituts für Virologie, Franz X. Heinz, nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA im Rundfunksender ORF sagte.
Aus etlichen anderen Ländern wurden weitere Verdachtsfälle gemeldet, darunter Frankreich, Belgien, die Schweiz und Chile.
Die WHO berief ein Treffen ein, bei dem Experten aus den betroffenen Ländern über die Schweinegrippe-Fälle informieren sollten. Außerdem sollte über Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus beraten werden. (afp/dpa)
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