(Bully Herbigs Agentin): Bully, das sind Ute Diefenbach und Boris Halva von der Frankfurter Rundschau.
Was? Wie heißen Sie?
Michael "Bully" Herbig, 41, ist einer der erfolgreichsten Schauspieler und Regisseure Deutschlands. Seine Filmparodien "Der Schuh des Manitu" (2001) und "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" (2004) sahen jeweils über zehn Millionen Kinobesucher. Für beide Filme erhielt er zahlreiche Preise. Angefangen hat der bayerische Komiker mit der TV-Sketch-Show "bullyparade". Herbig ist verheiratet und lebt irgendwo südlich von München.
Für seine Rolle in dem Film "Die Geschichte vom Brandner Kaspar", in dem Herbig den Tod spielte, erhielt er den Bayerischen Filmpreis.
Boris Halva (FR): Halva.
Halvar? Wie der Vater von Wickie, das gibts ja nicht.
Nein, ohne "r" am Ende.
Aha. Es scheint diese Namen doch häufiger zu geben, als ich dachte. Wissen Sie, die Darstellerin, die die Frau von Tjure gespielt hat, heißt Gisa Flake, Flake wie das Wikingerdorf. Ich kann Sie gerne bekannt machen.
Sehr freundlich - aber wir würden lieber über Sie sprechen. Herr Herbig, uns scheint, der Erfolg hat Sie stark verändert. Seit unserer letzten Begegnung vor etwa acht Jahren haben Sie, mit Verlaub, den Babyspeck im Gesicht verloren und so ein markantes Erfolgskinn bekommen.
Sie meinen, ich habe abgenommen? Sagen Sie mir ehrlich, was Ihnen besser gefällt?
Die herbe Variante, zugegeben.
Sehen Sie.
Es gibt so schöne Aneinanderreihungen von Politikerfotos, auf denen man sieht, wie diese sich mit zunehmendem Einfluss verändert haben. Helmut Kohl etwa ist dicker geworden, Gerhard Schröder faltiger. Sie haben mit dem Erfolg mehr Konturen gewonnen.
Nee, jetzt mal im Ernst, ich glaube, Sie übertreiben. Den Babyspeck hatte ich, als ich den Film "(T)Raumschiff Surprise" gedreht habe. Für die Rolle der Vulcanette Spucky musste ich zunehmen. Das war einfach. Danach bin ich die Pfunde lange nicht losgeworden. Jetzt habe ich mein Wohlfühlgewicht und achte darauf, dass es so bleibt.
Und deshalb trinken Sie heute Espresso mit Honig statt Zucker?
Genau. Schmeckt super, müssen Sie mal probieren.
Jetzt kommen Sie uns im Kino wieder mit Ihrer Retro-Masche. Nach Winnetou, Star Trek und Sisi holen Sie die Zeichentrickfigur Wickie auf die Leinwand. Was hat Sie persönlich an dem kleinen Wikinger mit der Topfschnitt-Frisur fasziniert?
Wickie war für mich und meine Generation ein Event, ein TV-Event. Sowas gibt es ja heute nicht mehr.
Nicht? Aber jeder Sender wirbt doch unentwegt für das nächste große TV-Event!
Damals war es noch ein echtes Ereignis. Jeden Donnerstag um 17.10 Uhr saß ich vorm Fernseher, ZDF. Vorher kam das Testbild. Und wenn ich eine Folge verpasste, weil meine Mutter mich zu spät vom Kindergarten abholte, dann war die unwiederbringlich verloren. Es gab keinen Videorekorder, keine DVD, keine Wiederholung. Das war schrecklich. Ich habe mich eine Woche lang auf Wickie gefreut, das war jedes Mal ein gefühltes Jahr. Außerdem ist Wickie richtig gut gezeichnet. Alles war so schön bunt, und der kleine Junge so clever. Wickie war lehrreich, ohne besserwisserisch zu sein.
Hat es Sie als Kind aufgebaut, diesen kleinen Jungen zu sehen, der mit seinen guten Ideen selbst die schlimmsten Halunken austrickst? Das ist ja in gewisser Hinsicht so wie bei David gegen Goliath.
Ich hätte das damals so nicht formulieren können. Aber natürlich hat man ein Gespür für diesen Gegensatz. Es war einfach toll zu sehen, wie ein kleiner, schmaler Junge die ganzen echten Kerle auflaufen lässt. Auch die Beziehung zwischen Wickie und seinem Vater Halvar mochte ich, weil sie schwierig, aber auch so liebevoll war. Ich weiß nicht, wie ich das als Kind empfunden habe, und ich habe auch keine eigenen Kinder, an denen ich es beobachten könnte. Ich erinnere mich aber, wie aufgeregt ich war, schon wenn der Vorspann startete, die Musik einsetzte, und das Schiff mit dem rotweiß-gestreiften Segel ins Bild kam.
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