Keine Stimme, kein Schlagzeug, keine E-Gitarre: Nur ein schweres, unheilschwangeres Atmen ist am Anfang von "Thriller" zu hören. Mehr als vier Minuten singt Jackson keinen Ton; stattdessen erzählt das Video eine romantische Horror-Komödie in Kurzform - vor allem in exzellenten Kinobildern.
Das war 1983, das Musikvideo als solches war noch in seiner Experimentierphase, und nun setzten Jackson und der erfahrene Gruselfilmer John Landis ("American Werewolf") Maßstäbe, die die Pop- und Filmwelt verblüfften. Das Musikvideo, in den späten 70ern entstanden als billige Begleitmaßnahme zur Verbesserung des Plattenabsatzes, sollte nie wieder sein wie zuvor.
Denn auf die billige Tour ging nun gar nichts mehr. Mit der Verpflichtung von Landis hatte der Musiker einen klugen, namhaften Regisseur für seine Disco-Nummer angeheuert. Und einen Meister postmoderner Zitate: knarrende Tore, knackende Knochen, wabernde Kunstnebel über geöffneten Gräbern - alle Klischees des Horrorgenres packte Landis hier in etwa mehr als 13 Minuten lustvoll zusammen. Das Ergebnis gilt bis heute als Meilenstein der Videoclip-Geschichte.
Und Jackson ließ nicht nach, das Neueste und Teuerste in seine Clips einzubauen. 1989 kam "The Abyss" ins Kino, ein phantastisches Fantasy-Spektakel, das erstmals Morphing-Effekte in technisch annehmbarer Form zeigte - die visuelle Verschmelzung von unterschiedlichen Wesen.
Im gleichen Jahr schmolz auch Jackson dahin: Im Video "Black or White" verwandelten sich Chinesen in Afroamerikaner in Japanerinnen in Jamaikaner mit dicken Rastazöpfen - passend zur frohen Multikulti-Botschaft des Songs. Am Ende toppte der Sänger selbst das Ganze, in dem er sich in einen schwarzen Panther verwandelte - zwei Jahre, bevor Ähnliches in "Terminator 2" vorgeführt und preisgekrönt wurde.
Michael Jackson: Smooth Criminal (1987)
Das konnte sich freilich nicht jeder kleine Video-Produzent leisten. Stilbildend wirkten eher die perfekt synchronisierten Gruppenszenen wie in "Smooth Criminal" oder zuletzt im 13-Minüter "You Rock My World" (2001), das von der Branche noch einmal zum "Besten Musikvideo des Jahres" gewählt wurde: Jackos rhythmische Zuckungen, von Regisseur Paul Hunter perfekt mit steilen Perspektiven und stakkatoartigen Schnitten ins Bild gesetzt. Alles verpackt in eine kleine romantische Rahmenhandlung - das kannte man freilich schon aus den 80ern, aus "Thriller" und den vielen gesungenen Mini-Spielfilmen, die folgten.
Michael Jackson: Thriller
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