Michael Jackson wird in Zukunft - genauer: im Jahr 2025 - wieder viel Geld haben, richtig viel Geld. Er wird dann allerdings auch vollends in der musikalischen Bedeutungslosigkeit verschwunden sein. Was ihn nicht weiter stören dürfte. Zu dem Zeitpunkt hat der Klimacrash die Erde verwüstet, Pop-Konzerte gibt es sowieso keine mehr. Und so wendet der Pop-Star sein Geld und seine Zeit ausschließlich für einen exklusiven Privatzoo auf, in dem er die letzten Löwen Pekaris und Patagonische Füchse hegt und pflegt.
So jedenfalls hat sich der US-Schriftsteller T. C. Boyle den gealterten "King Of Pop" in seinem Roman "Ein Freund der Erde" vorgestellt. Darin karikiert er Jackson, den er in der literarischen Figur Maclovio Pulchris treffend beschreibt. Soweit die Dichtung.
Die vorläufige Wahrheit über die Zukunft des einst erfolgreichsten Pop-Entertainers des Planeten stellte sich am Donnerstag so dar: Eine ganze Konzertreihe will Jackson im Sommer in London geben. Er werde im Juli in der O2-Arena auftreten, sagte der Musiker auf einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in London vor 500 Zuschauern. Mit Sonnenbrille und schmalem Gesicht stand er auf der Bühne und verkündete in einem nur knapp zweiminütigen Auftritt: "Ich werde die Songs singen, die mein Publikum hören will."
Zuletzt war Jackson vor acht Jahren im New Yorker Madison Square Garden aufgetreten - mit einem Jubiläumsprogramm nach 30 Jahren auf der Bühne. Die neue Konzertreihe soll dem angeblich hochverschuldeten Star Berichten zufolge 169 Millionen Euro einbringen. Das Medien-Bohei war schon im Vorfeld gewaltig, aber nicht unbedingt euphorisch.
Während stern.de schon vorab über die "Mutter aller Comebacks" spekulierte, zeigte man sich in London, der Welthauptstadt der Boulevardpresse, zurückhaltend. "Was für einen Unterschied ein Jahrzehnt macht", stichelte die Daily Mail und konstatierte, dass nur eine Handvoll Leute Jacksons Londoner Hotel belagert habe - die meisten davon Reporter. Also bislang keine Neuauflage der Jackson-Manie aus den 80ern. Damals musste sich der Star bei all seinen öffentlichen Auftritten von einer Armada von Bodyguards durch die Menschenmassen schieben lassen.
Aber seit seinem Freispruch vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs vor vier Jahren hat sich der Vater von drei Kindern in der Öffentlichkeit rar gemacht. Bilder, die ihn zuletzt abgemagert im Rollstuhl zeigten, ließen ein Comeback nicht realistisch erscheinen. Gerüchte, er würde eine Reihe von Konzerten körperlich gar nicht durchstehen, wurden dementiert: "Er hat jeden Gesundheits-Test unter der Sonne gemacht, um sicherzustellen, dass er fit genug ist, um aufzutreten", zitiert der Daily Telegraph eine Quelle aus dem Umfeld des Sängers.
Gesund oder nicht, pleite oder nicht? Wer weiß das schon. "Dass er bankrott sei, wird immer wieder behauptet. Am Ende ist er dann doch nie pleite", hat der deutsche Konzert-Promoter Marcel Avram, der die letzten Welt-Tourneen Jacksons leitete, kürzlich der FR gesagt. Und weiter: "Über Michael ist schon immer unendlich viel geschrieben und fabuliert worden." Fabuliert wurde in den letzten 15 Jahren vor allem deshalb, weil es über die Musik nicht viel zu berichten gab. Jedenfalls nichts Positives. Stattdessen gab es Schlagzeilen über Gesichtsoperationen, dass er sein Kind fast aus den Armen verlor, als er auf einem Balkon stand, oder eben über den Prozess wegen Kindesmissbrauchs.
Ein tiefer Fall für jenen singenden Tänzer, der dem Entertainmentbetrieb mit seinem Moonwalk und seiner Mischung aus Soul und Rock eine Zeitlang als unbestrittener Marktführer vorstand. Sein Album "Thriller" ist mit 40 Millionen verkauften Exemplaren immer noch eines der am meisten verkauften Alben der Pop-Geschichte. Jackson war damals der Größte. Er rief - und alle kamen: Mick Jagger und Paul McCartney sangen mit ihm im Duett, die Creme der Rock-Gitarristen wie Eddie van Halen oder Slash veredelten seine Kompositionen mit ihren Soli. Alles ging. Dann ging immer weniger. Die letzte CD "Invincible" (2001) war künstlerisch wie kommerziell ein Flop. Die Jubiläums-Konzerte in New York im selben Jahr wirkten seltsam uninspiriert.
In den Jahren davor wirkte er auch nicht überzeugender: Über seine letzte offizielle Tournee im Jahr 1997 zürnte die Frankfurter Rundschau damals, er würde auf der Bühne nur noch heiße Luft verblasen: "Ein anachronistischer Zappelphilipp, der vor allem den Pomp und die artifizielle Pop-Ästhetik der 80er Jahre feiert, sich in seinen Songs selbst zitiert und die jüngsten Entwicklungen verschlafen hat." Ob ihm in London ein Neustart gelingt, wird man sehen.
Noch mal zurück zur Dichtung: In Boyles Roman gibt es für die Jackson-Karikatur kein Happy-End. Der Star wird von einem seiner Löwen gefressen.
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