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Michael Jacksons Kinder: Mutter erhält vorläufiges Sorgerecht

Die Eltern von Michael Jackson erheben Anspruch auf sein Erbe und seine Kinder. Die Beisetzung des "King of Pop" ist am Mittwoch auf der "Neverland"-Ranch geplant, sagt Jackson-Biograph Brown.

Michael Jackson mit seinem Vater Joe (Archivbild, 2005).
Michael Jackson mit seinem Vater Joe (Archivbild, 2005).
Foto: dpa

New York/Los Angeles. Nach dem Tod von Michael Jackson hat dessen Mutter das vorläufige Sorgerecht für die Kinder des King of Pop erhalten. Die Entscheidung traf ein Richter in Los Angeles am Montag aufgrund eines Antrags von Jacksons 79-jähriger Mutter Katherine. Jacksons Leibarzt widersprach Berichten über eine mögliche Mitverantwortung für den Tod des Sängers.

Richter Mitchell L. Beckloff setzte Katherine Jackson als vorläufigen Vormund von Prince Michael, Paris und Prince Michael II. ein. Die Kinder sind zwölf, elf und sieben Jahre alt. Seit dem Tod ihres Vaters am Donnerstag befinden sie sich in der Obhut ihrer Großmutter. Eine Anhörung in der Angelegenheit ist für den 3. August vorgesehen.

Weltweit trauern die Fans nach dem Tod von Michael Jackson. Hier in Berlin (27.06.2009).
Weltweit trauern die Fans nach dem Tod von Michael Jackson. Hier in Berlin (27.06.2009).
Foto: rtr

Medienberichten zufolge soll sich auch Debbie Rowe, die Mutter der beiden älteren Geschwister, um das Sorgerecht bemühen. Damit wäre ein langwieriger Rechtsstreit programmiert.

Arzt weist jede Schuld von sich

Jacksons Leibarzt ließ über seinen Anwalt Einzelheiten aus den letzten Stunden des Pop-Idols mitteilen. Conrad Murray habe Jackson bewusstlos in seinem Haus vorgefunden, sagte Anwalt Edward Chernoff der "Los Angeles Times". "Der Puls in seiner Oberschenkelarterie war schwach. Murray begann mit der Herz-Lungen-Reanimation." Berichte, dass der Arzt Jackson kurz vor dem Tod Schmerzmittel gegeben habe, seien "absolut falsch": "Es gab kein Demerol. Kein OxyContin." Murray selbst habe Jacksons Familie die Autopsie des Leichnams vorgeschlagen, weil ihm der Tod unerklärlich sei.

Jacksons Vater Joe hatte zuvor öffentlich über eine Mitverantwortung des Arztes spekuliert. Der 79-jährige Familienpatriarch, der zuletzt kaum noch Kontakt mit seinem Sohn hatte, gerät inzwischen selbst verstärkt in die Kritik, weil er in einem CNN-Interview bereits die nächsten Schritte zur Vermarktung seines toten Sohnes ankündigte. Fans prangerten in Internet-Blogs an, dass ausgerechnet der Mann, der durch seine Ruhmsucht Michael Jackson Kindheit zerstörte, nun ungestraft "Leichenfledderei" betreiben könne.

Die Verleihung der BET-Preise, der begehrten US-Auszeichnungen für schwarze Künstler, im Shrine Auditorium von Los Angeles geriet unterdessen zur inoffiziellen Gedenkfeier für Michael Jackson. Zahlreiche Stars zollten ihm nicht nur für seine Karriere als Künstler Respekt, sondern auch für seinen Beitrag zur Emanzipation der Schwarzen in den USA. Hip-Hop-Star Sean "P. Diddy" Combs sagte auf CNN: "Er ist einer der Gründe, warum Barack Obama Präsident werden konnte."

Soul-Sängerin Alicia Keys rief dazu auf, die positiven Aspekte aus Jacksons Karriere in Erinnerung zu behalten. bt/jdö AFP Die Eltern von Popstar Michael Jackson haben Anspruch auf die Kinder ihres Sohnes und die Verwaltung seines Erbes erhoben. Vater Joe ließ nach einem Bericht der "Los Angeles Times" vom Montag eine Erklärung verlesen, derzufolge das Paar "die personelle und rechtliche Befugnis zum Handeln" verlangt. "Nur (meine Frau) Katherine und ich haben die Vollmacht für unseren Sohn und seine Kinder", hieß es weiter.

Die Familie ist Medienberichten zufolge uneins, wo der Sänger beerdigt werden soll. Jackson-Biograph Stacy Brown erklärte, sie strebe eine Beisetzung am Mittwoch an. Der "King of Pop" solle auf seiner kalifornischen Ranch "Neverland" beerdigt werden. Sie könnte nach dem Vorbild der Elvis-Presley-Gedenkstätte eine Art Graceland werden.

Jackson, einer der größten Popstars aller Zeiten, war am Donnerstag mit 50 Jahren überraschend an Herzversagen gestorben. Kurz vor seinem Tod soll der angeblich medikamentensüchtige Star nach Angaben des Internetdienstes tmz.com eine Spritze mit dem starken Schmerzmittel Demerol bekommen haben. Entsprechende Berichte seien "absolut falsch", sagte der Rechtsanwalt des Arztes, Edward Chernoff, nach Angaben der "Los Angeles Times" am Sonntag.

Obduktion: Jackson untergewichtig, kahl und verletzt

Die Familie des "King of Pop" ließ am Samstag überraschend eine zweite Obduktion durchführen. Die Leiche von Popstar Michael Jackson hat nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Sun" zahlreiche Narben und Verletzungen aufgewiesen. Der Sänger hatte bei seinem Tod dem Bericht zufolge nur teils aufgelöste Tabletten im Magen und wog bei einer Größe von 1,77 Metern knapp 51 Kilo. Das Boulevardblatt berief sich in seinen Bericht am Montag auf Ergebnisse der Obduktion, schrieb allerdings nicht, wie es an die Informationen gelangte.

Laut "Sun" trug der 50-jährige Sänger an seinem Todestag am Donnerstag eine Perücke, unter der er stellenweise kahlköpfig war. Eine vernarbte Stelle über Jacksons linkem Ohr sei total kahl gewesen. Grund dafür war laut "Sun" ein Unfall aus dem Jahr 1984, als Jacksons Haar bei Werbeaufnahmen Feuer fing.

Zudem wies die Leiche des ehemaligen "King of Pop" dem Bericht zufolge Verletzungen von den erfolglosen Wiederbelebungsversuchen auf. So seien mehrere Rippen gebrochen gewesen. Außerdem gebe es in der Herzregion vier Einstichstellen von Spritzen. Laut "Sun" sollte das Herz des Sängers mit Adrenalin wieder zum Schlagen gebracht werden. Drei der Spritzen sollen auch die Herzwand durchstochen haben.

Das Gesicht des Sängers habe Narben chirurgischer Eingriffe aufgewiesen. Eine Seite seiner Nase sei teilweise eingefallen gewesen. Ferner seien an der Leiche des Sängers Einstiche an Hüfte, Schenkeln und Schulter gefunden worden, die angeblich von Schmerzmittel-Injektionen stammen. Ferner hätten die Gerichtsmediziner zahlreiche Narben von mindestens 13 kosmetischen Operationen festgestellt. Wie das Boulevardblatt weiter berichtete, hatte Jackson Verletzungen an den Knien und Schienbeinen. Schnittwunden am Rücken sollen von einem Sturz herrühren.

Polizei schließt Gewalt als Todesursache aus

Die Zeitschrift "The Hollywood Reporter" berichtete, die Familie sei "gespalten und durcheinander". Vor allem die Brüder überlegten, wie sie möglichst viel aus "Jackos" Erbe machen könnten. Der Star war zwar massiv verschuldet, hinterlässt aber lukrative Musikrechte.

Die offizielle Autopsie vom Freitag hatte kein endgültiges Ergebnis gebracht. Gewalt als Todesursache schloss die Polizei allerdings aus. Zugleich bestätigte sie, dass Jackson verschreibungspflichtige Arzneimittel genommen hat.

Murray, der den Sänger seit Mai medizinisch betreute und ihn nach seinem Zusammenbruch wiederzubeleben versuchte, stand der Polizei in der Nacht auf Sonntag Rede und Antwort. Einzelheiten der etwa dreistündigen Befragung wurden nicht mitgeteilt. Die Polizei erklärte nur, der Arzt sei kooperativ gewesen. Die Familie warf dem Arzt vor, ihr die Informationen über Jacksons letzte Stunden zu verweigern.

Die Polizei hatte auf der Suche nach Beweismitteln für einen möglichen Medikamentenmissbrauch Murrays Auto beschlagnahmt. Ausdrücklich nannte sie den Kardiologen aber nicht verdächtig. Der US-Bürgerrechtler Jesse Jackson, ein enger Freund der Familie, sagte dem Nachrichtensender CNN nach einem Besuch bei den Angehörigen, sie seien wegen Murrays Rolle zunehmend beunruhigt und verstört. "Wann kam der Doktor? Was machte er? Gab er ihm eine Spritze? Und wenn ja, was für eine?", fragte der Bürgerrechtler.

Eine frühere Angestellte des Popstars berichtete, sie habe ihm wegen seiner gefährlichen Drogencocktails regelmäßig den Magen auspumpen müssen. "Es gab eine Zeit, da war es so schlimm, dass ich die Kinder von ihm fernhielt", sagte Grace Rwaramba der britischen "Sunday Times". Sie hat eigenen Angaben zufolge über ein Jahrzehnt für Jackson gearbeitet, zuletzt als Kindermädchen, war aber im Dezember 2008 entlassen worden.

Nach Einschätzung seines früheren Konzertmanagers Marcel Avram nahm Jackson zwar jahrzehntelang Schmerzmittel, war aber nicht von ihnen abhängig. "Der Mann war nicht süchtig", sagte Avram in London.(dpa/rtr/afp)

Datum:  29 | 6 | 2009
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