Heute hätte einer wie Dillinger demnach alle Hände voll zu tun.
Das kann man so sagen. Aber heute würde ich ihm raten, geh zu General Motors und mach deren Chefs Feuer unterm Arsch.
General Motors ist doch eh schon pleite.
Wissen Sie, was ich wirklich furchtbar finde? Wenn General Motors wirklich über die Klinge springt, wer sind dann wohl die Leidtragenden? Was passiert mit den Pensionen von all den Leuten, die sich jahrzehntelang den Buckel krumm geschafft haben? Jetzt stellt sich der neue starke Mann bei GM, Fritz Henderson, hin und behauptet allen Ernstes, die Rezession sei schuld am Zustand von GM. Blödsinn. GM ist schuld am Zustand von GM. Diese ganze beschissene Ausrichtung auf kurzfristige Gewinne. Die haben verdammt noch mal die falschen Autos gebaut! Und sich immer schön satte Boni ausgezahlt. Diese Jungs verdienen wirklich alles Schlechte dieser Welt. Aber nicht die Leute, die am Fließband gearbeitet haben.
Einverstanden, dass "Public Enemies" der erste Film zur Banken- und Finanzkrise ist?
Ja, aber das ist Zufall. Wir haben 2007 damit angefangen, da wusste ich noch nicht mal, wie man Rezession buchstabiert.
Wenn man Ihre Filme Revue passieren lässt, fällt auf, dass fast in allen ein existenzielles Duell zweier Männer im Mittelpunkt steht: Robert DeNiro und Al Pacino in "Heat", Tom Cruise und Jamie Foxx in "Collateral", jetzt Johnny Depp und Christian Bale. Ist Ihre Welt eine reine Männerwelt?
Nein, nicht wirklich. Es gibt ja auch immer einige fantastische Schauspielerinnen darin. Marion Cotillard zum Beispiel ist in dem neuen Film als Billie Frechette doch ganz wundervoll, finden Sie nicht?
Über Nebenrollen kommen Frauen bei Ihnen trotzdem meist nicht hinaus.
Ja, aber Hunde zum Beispiel kommen noch seltener in meinen Filmen vor. Es geht halt nun mal um diese Männergeschichten. Ich kann Dillinger ja schlecht einer Geschlechtsumwandlung unterziehen.
Gibt es eine Frauengeschichte, die Sie gerne mal verfilmen würden?
Ähm... ja, warum nicht. Kürzlich hatte ich sogar mal eine Idee - jetzt habe ich aber wieder vergessen, worum es ging. Aber ich schwöre: Ich bin geschlechterblind. Was mich interessiert, sind Menschen, die in ausweglosen oder Konfliktsituationen leben. Dass das bisher meistens Männer waren, nun ja, vielleicht haben die einfach öfter Konflikte.
Mr. Mann, in Ihrem Film "Heat" sagen der Polizist Hanna und der Gangster McCauley über sich selbst: "Ich habe keine Ahnung, was ich sonst machen sollte." Wüssten Sie, was Sie außer Filmen sonst noch machen sollten?
Wieso sollte ich darüber nachdenken? Es gibt nichts anderes, das ich machen will. Wissen Sie, im Grunde bin ich ja auch so etwas wie ein Ermittler: Ich habe die Charaktere, ich habe den Tatort, ich habe die Waffen - und ich muss versuchen, daraus eine schlüssige Geschichte zu stricken. Das ist eigentlich nichts anderes als das tägliche Geschäft von Polizisten.
Interview: Jörg Schindler
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