Wir haben die Aufgabe, ganz neu zu beginnen und gemeinsam mit den Haitianern ihre Häuser erdbebensicher wieder aufzubauen. Ich bin froh, dass ich jetzt endlich mit anpacken kann. Für den Fall eines Erdbebens waren riesige Probleme in Haiti absehbar: Die Häuser waren nicht fachgerecht gebaut, man hat billige, ungeeignete Lehmmischungen für die Ziegel genommen und elementare Bauvorschriften nicht eingehalten.
Oft habe ich in den letzten Jahren in Haiti gearbeitet, umso mehr haben mich die Bilder nach dem Erdbeben schockiert. Nach einer intensiven Vorbereitung mit den Misereor-Kollegen in Aachen, unzähligen Telefonaten mit Partnern und Fachleuten in Haiti, Experten in Deutschland, Belgien und Frankreich können mein belgischer Kollege Jean-Paul Bellin und ich uns nun endlich auf den Weg Richtung Haiti aufmachen.
Für FR-online schreiben Mitarbeiter der dem "Bündnis Entwicklung hilft" angehörenden Entwicklungshilfeorganisationen über ihre Eindrücke aus Haiti.
Zum Bündnis gehören Brot für die Welt, Medico International, Misereor, Terre des Hommes und die Welthungerhilfe. Sie leisten gemeinsam akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.
Spendenkonto: Stichwort "Haiti", Konto 5151, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00.
Weitere Berichte von Helfern vor Ort finden Sie im Haiti-Spezial der Frankfurter Rundschau
Erfahrungen mit erdbebensicheren Bauweisen haben wir: Zum Beispiel in El Salvador und Honduras, beides Länder mit einem hohen Hurrikan- und Erdbeben-Risiko. In El Salvador haben wir 1994 begonnen, diese Art der Bauweise - die sehr häufig der traditionellen lokalen Architektur entspricht - in den Ländern wieder bewusst zu machen. Beim großen Erdbeben von 2001 der Stärke 6,2 auf der Richterskala wurden dann genau die auf diese Weise gebauten Häuser nicht zerstört.
Beim erdbebensicheren Bauen kommt es vor allem auf Folgendes an: Symmetrische Form der Gebäudegrundrisse (möglichst Quadrat), richtige Zusammensetzung des Lehms, richtige Größe der Lehmsteine, denn meistens werden sie zu groß konstruiert. Wichtig ist es außerdem, nicht zu große Tür- und Fensteröffnungen und zu schwere Dächer zu bauen, die nicht vernünftig mit dem Mauerwerk verbunden sind. Das sind nur einige Beispiele, die leicht zu realisieren sind. Der Hauptvorteil ist aber, dass man bei Beachtung aller Regeln mit sehr günstigem Baumaterial, nämlich mit Erde arbeiten kann. Durch die Nutzung dieser lokalen Ressource entstehen keine größeren Transportkosten und die Produktion ist im Gegensatz zu Ziegeln, die meistens unter Einsatz von Holz (absolute Mangelware in Haiti!) gebrannt werden müssen, extrem energiearm.
Kommende Woche steht folgendes auf unserem Arbeitsplan: 1. Workshop mit den lokalen Organisationen, die in der Lage sind, Wiederaufbauprogramme zu leiten. 2. Identifizierung der Gegenden, in denen die Wiederaufbauprogramme durchgeführt werden können. 3. Organisation von Ausbildungskursen durch Techniker und Technikerinnen in erdbebensicherer Bauweise.
Wir wollen versuchen, möglichst viele Baumaterialien zu beschaffen, die es in Haiti gibt. Eventuell fehlende Materialien wie Zement und Stahl müssen dann vor Ort in der Region, zum Beispiel in der Dominikanischen Republik eingekauft werden. Wir sind sicher, dass wir in den nächsten Wochen viel organisieren können, der Wiederaufbau muss schnell beginnen.
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