Pater Jan Hanssens, Leiter der Kommission Justitia et Pax und Misereror-Partner, richtet sich in einem offenen Brief an Premierminister Jean-Max Bellerive und an Präsident René Garcia Préval. Darin bittet die Kommission die Regierung eindringlich, den Kontakt mit der Bevölkerung wieder aufzunehmen und ihre Absprachen nicht allein mit der internationalen Gemeinschaft zu führen.
Die Kommission hebt hervor, dass in den ersten Stunden und Tagen nach dem Beben vom 12. Januar die Haitianer selber die Verschütteten geborgen und die Nothilfe organisiert haben. Doch nun würden sie nicht ausreichend über Aktionen zum Wiederaufbau informiert.
Auch die Informationen bei der Nothilfe sind nicht immer ausreichend: Die Menschen kommen mit ausländischen Nahrungsmitteln in Kontakt, die sie nicht kennen. Es wäre wichtig, in ihrer Sprache zu erklären, wie sie mit den Nothilfekits richtig umgehen, welche Nährwerte in den Lebensmitteln sind und in welchen Mengen sie gegessen werden dürfen.
Darüber hinaus würden jetzt schon Überlegungen angestellt, die Menschen aus der Hauptstadt Port-au-Prince in die umliegenden Gebiete umzusiedeln, um einen Wiederaufbau der Stadt zu organisieren. Doch all dies geschehe ohne die geringste Beteiligung der Bürger. "Wer informiert die Menschen über den Sinn dieser Maßnahmen, über die Regelungen und Begleitumstände und über die Garantien zur Rückkehr?", schreibt die Kommission. Diese Unsicherheiten um ihre Zukunft belasten die Menschen extrem und erwecken den Eindruck, dass sie nicht Akteure beim Wiederaufbau, sondern passive Hilfeempfänger seien.
Die Selbsthilfepotenziale der Bevölkerung müssten hinreichend wahrgenommen werden und die kulturelle Vertrautheit, Sprach- und Ortskenntnisse genutzt werden. Alles andere fördere Desinformation, Unsicherheit und letztlich den Unmut der Bevölkerung. "Wir fordern die Regierung dazu auf, eine aktive Rolle bei der Koordination der internationalen Hilfe zu spielen. Es ist wichtig, dass mit der Bevölkerung kommuniziert, dass diese in die Planungen einbezogen wird! Der Wiederaufbau muss sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren!" so Justitia et Pax in dem offenen Brief.
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