Berlin/Bonn. Im Skandal um sexuellen Missbrauch an deutschen Jesuiten-Schulen loten Juristen den Klageweg aus. Ein Anwalt von Missbrauchsopfern am Berliner Canisius-Gymnasium will eine Sammelklage gegen den Jesuiten-Orden in den USA prüfen. "Sollte sich bestätigen, dass ehemalige Schüler die amerikanische Staatsbürgerschaft haben, wäre eine Sammelklage in den USA, anders als in Deutschland, möglich", sagte Rechtsanwalt Lukas Kawka. "Die finanziellen Konsequenzen wären für den Jesuitenorden desaströs." Geprüft werde zuerst eine außergerichtliche Einigung.
Derweil plant eine andere Rechtsanwältin im Auftrag eines Opfers auch eine Zivilklage in Deutschland. Die auf Missbrauchsfälle spezialisierte Juristin Manuela Groll sagte im RBB, die Schulleitung am Canisius-Kolleg habe möglicherweise trotz Anzeichen und Hinweisen nicht verhindert, dass weitere Opfer geschädigt wurden.
Sexuellen Missbrauch gab es nach Angaben eines ehemaligen Schülers auch am Bonner Aloisiuskolleg des katholischen Jesuitenordens. Er sei Anfang der 60er Jahre von einem Pater missbraucht worden, sagte der frühere Schüler der Süddeutschen Zeitung. Aus Angst habe er nie darüber gesprochen. Der Pater sei inzwischen gestorben. Der Rektor des Kollegs, Pater Theo Schneider, sagte, er habe von dem Fall erst aus der Zeitung erfahren. dpa
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