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01. August 2012

Missbrauch Dutroux: Die Frau, die Nonnen und der Mörder

 Von Peter Riesbeck
Michèle Martin will sich im Kloster vorbereiten.  Foto: afp

Das Ehepaar Dutroux hatte in den 90er Jahren Mädchen entführt und missbraucht. Nachdem ihr Mann 2004 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war, wurde Michèle Martin nun freigelassen. Die Opfer reagierten entsetzt.

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Brüssel –  

Die Familien der Opfer reagierten entsetzt. „Das kommt wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel“, sagte Paul Marchal. „Sie ist genauso schuldig wie Marc Dutroux selbst“, sagte Jean Lambrecks. Sie, das ist Michèle Martin, 52, die Frau des belgischen Sexualstraftäters Marc Dutroux. Ein Gericht hatte Martin 2004 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Am Dienstag billigte die Justiz einen Antrag auf vorzeitige Freilassung. Im fünften Anlauf.

In Belgien löste die Entlassung eine heftige Debatte aus. Die wallonischen Liberalen forderten, eine vorzeitige Haftentlassung bei schweren Strafen auszuschließen. Noch immer rührt der Name Dutroux an ein nationales Trauma. Der Sexualstraftäter hatte in den 90er-Jahren sechs Mädchen entführt. In einem eigens gebauten Kellerverlies in seinem Haus nahe Charleroi vergewaltigte Dutroux seine im Opfer, die Aufnahmen von den Taten verkaufte er.

Im Jahr 1996 wurden er und seine Frau sowie ein weiterer Komplize festgenommen. Bei den Ermittlungen kamen zahlreiche Justizpannen ans Licht. So war Dutroux 1998 die kurzzeitige Flucht aus der Haft gelungen. Dies, der Suizid eines Staatsanwalts und der Tod mehrerer Zeugen hatten immer wieder zu Verschwörungstheorien geführt.

Michèle Martin, eine Lehrerin, hatte Dutroux 1982 kennengelernt. Sie wusste von den Sexualstraftaten ihres Mannes. 1989 musste das Paar wegen Kindesmissbrauchs in Haft. Doch deckte sie auch nach der Entlassung Dutroux’ Taten. Als dieser 1996 wegen Drogendelikten erneut im Gefängnis saß, soll sie sich um zwei entführte Mädchen im Kellerverlies kümmern. Doch beide Kinder verhungerten. Martins Anwälte versuchten, sie vor Gericht als erstes Opfer Dutroux’ darzustellen. Das Gericht aber sah sie als Mittäterin. Die Autorin Nicole Malinconi, die nach mehreren Interviews mit Martin das Buch „Sie nennen sie Michèle Martin“ verfasst hatte, sagte später: „Ich habe mit einer Frau gesprochen, nicht mit einem Monster.“

Die Frau Michèle Martin will nun in ein Nonnenkloster im belgischen Namur ziehen und sich auf ein Leben in Freiheit vorbereiten. Im Vorjahr hatte ein Kloster in Frankreich nach heftigen Protesten die Aufnahme abgelehnt. Marc Dutroux – zu lebenslang verurteilt – kann wegen Sicherheitsverwahrung nie wieder freikommen. Das Paar ist mittlerweile geschieden, die beiden Kinder darf Dutroux laut Gerichtsbeschluss nicht sehen.

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