In der rheinland-pfälzischen Ortschaft Fluterschen soll ein Familienvater jahrelang seine heute 28-jährige Stieftochter sexuell missbraucht und mit ihr acht Kinder gezeugt haben. Der 48-jährige Detlef S. müsse sich ab Dienstag, 15. Februar, wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen vor dem Landgericht Koblenz verantworten, sagte ein Gerichtssprecher am Donnerstag zu Reuters und bestätigte damit einen Bericht der „Rhein-Zeitung“.
Der Mann soll außerdem seine leibliche Tochter und seinen Stiefsohn jahrelang missbraucht haben. Die beiden Mädchen soll er zudem gegen Geld in Nachbarorten anderen Männern für sexuelle Handlungen zugeführt haben. Gegen zwei dieser Männer laufen nach Angaben eines Gerichtssprechers gesonderte Verfahren, ein dritter Mann sei inzwischen verstorben.
DNA-Test belegt Vaterschaft
Die Vorwürfe gegen den Familienvater erstrecken sich nach Angaben des Gerichts über den Zeitraum von Herbst 1987 bis Sommer 2010. Ab dem Jahr 2000 soll dann die Stieftochter insgesamt acht Kinder von ihrem Stiefvater bekommen haben. Für sieben der Kinder liegt nach Angaben des Gerichtssprechers ein DNA-Test vor, der eine Vaterschaft nachweist. Das achte Kind ist zwischenzeitlich gestorben. Nach außen hin soll die Familie nach Informationen der Koblenzer Rhein-Zeitung behauptet haben, ein Unbekannter sei der Vater der Kinder.
Der Verdächtige sitzt seit August 2010 in Untersuchungshaft. Aus Rücksicht auf die Opfer habe man sich dazu entschieden, zunächst nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte der Sprecher. Der Verdächtige schweigt dem Zeitungsbericht zufolge zu allen Vorwürfen.
Brief brachte Taten ans Licht
Wie die Anwältin der Stieftochter der Nachrichtenagentur dpa sagte, konnte die Polizei ihn festnehmen, nachdem die Stieftochter einen an die Mutter gerichteten Abschiedsbrief der 18-Jährigen Tochter gefunden und an das Jugendamt weitergeleitet hatte. Dort wollte man sich nicht äußern - unter Hinweis auf das am kommenden Dienstag beginnende Gerichtsverfahren.
Die Familie lebte in einem Einfamilienhaus mitten im Dorf, das etwa 750 Einwohner hat. Der mutmaßliche Täter sei mit der Mutter der 28-Jährigen verheiratet, sagte ihre Anwältin Katharina Hellwig. Mit seiner Frau habe er zwei leibliche Kinder, darunter die 18-Jährige, die er ebenfalls sexuell missbraucht.
Das Gericht hat bis Ende Februar fünf Verhandlungstage angesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat Sicherungsverwahrung für den Angeklagten gefordert, die Nebenklage schließt sich dem an.
Der Fall weckt Erinnerungen an den Inzest-Skandal von Amstetten in Österreich. Dort hatte der Familienvater Josef Fritzl vor Gericht gestanden, seine Tochter Elisabeth 24 Jahre im Keller unter seinem Haus eingesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt zu haben. Ein Säugling starb drei Tage nach der Geburt im Verlies, weil Fritzl keine Hilfe für das todkranke Baby geholt hatte. Fritzl war im März 2009 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. (rtr/dapd)
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