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Missbrauchsprozess: Die nicht sehr geheime Welt des Michael J.

Ein Film über die Jungen an der Seite des Popidols sorgt für wenig Sensationen, aber hohe Quoten. Von Inge Günther

Los Angeles. Der Prozess gegen Michael Jackson, hat kürzlich Alan Dershowitz prognostiziert, ein Rechtsprofessor der Harvard-Universität, werde sich "unausweichlich" mit dem Lebensstil und der sexuellen Identität des Superstars beschäftigen. Wohl im gleichen Maß wie mit der Frage, ob der Angeklagte den ihm vorgeworfenen Kindesmissbrauch nun begangen hat oder nicht.

Doch vorerst müht man sich vor Gericht mit der Auswahl der Geschworenen ab, deren Urteilskraft weder durch allzu persönliche Ansichten über das Delikt noch über den prominenten Delinquenten getrübt ist. Ein Vorhaben, das ein zweistündiges Sonderprogramm, Donnerstagabend ausgestrahlt vom US-Fernsehsender ABC und präsentiert von Martin Bashir, nicht eben erleichtert haben dürfte.

Bashirs BBC-Beitrag "Leben mit Michael Jackson" hatte bereits 2003 die Ermittlungen gegen den "King of Pop" wieder ins Rollen gebracht und zugleich dem britischen TV-Export einen Rekord beschert. Jetzt legte Filmemacher Bashir, inzwischen von ABC angeheuert, nach. "Michael Jackson’s Secret World" heißt die jüngste Produktion. Viel Neues aus der "geheimen Welt des Michael Jackson" bietet er darin nicht. Aber hohe Einschaltquoten garantiert auch das, seitdem sich das Publikumsinteresse auf die Jungen an der Seite des Popidols richtet.

Jeden von ihnen, der sich zu einem Interview bereit fand, hat Bashir dieses Mal vor die Kamera geholt. Jimmy, der als Zehnjähriger Jacksons Liebling war, von ihm ein Haus gekauft bekam und mit auf Tour genommen wurde. Geoffrey, der einst mit Michael im Bett Videospiele ausprobierte, so wie auch Jojo und seine Brüder.

Seltsame Beziehungen fürwahr, sexuell sei das alles aber nicht gewesen, sagen sie. Eine Beteuerung, die Bashir mit Bildern von den bizarren Verhältnissen auf Jacksons Neverland-Ranch konterkariert. Dass es ihm um Anrüchiges geht, ist schon zu Beginn klar, als der Journalist Terry George vom Auseinanderbrechen seiner Jugendfreundschaft mit dem damals 21 Jahre alten Jackson berichtet, weil dieser ihm am Telefon von Masturbation vorgeschwärmt habe.

Den filmischen Höhepunkt liefern denn auch die Fälle, die "M.J." in den Ruf des Kinderschänders brachten. Der eine aus dem Jahr 1993 wurde nach Zahlung einer Millionensumme zu den Akten gelegt. Nicht gebunden an die Schweigegeldregelung sieht sich der Onkel des damals Zwölfjährigen. Er bekräftigt noch einmal die Vorwürfe, untermalt von Tonbändern, auf denen der Junge einen Zungenkuss Jacksons schildert. Danach ein Auftritt des Staatsanwalts, der erklärt, die Beschreibung des Jackson-Penis durch das Opfer decke sich mit der Inaugenscheinnahme durch die Vermittler.

Wenig Zurückhaltung legt sich Bashir auch im anstehenden Fall auf. Er ergreift Partei, um Ungereimtheiten beim Zustandekommen der Anklage geradezubiegen. "Die Mutter hat gesagt, sie wolle kein Teufelsgeld", weist er den Verdacht zurück, die Familie wolle sich nur am Jackson-Vermögen bereichern. Die Verteidigung will das Gegenteil beweisen. Sie macht geltend, die Mutter habe bereits einmal mit einer falschen Anschuldigung der sexuellen Belästigung 150.000 Dollar herausgeschlagen: als sie nach einem Ladendiebstahl festgehalten worden sei.

Frankfurter Rundschau, 19. Februar 2005

Autor:  Inge Günther
Datum:  26 | 6 | 2009
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