An einem kalten Winterabend vor ein paar Jahren trug ich einen Fuchspelz. Ich stand in einem Club an der Bar. Da trat jemand auf mich zu und sagte, er würde mich verprügeln, denn er liebe Tiere, und meiner Eitelkeit wegen sei ein Fuchs gestorben. Ich wollte sagen, dass ich den Fuchs in einem Second-Hand-Laden gekauft hatte, dass wir gern über die Pelzfrage diskutieren könnten, aber meine körperliche Unversehrtheit doch immer noch über die des Fuchses, der vor Jahren gestorben ... Wie auch immer, wir haben uns nicht geprügelt, aber ich habe den Fuchspelz seitdem auch nicht mehr angezogen.
Über Pelz wird viel gestritten. Die einen sagen: Das ist Tierquälerei. Die anderen sagen: Ja, aber so gesehen, müssten wir auch aufhören, Fleisch zu essen. Darauf wieder die einen: Das ist doch wohl ein Unterschied, ob ein Tier stirbt, weil es uns ernährt oder weil wir hübsch aussehen wollen.
Friendly Fur, ein Berliner Label, stellt Pelze her und verwendet ausschließlich die Felle von Füchsen aus kontrollierter Wald- und Wildhege. Die Tiere werden, zur Regulierung ihrer Population, von Jägern geschossen.
Die Abschussliste der Tierfreunde
Trotzdem sehen die Füchse, die Friendly Fur als Kragen anbietet, etwas erschrocken aus mit ihren runden Augen aus Glas. Da würde selbst Anna Wintour Mitleid bekommen, die bekanntlich auf der Abschussliste der Tierschutzorganisation Peta ganz oben steht, weil sie die Anzeigen für Pelze in der Vogue zu verantworten hat und selbst gern Pelz trägt. Der Legende nach warfen ihr Peta-Aktivisten bei einem Abendessen im Four Seasons einen toten Waschbären auf den Teller. (Anna Wintour, so geht die Geschichte weiter, verzog keine Miene und bestellte einen Espresso.)
Das hat Friendly Fur nicht bedacht: der gewaltbereite Pelzgegner weiß ja nicht, dass der Fuchs, dessen Fell ich trage, ohnehin im Rahmen der "modernen Waldwirtschaft" sterben musste. Auch einen Second-Hand-Pelz zu kaufen, ist nicht ohne Risiko. Eine Freundin erzählte mir, sie habe sich einen Pelz auf dem Flohmarkt gekauft, in dem Textilkäfer lebten, schwarze Tierchen, die sie anfänglich gar nicht bemerkt hat, bis sie plötzlich überall in der Wohnung waren, so dass der Kammerjäger mehrmals kommen musste. Ich habe meine Freundin neulich besucht, da entdeckte sie auf der Fensterbank einen Textilkäfer, der überlebt hatte. Sie wurde kreidebleich. Pelz ist ohnehin schwierig zu tragen. Anna Wintour kann es, weil sie eine eiskalte Aura hat und man denkt, sie hätte das tote Pelztier, das ihren zarten Hals wärmt, selbst erlegt. Kate Moss sieht gut im Pelz aus, aber sie kann eigentlich alles anziehen, weil sie dieses seltsame Talent hat, das darin besteht, Klamotten zu tragen.
Alle anderen wirken im Zobel oder Chinchilla etwas matronenhaft, wie eine österreichische Unternehmersgattin oder so. Und wenn man als Normalsterblicher versucht, den Pelz wie Kate Moss zu tragen, sieht man leider oft eher aus wie jemand, bei dem Textilkäfer im Schrank wohnen.
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.