Der Anblick ist noch ein bisschen ungewohnt, und die allererste Assoziation ist nach wie vor: Straßenstrich. Doch das geht schnell vorbei. Die ersten Fashion Victims haben sich bereits in kurzen Hosen auf die Straßen der Großstädte gewagt, und schon bald werden verschämte Gemüter gar nicht mehr wissen, wo sie hinschauen sollen vor lauter dreist präsentiertem Beinfleisch. Es wird, soviel steht fest, ein Sommer des Fremdschämens.
Seit sich Kate Moss im Sommer 2006 im kurzen Jeanshöschen und Gummistiefeln beim Glastonbury Festival zeigte, und sich kurz darauf auch Popstars wie Rihanna, Beyoncé oder Gwen Stefani mit hervorlugenden Pobacken präsentierten, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die angesagten Designer auf den Look setzen würden, und bei den Frühjahrsschauen 2009 war es dann soweit: Ultraknappe Shorts waren auf nahezu jedem Laufsteg zu sehen. Ob Marc Jacobs, Haider Ackermann, Elie Tahari oder Max Mara, alle ließen sie ihre Models in extrem kurz geschnittenen Hot Pants über den Catwalk laufen.
Das sah natürlich jedes Mal hervorragend aus, schließlich haben Topmodels auch Topmodelfiguren und traumhaft lange Beine ohne Stoppeln oder Dellen. Unsereiner dagegen Aber egal, die Läden hängen voll mit Hot Pants in den Konfektionsgrößen 38-42, also werden sie auch gekauft. Und schon jetzt weht das Flair der siebziger Jahre durch Einkaufsmeilen und Szenebars. Was damals als Befreiung angesehen wurde - schließlich konnte man mit Miniröcken nicht Fahrrad fahren und nur sehr unbequem sitzen - wirkt heute allerdings schnell billig. Zumindest wenn man zu seiner abgeschnittenen Stone-washed-Jeans ein knappes Tanktop trägt.
Designer wie Gucci, Chanel oder Ferragamo empfehlen daher Blousonblusen oder Anzugjacken, edlen Schmuck und hohe, aber elegante Schuhe. Der verruchte Dolce&Gabbana-Look - knappe Shorts mit Bindegürtel in glänzendem Schwarz - gehört eher auf die Showbühne, als dass man darin mal eben zum Bäcker um die Ecke gehen sollte. Das Gleiche gilt für Stella McCartneys gerüschte Satinvariante in Hellblau, die aussieht, als habe man vergessen, über die gute Sonntagsunterwäsche noch etwas drüber zu ziehen.
Herren, die sich in einem Anflug von Übermut eine Thomas-Magnum-Gedächtnisshorts haben andrehen lassen, sollten vor dem Spiegel noch einmal eingehend überprüfen, ob ihr Look nicht versehentlich eher dem von Trinkhallenstehern ähnelt, als dem eines lässigen Privatdetektivs auf Hawaii.
Auch Damen sollten sich vor allzu großen Erwartungen hüten: Die DVD "Hot Pants Workout", die eine gewisse Verena Brauwer derzeit passend zum Trend anbietet, macht aus einer gut gebauten Durchschnittsfrau noch lange keine Gazelle.
Im Internet kursieren übrigens bereits die ersten Tipps für Hot-Pants-Trägerinnen. Demnach dürfen die heißen Höschen nicht zu eng geschnitten und müssen außerdem gut verarbeitet sein. Andernfalls könne es bei harten Nähten zu gefährlichen Infektionen im Schritt kommen.
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