Den Designern von Adidas ist mit dem WM-Trikot einer der besten Entwürfe für die deutsche Nationalmannschaft seit langem gelungen. Ganz nach dem Motto "Weniger ist mehr" wurde, zu Gunsten eines klaren Gesamteindrucks, auf optischen Schnickschnack verzichtet. Das Dress kommt im schlichten Retrolook daher und erinnert dezent an das Siegertrikot aus dem Jahre 1954, als die deutsche Nationalmannschaft das "Wunder von Bern" vollbrachte.
Offenbar hat man endlich eingesehen, dass die Farbkombination der deutschen Flagge einfach nicht attraktiv ist und sich bei der Gestaltung erfreulicherweise auf drei sehr schmale Längsstreifen auf der linken Brustseite beschränkt. Das Wappen mit gesticktem Bundesadler aus goldenem Glanzgarn auf schwarzem Grund wirkt edel und auf den Punkt gebracht. Der körperbetonte Schnitt trifft den Nerv der Zeit. Punkteabzug gibt´s jedoch für die Ärmellänge, die fast bis zu den Ellenbogen reicht. Das wirkt einfach unmodern. In puncto Eleganz und Zeitlosigkeit reicht das Design noch nicht ganz an den Klassiker von 1954 heran, dennoch sticht es im Ländervergleich als absoluter Trendsetter hervor.
Der Münchner Modedesigner Sven Barthel, 31, ist Lifestyle-Experte und Chefredakteur des Hype-Magazins: www.hype-magazine.com
Aber nicht nur die Deutschen haben ein Händchen für die Trikot-Gestaltung bewiesen. Das Auswärtstrikot der Elfenbeinküste sieht aus, als wäre das Muster mit Pinsel und Farbe von Hand aufgetragen worden. Das Länderwappen mit dem freundlichen Elefanten weckt Sympathie und auch die Rückenpartie mit dem afrikanischen Webmuster kann sich sehen lassen. Auch das Auswärtstrikot der USA kann mit einem sehr gelungenen Design auftrumpfen. Der Entwurf verzichtet auf jeglichen Firlefanz. Das Mitternachtsblau lässt die Spieler beinahe formell angezogen aussehen. Der weiße, diagonal verlaufende Blockstreifen wird von beiden Seiten von einem schmalen, roten Streifen flankiert und erinnert ein wenig an die Schärpen französischer Legionäre. So sieht sportive Eleganz aus.
Natürlich geht es bei Sportmode in erster Linie um Funktionalität. Das rechtfertigt aber noch lange nicht den stilistischen Fehlgriff der japanischen Trikot-Designer. Gänsefedern und Fußball passen einfach nicht zusammen. Die Frage ist berechtigt, was sich der Hersteller bei diesem Aufdruck gedacht hat.
Unter rein modischen Gesichtspunkten würde auch Honduras in der Vorrunde rausfliegen. Das Shirt bietet nichts, was einem im Gedächtnis haften bleiben könnte. Man hat das Gefühl, als wären hier einfach zwei weiße Stofflappen zusammengenäht worden. Schnittkonstruktion? Fehlanzeige!
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über das Trikot der Uruguayer hingegen nicht. Der hellblau glänzende Stoff mit dem stilisierten Sonnenmuster kann vielleicht im Sandkasten beeindrucken, auf dem Spielfeld jagt er aber niemandem Angst ein. Hier fehlt es an Dynamik! Und zumindest das sollte ein Fußballtrikot in jedem Falle bewirken.
Aufgezeichnet von Anna Sarah Berger
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