Seit 15 Jahren arbeitet Eva Padberg als Model. In jüngster Zeit spielte die 31-Jährige auch öfter kleine Rollen in Filmen, derzeit ist sie als Anführerin der Walküren im 3D-Kinderfilm „Wickie auf großer Fahrt“ zu sehen. Außerdem hat sie ein Buch geschrieben, in dem sie von ihrem Leben als Model erzählt. Demnächst steigt die Wahl-Berlinerin ins Casting-Geschäft ein.
Frau Padberg, sind Sie neben Ihren vielen Aktivitäten eigentlich auch noch Model?
Ja, ich habe feste Kunden, mit denen ich zusammenarbeite. Da habe ich auch Fotoshootings, aber nicht mehr in der Masse, wie ich es früher gemacht habe. Das ist alles schon ein bisschen angenehmer geworden.
Wie schwer ist es, mit 31 noch Jobs als Model zu bekommen?
Ich glaube, das hängt davon ab, wo man sich gerade in seiner Karriere befindet. Wenn man sich schon einen Namen gemacht hat, geht es. Es kommt auch darauf an, ob es um den Laufsteg oder um kommerziellere Jobs, sprich Katalog-Aufnahmen, geht. Bei Schauen war ich zuletzt vielleicht mit 25. Bei mir war da eh immer ein bisschen das Problem, dass meine Oberweite den Designern zu viel war. Die meisten Models, die gebucht werden, sind eher flachbrüstig. Es gibt aber auch ein paar Laufstegmodels, die seit Jahren mitlaufen und die, wenn ich richtig mitgerechnet habe, auch schon über 30 sein müssten. Nur wird deren richtiges Alter nicht mehr angegeben.
Eva Padberg wurde 1980 in Thüringen geboren, aufgewachsen ist sie in Rottleben. 1995 bewarb sie sich bei der „Bravo-Girl & Boy-Wahl“. Sie gewann nicht, aber eine Agentur wurde auf sie aufmerksam. Nach dem Abitur begann sie, hauptberuflich zu modeln.
Ihren Durchbruch hatte sie 2001 mit einer Kampagne für die Unterwäschefirma Palmers. Derzeit ist die Wahl-Berlinerin das Gesicht von Betty Barclay.
Neben dem Modeln ist sie auch als Schauspielerin tätig, derzeit kann man sie als Anführerin der Walküren in „Wickie auf großer Fahrt“ sehen. Ihr Buch Model-Ich (Diederichs, 14,99 Euro) ist gerade erschienen. Sie ist Teil des Elektro-Duos Dapayk & Padberg und in der neuen Castingshow „Das perfekte Model“ auf Vox wird sie in der Jury sitzen.
Haben Sie eine Erklärung, warum Designer für den Laufsteg vor allem blutjunge, spindeldürre Mädchen ohne Brüste buchen?
Das ist eine Entwicklung, die es schon lange gibt. Das hat vielleicht mal mit einem Mädchen begonnen, das diesem Ideal entsprochen hat. Dann hat das die Designer angesprochen, die fanden das schön, weil es eben nicht natürlich ist, weil es schon etwas Elfenhaftes hat. Und dann hat sich irgendwann dieser Trend durchgesetzt. Ich sah mit 16 auch so aus. Mit 25 wird das schon schwierig. Deshalb werden lieber jüngere Mädchen gebucht. Ich finde aber, dass es vor ein paar Jahren schlimmer war.
In „Wickie“ haben Sie einen Fünf-Minuten-Auftritt als Walküre im Bikini. Eine Rolle, für die man vor allem gut aussehen muss. Fühlen Sie sich damit als Schauspielerin ernst genommen?
Bei Wickie war das nicht so, dass die Produktion gesagt hat, wir brauchen lediglich jemand, der gut aussieht. Ich musste schon zum Casting kommen und die Szene ganz normal durchspielen. Ich bin dann mit wenig Erwartungen nach Hause gefahren. Ich wollte das gerne machen, weil ich den Regisseur Christian Ditter sehr sympathisch fand und weil ich Wickie schon als Kind kannte. Als er dann sagte, ich hätte das gut gemacht, war ich eigentlich ganz stolz. Ich mache lieber so was in meinen ersten Schauspiel-Versuchen, als mich mit einem Riesending zu übernehmen.
In dem Film sagen Sie auf die Frage der Wikinger, warum Sie so gut auszusehen: „Wir essen kein Fleisch und machen viel Sport.“ Ist das auch persönlich Ihr Rezept für eine gute Figur?
Nein, ich bin keine Vegetarierin, obwohl ich es immer mal wieder probiere. Und ich mache einmal die Woche Sport.
Das ist ja nicht gerade oft.
Für mich ist das schon eine große Errungenschaft. Da bin ich echt stolz auf mich, dass ich das seit zwei Jahren durchziehe.
In Ihrem Buch „Model-Ich“ schreiben Sie: „Ich finde mich auch nicht so aufregend.“ Warum haben Sie dann eine Biografie verfasst?
Weil mein Verleger mich dazu überredet hat. Es war ursprünglich nicht als Biografie gedacht. Aber wenn man einen Verleger hat, der sehr begeistert ist von allem, was man tut und sagt, endet das irgendwann darin. Ursprünglich sollte es ein Buch über das Modelbusiness allgemein werden. Ich bezeichne es auch nicht als Biografie, das finde ich ganz schrecklich. Ich bin erst 31 und es wäre schlimm, wenn es das jetzt schon gewesen wäre.
Bei der Lektüre wird klar, dass so ein Model-Leben ganz schön hart ist. Wollen Sie da angesichts von „Germany’s next Topmodel“ etwas zurechtrücken?
Es sollte schon ein bisschen einen Ratgebercharakter haben. Gerade, was die finanziellen Aspekte betrifft. Mit 16 macht man sich darüber keine Gedanken. Man kennt nur das, was man im Fernsehen sieht und das ist immer alles ein bisschen verklärt.
Sie schreiben, dass keines der Mädchen, das bei der Castingshow mitmacht, das Zeug zum Model hat. Warum nicht?
Es wird zu viel vom Fernsehen her gedacht und weniger an die Branche und die Kunden. Manche sind total schön, aber sie können sich nicht vor der Kamera präsentieren. Man kann nicht von einem Tag auf den anderen Topmodel werden, bei mir hat das fünf Jahre gedauert. Ich hoffe, dass den Mädchen, die ernsthaft in diesem Beruf arbeiten wollen, bewusst ist, dass es schwerer ist, nach einem Auftritt in so einer Sendung, da reinzukommen. Die Branche beäugt das kritisch.
Warum steigen Sie dann als Jurorin von „Das perfekte Model“ ins Casting-Geschäft ein?
Was mich überzeugt hat, war die Tatsache, dass wir die Mädchen wirklich coachen. Da kann ich versuchen, einen besseren Bezug zur Branche herzustellen und ein bisschen aufzuklären.
Dann klären Sie uns mal auf: Muss man blond sein, um als Model Erfolg zu haben? Von Natur aus sind Sie ja braun.
Bei mir hat das tatsächlich Einiges ins Laufen gebracht, für kommerzielle Sachen war das schon sehr wichtig. Und wenn ich mich so umschaue, ist es meistens so, dass die in Deutschland bekannteren Mädchen blond sind.
Wollen Sie irgendwann wieder braune Haare haben?
Ja! In zwei Jahren vielleicht.
Das Gespräch führte Eva Dorothée Schmid.
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