Eine Schwarzen-Quote für die Models auf der Modewoche von São Paulo? Die Mode-Industrie solle sich freiwillig verpflichten, mehr schwarze Schönheiten über den Laufsteg der "São Paulo Fashion Week" zu schicken, fordert eine brasilianische Staatsanwältin - sonst will sie klagen.
Nicht einmal drei Prozent der Models, die auf der "São Paulo Fashion Week" defilieren, dem wichtigsten Mode-Ereignis Südamerikas, haben dunkle Hautfarbe. Das europäische Schönheitsideal ist eindeutig vorherrschend - und das in Brasilien, wo sich 50 Prozent der Menschen als schwarz oder dunkelhäutig ansehen. "Unser Ziel ist ein Abkommen zur sozialen Integration", erklärt die Staatsanwältin Déborah Kelly der Zeitung Folha de São Paulo zufolge ihre Initiative, "wir wollen, dass die Beteiligung eines Minimums an schwarzen Models gewährleistet ist".
Eine solche Quote - die es für Schwarze in Brasilien bisher nur an den Universitäten gibt - könne "das Werk des Modedesigners beeinträchtigen", denn "unsere Arbeit ist Kunst", die auf Identifikation des Publikums mit dem Model beruhe, wehrt die Modemacherin Glória Coelho den Vorstoß ab. Im Übrigen gebe es viele Schwarze auf der Fashion Week: "Sie nähen und entwerfen, es gibt schwarze Assistenten, schwarze Verkäuferinnen - warum müssen sie denn auch noch auf den Laufsteg?"
Integration ist Staatsziel
Der Staatsanwältin schwebt ein freiwilliger Verhaltenskodex zur Beschäftigung eines Minimums an Schwarzen vor - entsprechend beispielsweise der Selbstverpflichtung der Mode-Industrie, keine Mädchen unter 16 anzustellen oder die Magersucht zu ächten. Die Modewoche werde außerdem mit öffentlichem Geld gefördert, betont sie, und die Integration der Afro-Brasilianer sei erklärtes Ziel der offiziellen Politik.
Nicht alle Modemacher stehen der Initiative so ablehnend gegenüber wie Glória Coelho. "Natürlich schlagen schwarzen Models Vorurteile entgegen", sagt Hélder Dias de Araújo, Chef einer auf Schwarze spezialisierten Model-Agentur. "Wenn das Model ausgewählt wird, ist die Kleidung ja längst fertig", sagt ein Mode-Unternehmer - also greife die Hautfarbe eben nicht in den Schaffensprozess des Modeschöpfers ein. Ein anderer Modemacher fürchtet, dass es gar nicht genug schwarze Models gebe. Die Agenturen würden, wenn die Quote komme, "ein Vermögen" für sie fordern.
Die Zeitung zitiert die 19-jährige Emanuela da Paula, eines der fünf schwarzen Models Brasiliens, die im Ausland Erfolg haben. Sie erzählt, wie sie als Kind einen Schönheitswettbewerb gewann und sich anhören musste, dass "dieses Negerlein" den Sieg nicht verdient habe. Der Markt für Schwarze sei eng begrenzt - "oder haben Sie schon mal eine Schwarze, die nicht schon absolut berühmt war, auf der Titelseite der Vogue' gesehen?" Sie selber werde automatisch auf Bikinis und Sommermode gebucht. Für Winterkleidung scheide sie aus.
Quote auch "bei Kapitalisten"
Staatsanwältin Kelly solle sich doch bitte schön auch für eine Schwarzen-Quote bei "Bankiers und Fabrikbesitzern, Großagrariern und Kapitalisten" einsetzen, fordert ein Leserbriefschreiber. Daran seien Brasiliens Schwarze viel stärker interessiert als an dem Recht, auf der Modewoche in São Paulo zu defilieren.
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