Der aus Deutschland stammende Christian Karl Gerhartsreiter, auch bekannt als „falscher Rockefeller“, muss sich seit Mittwoch in Los Angeles wegen der mutmaßlichen Ermordung eines früheren Vermieters vor Gericht verantworten. Das Gericht will klären, wer für den Tod von John Sohus verantwortlich war, der zuletzt Anfang 1985 lebend gesehen und dessen Leiche im Mai 1994 bei Bauarbeiten für einen Swimmingpool im Garten seines Hauses gefunden wurde. Sollte Gerhartsreiter als Mörder schuldig gesprochen werden, drohen ihm mindestens 26 Jahre Haft.
Gerhartsreiter sitzt bereits seit 2009 wegen der Entführung seiner eigenen Tochter im Gefängnis. Er wurde im vergangenen Juli von Massachusetts nach Los Angeles verlegt, weil die Behörden ihn des Mordes an Sohus verdächtigen. Kurz nach Sohus verschwand 1985 auch ein Mann, der sich Christopher Chichester nannte und in einem Gästehaus von Sohus gewohnt hatte. Im Mai 1994 wurde Sohus Leiche gefunden - den Ermittlungen zufolge erlitt er tödliche Schläge auf den Kopf. Die Ermittler fanden heraus, dass Gerhartsreiter den Namen Christopher Chichester als eines seiner vielen Pseudonyme genutzt hatte.
Eine Reihe falscher Identitäten
Bei der Anhörung am Mittwoch ging es um den Leichenfund. Der Arbeiter José Perez erzählte, wie er beim Graben des Loches für den Swimmingpool auf die Gebeine Sohus' traf. Gerhartsreiter war 2009 wegen der Entführung seiner eigenen siebenjährigen Tochter von einem Gericht in Boston verurteilt worden. Der aus Bergen am Chiemsee stammende Gerhartsreiter war in den USA jahrelang unter dem falschen Namen Clark Rockefeller aufgetreten.
Der gebürtige Oberbayer reiste nach Erkenntnissen der US-Behörden vor drei Jahrzehnten in die USA ein und gab sich eine ganze Reihe falscher Namen und gefälschter Identitäten: Mit seiner Phantasie-Geschichte über die Zugehörigkeit zum Rockefeller-Clan, seiner Intelligenz und seinem Charme gewann er 1993 das Herz der Harvard-Absolventin Sandra Boss. 1995 heiratete das Paar, 2007 ließ es sich scheiden. Boss zahlte die Gerichtskosten und stattete ihren Mann mit 800.000 Dollar aus. (afp)
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