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Karate Kid: Mr. und Mr. Smith

Auf Vater Wills Spuren: Der zwölfjährige Jaden Smith glänzt als "Karate Kid" im Kino und hat schon Allüren.

Jaden Smith
Jaden Smith in Berlin.
Foto: ddp

Mit zwölf Jahren lernte Will Smith eine Lektion fürs Leben: Sein Vater riss eine Backsteinmauer vor seinem Büro ein – dann gab er seinen Söhnen einen Befehl: „Baut sie wieder auf.“ Eine unmögliche Aufgabe, meinten die beiden. Doch nach eineinhalb Jahren waren sie fertig, und Smith senior meinte: „Sagt mir nie mehr, dass ihr etwas im Leben nicht schaffen könnt.“

Rund 30 Jahre später sollte Will Smith mit seinem eigenen Sohn die Geschichte wiederholen. Nur dass sie sich diesmal nach den Maßstäben Hollywoods abspielte – es ging nicht um einen Haufen Steine, sondern um das Remake eines Kultfilms der 80er Jahre – „Karate Kid“, in dem sich ein gemobbter Schüler dank Kampfsport seine soziale Akzeptanz erstreitet. Der Produzent des ursprünglichen Streifens riet Smith dringend von einer Neufassung ab, doch der hatte sich den Stoff partout in den Kopf gesetzt. Und auch seinen Hauptdarsteller: den damals noch elfjährigen Jaden, der bereits an der Seite des Papas in dem Drama „Das Streben nach Glück“ sein Leinwanddebüt gegeben hatte.

Zur Person

Jaden Smith, 12, ist der Sohn des US-Schauspielers Will Smith – und trat trotz seiner jungen Jahre schon in einer Reihe von Filmen auf. So war er als Knirps in „Men in Black II“ zu sehen (2002, mit seinem Bruder Trey), ein Jahr später in „Matrix Reloaded“. Kürzlich debütierte er als Co-Sänger des Liedes „Never Say Never“ von Teenie-Stars Justin Bieber.

Die US-Kinobetreiber gaben dem Jungen aus Los Angeles für seine Rolle in „Karate Kid“ den Preis „Durchbruch des Jahres eines männlichen Stars“. (ill)

Widerspruch war zwecklos: „Er hatte diesen Masterplan ganz von alleine für mich entwickelt, und ich sagte mir: Okay, cool, machen wir das“, so der Filius. Damit durfte er auch das Leistungsdenken seines Vaters umsetzen. Wie sagt Will Smith so schön über sich selbst: „Ich bin nur ein bisschen talentierter als der Durchschnitt. Worin ich mich von den anderen abhebe, das ist meine ekelhafte Arbeitsethik. Wenn die anderen schlafen – arbeite ich, wenn sie essen – arbeite ich.“

Ganz ähnlich sollte es dann Jaden bei den Dreharbeiten zu „Karate Kid“ ergehen. „Wenn ich nicht gedreht habe, habe ich trainiert. Wenn ich weder das eine noch das andere tat, hatte ich Unterricht. Und sonst habe ich geschlafen.“

Diese Art Kinderarbeit macht sich bereits bezahlt. Allein in den USA spielte „Karate Kid“ bislang rund 170 Millionen Dollar ein – einer der größten Überraschungserfolge des Sommers. Was Smith junior von seinem Pensum hält, lässt sich nur bedingt erschließen. Im Gespräch zeigt der Junge eine enigmatische Einsilbigkeit – ein starker Kontrast zum redseligen Charme seines Vaters. Das klingt dann in etwa so:

Macht es Dich nervös, so einen Film allein auf Deinen Schultern zu tragen?

„Nein.“

Was motivierte Dich, es als Schauspieler zu versuchen?

„Dazu braucht es nicht viel. Ich wollte das schon immer tun.“

Dein Opa ließ Deinen Vater eine ganze Mauer bauen. Ist Dein Vater auch so streng?

„Nein. In unserem Haus gibt es keine strengen Regeln.“

Dass Smith jr. dabei kaum eine Gesichtsregung zeigt, lässt ihn schnell naseweis-arrogant wirken. Das einflussreiche Blog „Deadline Hollywood“ bezeichnete sein Verhalten bei PR-Auftritten als „abscheulich“. Die öffentliche Meinung in den USA nahm eine derart negative Färbung an, dass sich ein Kommentator des Magazins Entertainment Weekly bemüßigt fühlte, den ganzen „Jaden-Hassern“ entgegenzutreten. Doch was verbirgt sich hinter dieser Haltung? Schüchternheit ist es nicht, denn der Zwölfjährige ist um pointierte Antworten nicht verlegen. Befragt, wer der bessere Tänzer sei – er oder sein Vater, entgegnet er sofort: „Natürlich ich.“ En passant konstatiert er, dass er „gut im Küssen“ sei. Als er auf einer internationalen Pressekonferenz scherzhaft gefragt wird, ob er sich mit seinen Kampfkünsten gegen die versammelten Journalisten wehren könnte, schließt er seine Antwort mit der bizarren Drohung, mit Wasser zu spritzen: „Denn ihr Typen mögt kein Wasser.“

Nein, Schüchternheit ist es also offenbar nicht. Es geht wohl eher in diese Richtung: Jaden Smith distanziert sich schon jetzt von dem Medienzirkus, der gerade dabei ist, ihn aufzusaugen. Was schert ihn seine Wirkung in der Öffentlichkeit – er hat ja schauspielerisches Talent. Natürlich, ohne die Weichenstellungen seines Vaters wäre er nicht in dieser Position gelandet. Doch er kann auch eine ganze Menge: In „Das Streben nach Glück“ lieferte er als Sohn eines obdachlos gewordenen Vaters (gespielt vom Papa) eine Darstellung von authentischer Intensität. „Keiner, der den Film sieht, wird behaupten können, dass man hier ein Kind hineingezwungen hat, dem das Ganze über den Kopf gewachsen ist“, stellt Smith senior fest.

Noch mehr Respekt erwarb sich Jaden Smith nun als „Karate Kid“. Schon drei Monate vor Drehstart begann er, für den Film Kung Fu zu trainieren – denn das ist die Kampfkunst, die die Darsteller ausüben, auch wenn der Filmtitel etwas anderes sagt. Obwohl durch Action-Ikone Jackie Chan unterstützt, ist es vor allem der heute Zwölfjährige, der dem knapp zweieinhalbstündigen Film seine emotionale Glaubwürdigkeit verleiht. Dabei musste er zu den Dreharbeiten für vier Monate hinaus ins ferne China.

Sieht aus, als könnte Jaden Smith in die Fußstapfen seines Vaters treten. Seinen lakonischen Äußerungen nach zu schließen, hat er durchaus nichts dagegen. Was bleibt, ist eine kritische Frage an Will Smith: Musste er seinen Sohn wirklich in das Haifischbecken Hollywoods werfen? Doch der hat eine Antwort: „Meine Frau und ich wissen: Dieses Geschäft ist ein Monster, das viele Menschen auffrisst. Andererseits kennen wir dieses Geschäft besser als alles andere. Die Frage ist also: Setzt du deine Kinder einer gefährlichen Situation aus, die du nicht verstehst, oder einer, die du verstehst? Denn: Das ganze Leben ist gefährlich.“ Und immerhin: Mit Jackie Chan Kung Fu zu üben und chinesische Mädchen zu küssen, ist sicherlich motivierender, als Backsteinmauern zu bauen.

Autor:  Rüdiger Sturm
Datum:  21 | 7 | 2010
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