„Sex and Violence“ heißt der Pilotfilm, mit dem Muppet-Schöpfer Jim Henson und seine Mitstreiter 1975 die „Muppet Show“ bei US-amerikanischen Fernsehanstalten anpreisen. Ein fraglos reißerischer Titel für eine Show mit handgeführten Puppen, der aber schon im ersten Bild zurückgenommen wird: ein gottgleicher Riesenhammer zertrümmert die Riesenlettern und verkündet sogleich das Ende von Sex und Gewalt im Fernsehen.
Als in diesem Sinne nicht notwendig hilfreich erweisen sich dagegen die sieben Todsünden, in ihrer hübschen Verkörperung als Muppets, die das Geschehen im Folgenden vorantreiben, unterstützt von der Muppet-Rockband The Electric Mayhem. Letzteres bedeutet ins Deutsche übersetzt ja Körperverletzung und irgendwie gewalttätig wirkt auch die verplüschte Zurichtung der vier Präsidentensteinköpfe vom Rushmore Memorial, die als Showeinlage gezwungen werden, ausgesprochen steife Witze zu machen.
James Maury „Jim“ Henson wurde 1936 in Greenville, Mississippi geboren. Schon 1954, während seiner High School-Zeit, begann er, Puppen zu kreieren. 1976 ging die „Muppet Show“ auf Sendung. Henson starb m Alter von 53 Jahren an einer verschleppten Lungenentzündung. Auf seiner Beerdigung kamen alle Puppenspieler mit ihren Muppets auf die Bühne.
Das etwa zeitgleich entstandene „Muppet Show“-Bewerbungsvideo gibt sich dennoch selbstbewusst. Man verspricht den umworbenen Senderchefs nicht nur Geld und Ruhm bei Vertragsabschluss, sondern zeigt sich überzeugt, „dass Gott auf die (Muppet) Show herunterschauen und lächeln wird“.
Explosive Mischung aus Muppets, Menschen, Mutationen
Die Sache mit Gott ist schwer zu überprüfen, die verantwortlichen Programmmacher der US-Fernsehanstalten können sich für das Projekt nicht begeistern. Auch wenn einige Muppets wie Kermit bereits als „Sam and Friends“ (1955–1961), in der „Ed Sullivan Show“ und in verschiedenen TV-Spots – der melancholische Hund Rowlf etwa wirbt für Hundefutter – ihre Auftritte hatten, wird ihr Potenzial als Abendunterhalter verkannt.
Zu eng ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten das Puppenspiel-Genre in den 70er-Jahren mit seinen pädagogischen Einsatz für Kinder verwoben, wozu die seit 1969 ausgestrahlte Sesamstraße natürlich maßgeblich beiträgt. Dabei dürften ja gerade Ernie (hinter dem Jim Henson selbst steckt) und Bert (gespielt von Frank Oz, dem späteren Yoda aus Star Wars) wohl mindestens genauso viele erwachsene wie kindliche Anhänger haben, die zahlreichen schwulen Fans nicht zu vergessen.
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