Halle. Im Prozess wegen schweren sexuellen Missbrauchs des Stiefsohnes hat der Angeklagte am Freitag vor dem Landgericht Halle ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Er gab zu, sich an dem heute 14-jährigen Jungen zwischen August 2003 und April 2008 mehrfach vergangen und Fotos davon ins Internet gestellt zu haben. Angesichts eines Gutachtens über den psychischen Zustand des Kindes habe er sich zu den Äußerungen entschlossen, um dem Jungen die Aussage vor Gericht zu ersparen.
"Ich wollte dem Jungen wirklich ein gutes Zuhause geben", sagte der Angeklagte. Im Frühjahr 2001 sei das Kind aus "katastrophalen" häuslichen Verhältnissen zu ihm gezogen. Dies sei im Einvernehmen mit der Mutter des Kindes geschehen, mit der er befreundet war. Im Jahr 2003 sei es dann erstmals zu "Übergriffen" gekommen, wie der Angeklagte seine Taten vor Gericht nannte. "Ich weiß nicht, was mich da geritten hat", sagte der 36-Jährige. Der Junge habe die körperliche Nähe zu ihm gesucht.
"Ich muss komplett mit Blindheit geschlagen gewesen sein", sagte der Angeklagte. Vor der Aussage hatte der Vorsitzende Richter dem Angeklagten in einer Verfahrensabsprache eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren angeboten, wenn er ein Geständnis ablegt und so dem Jungen die Aussage erspart.
Der Fall war im April bekanntgeworden und hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Kanadische Ermittler hatten im Internet Bilder vom Täter und seinem Opfer entdeckt und die Spur bis nach Sachsen-Anhalt verfolgt. Auf einem der Fotos war ein Schulbuch abgebildet, das ausschließlich in den neuen Ländern eingesetzt wird.
Das Landeskriminalamt schrieb in einer gemeinsam mit dem Kultusministerium koordinierten Aktion alle Grundschulen des Landes an und bat um Hinweise auf ein beigefügtes Porträt des Jungen. Eine Lehrerin erkannte auf den Bildern ihren ehemaligen Schüler. (ddp).
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